Harte Arbeit für den Traum vom Film: Der Film 'Africanladies Show' dauert nur anderthalb Minuten. Aber diese kurze Arbeitsprobe reichte, um das Auswahlgremium des Berlinale-Talent-Campus von Regis Tallas Sachverstand zu überzeugen. 'In dem Film zeige ich, wie sich die Frauen in meiner Heimat allein durchschlagen, ohne auf die Hilfe der Männer zu zählen', berichtet der 30-jährige Regisseur und Produzent.
Vergrößern Harte Arbeit für den Traum vom Film | Bild: © dapd

Berlin (dapd).

Wie in einem Trailer reißt er Geschichten an: Die Frau, die vor ihrem gewalttätigen Mann flüchtet, die Friseurin, die geduldig Zöpfe flicht, die Ingenieurin, die auf der Baustelle Anweisungen erteilt. Seit fünf Jahren kämpft Regis Talla für seinen Traum vom Filmemachen. Nach dem Besuch einer privaten Filmschule gründete er mit Freunden die Produktionsfirma NS Pictures. Gemeinsam bauten sie einen Kamerakran, um die Schwenks und Fahrten drehen zu können, die heute zum visuellen Standard gehören.

Geld verdienten sie vor allem mit Musikvideos, die sie in ihrem kleinen Studio in Kameruns Hauptstadt Jaunde schnitten. Um ihren bisher letzten Film, einen Werbeclip, so gut wie möglich zu machen, haben sie sich tief verschuldet. Auftraggeber war die international tätige Bank Socitété Générale und es ging um Geldüberweisungen mit dem Handy - ein wichtige technische Innovation für Afrika und als Auftrag ein großes Ding für NS Pictures.

Solche Hartnäckigkeit wurde jetzt belohnt: Mit 350 anderen Filmemachern aus aller Welt kann sich Regis Talla sieben Tage lang austauschen und vernetzen. 150 Experten, darunter der Schauspieler Keanu Reeves ('Matrix'), teilen ihr Wissen mit dem Nachwuchs. Oberthema in diesem Jahr ist das Geschichtenerzählen und wie es sich im digitalen Zeitalter verändert.

In Kamerun gibt es kein einziges Kino mehr

'Es ist toll, ausgewählt zu sein und es bringt Prestige, beim Talent Campus dabei zu sein. Aber darauf kann ich mich nicht ausruhen, sondern muss weiter hart arbeiten', sagt Regis Talla. 'In Kamerun ist die Filmindustrie so gut wie tot. Es gibt im ganzen Land kein einziges Kino mehr und Filmförderung vom Staat ist unbekannt.' Sein großes Ziel, Spielfilme zu machen, könne er deshalb nur mit profitablen Stoffen erreichen.

'Hier in Berlin will ich herausfinden, wie man solche Projekte angeht', schildert Regis Talla seine Erwartungen an den Talent Campus. Auf jeden Fall sollen es Filme aus Afrika für Afrikaner sein. 'Europäische Filme stellen uns immer noch als Wilde dar. Europäer können solche Filme vielleicht gut finden, aber für uns fühlen sie sich falsch an', sagt der Regisseur.

Andere, wahrere Geschichten aus Afrika zu fördern, dafür hat der Talent Campus in den zehn Jahren seines Bestehens beigetragen. So kamen die ehemaligen Talents Agnes Nasozi und Caroline Kamya aus Uganda mit dem Spielfilm 'Imani' in das Programm der Berlinale zurück. Ariane Astrid Atodji aus Kamerun drehte später den erfolgreichen Dokumentarfilm 'Koundi und der nationale Donnerstag'. Und mit dem 'Berlinale Today Award' sind Folgeprojekte aus dem Talent Campus heraus institutionalisiert. Jedes Jahr können sich die Teilnehmer mit einer Filmidee für den Preis bewerben. Die ausgewählten Kurzfilme werden produziert und bei der Eröffnungsfeier des kommenden Jahres gezeigt.

Beim Talent Campus will Regis Talla auch für sein nächstes Projekt arbeiten: Einen Low-Budget-Film mit einer Liebesgeschichte, die er dann auf DVD in seiner Heimat vertreiben will. 'Wenn ich die Filmindustrie in meiner Heimat erwecken will, brauche ich Kontakte zu vielen Menschen', sagt der Regisseur. Auf dem Talent Campus wird er sie finden.

dapd