Berlin (ddp). Hallo, Wladimir Klitschko hier, tönt die Stimme des Boxweltmeisters aus dem Radio. «Mit der Demokratie ist es wie mit dem Sport: Wenn man nicht regelmäßig was tut, ist die Form schnell dahin. Darum geht es alle vier Jahre ins demokratische Trainingslager - bei der Bundestagswahl», betont Klitschko und fordert: «Machen sie mit - für eine Demokratie, die topfit ist.»

Klitschko ist einer von zahlreichen Prominenten, die dazu aufrufen, sich an der Bundestagswahl am 27. September zu beteiligen. Mehr als 80 Prominente haben in den vergangenen Wochen im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) insgesamt 160 Spots aufgenommen, die am Mittwoch an die Radiosender in ganz Deutschland geschickt wurden.

Neben anderen Sportlern wie dem Profifußballer Philipp Lahm und Handballtrainer Heiner Brand haben sich die Entertainer Jürgen von der Lippe und Dirk Bach sowie die Musiker Sportfreunde Stiller und Violinistin Anne-Sophie Mutter an der Aktion beteiligt. Comedian Oliver Pocher hat sich dafür gar einen Reim ausgedacht, den er mit Hip-Hop-Beat untermalt als Rapsong zum Besten gibt.

Nach Angaben eines bpb-Sprechers können die Sender nun nach eigenem Belieben die Promi-Aufrufe in ihrem Programm einbinden. Das Projekt ist laut bpb die bislang größte bundesweite Initiative zur Wählermobilisierung.

Die Aktion ist nicht auf das Radio beschränkt. Nach Angaben eines Bundestagssprechers laufen derzeit die Vorbereitungen für weitere Wahlspots. Ob es sich dabei ähnlich wie im Vorfeld der vergangenen Bundestagswahl um Filmspots in Kino und Privatfernsehen handelt, ließ der Sprecher offen. 2005 hatte der Bundestag auf die Vorbildfunktion bekannter Sportler gesetzt, die in Minispots verdeutlichten, wie wichtig der Gang zur Wahlurne ist. Damals waren die Spots in 600 deutschen Kinos und rund 500 Mal im Fernsehen gesendet worden.

Auch das Internet wird bei dieser Wahl intensiv dazu genutzt, Bürger zur Stimmabgabe zu bewegen. So hatte bereits vor einigen Tagen ein Video der Kommunikationsplattform Politik Digital mit einer virtuellen Nichtwähler-Provokation für Furore gesorgt. Vor allem Tagesschausprecher Jan Hofer war heftig gescholten worden, weil er in dem Clip auf der Webseite gehnichthin.de sagte: «Also, Sie werden mir das ja vielleicht nicht glauben, aber ich gehe nicht wählen.»

Ähnlich wie in dem Clip, bei dem Hollywoodstars unter anderem Leonardo di Caprio und Harrison Ford mit dem Motto «Don`t vote» während des US-Präsidentenwahlkampfs 2008 auf Wählerprovokation setzten, wollte jedoch auch Hofer an der Seite von Schauspielern, Musikern und Moderatoren lediglich provozieren. All diejenigen, denen das nicht von Anfang an klar war, erhielten wenige Tage später unmissverständlich Aufklärung durch einen zweiten Clip. Darin stellt Hofer klar: «Ich lese fast jeden Tag die Meldungen, dass Menschen ihr Leben geben würden, um wählen gehen zu können.» Und so ist der Appell am Ende des Videos klar - er heißt eindeutig auf allen Medienkanälen: «Geh wählen!»

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