Gute Perspektiven für junge Landwirte: Managementfähigkeiten und ausgeprägte Wortgewandtheit sind nicht unbedingt die Eigenschaften, die früher einem Bauern als erste zugeschrieben wurden. Doch Alexander Drerup aus Steinfurt zeichnet genau das aus, was Leiter von landwirtschaftlichen Betrieben haben sollten. Denn wer einen Bauernhof in die Zukunft führen will, muss sich immer neuen Herausforderungen stellen...
Vergrößern Gute Perspektiven für junge Landwirte | Bild: © dapd

Steinfurt (dapd-nrw). Managementfähigkeiten und ausgeprägte Wortgewandtheit sind nicht unbedingt die Eigenschaften, die früher einem Bauern als erste zugeschrieben wurden. Doch Alexander Drerup aus Steinfurt zeichnet genau das aus, was Leiter von landwirtschaftlichen Betrieben haben sollten. Denn wer einen Bauernhof in die Zukunft führen will, muss sich immer neuen Herausforderungen stellen: Technologische Entwicklungen verändern die Arbeitsprozesse, wirtschaftliche Rahmenbedingungen verschärfen sich, und die Märkte werden schwieriger. Der Umgang mit Kunden, Banken und Behörden verlangt kommunikatives Geschick, das mit produktionstechnischem Wissen einher gehen muss.

Drerup und Andreas Reckmann bringen all dies mit. Das haben die beiden Münsterländer jüngst bewiesen, als sie den diesjährigen Berufswettbewerb der Deutschen Landjugend gewannen. Gefunden hat sich das Duo am landwirtschaftlichen Berufskolleg für Agrarwirtschaft in Münster. 'Wir haben uns gut ergänzt', sagt Drerup.

So konnte Reckmann bei der Rentabilitätsberechnung einer Investition in einen Hähnchenmaststall und der Unterweisung eines Auszubildenden in die Qualitätsbewertung von Getreide seine Stärken ausspielen. Als es um das Zusammenstellen der Futtermischung und die Auswahl eines passenden Zuchtbullen für eine Kuh ging, war der Steinfurter Drerup in seinem Element.

Dann mussten die beiden noch in einem Vortrag das Pro und Kontra von Subventionen in der Landwirtschaft erörtern. 'Unser Fazit war, dass sie im Moment unverzichtbar sind. Aber auf Dauer sollte man ohne sie auskommen', fasst Drerup das Ergebnis zusammen.

In allen Wettbewerbsteilen gehörten die NRW-Vertreter zu den besten fünf Paaren. Das brachte ihnen in der Gesamtwertung den ersten Platz unter 13 Landesmeisterteams und eine 'richtig schnieke' Siegerehrung im Rahmen des Deutschen Bauerntags.

Zum Preis gehören die Teilnahme an einem Seminar 'Persönlichkeitsentwicklung' Ende November in Bonn. Anschließend geht es zum Europaparlament in Brüssel. Außerdem sind Reckmann und Drerup zur Internationalen Grünen Woche 2012 nach Berlin eingeladen.

Die beiden jungen Männer gehören zu dem hoch qualifizierten Nachwuchs, dem Experten 'hervorragende Zukunftschancen' vorhersagen. 'Denn der Bedarf an qualifizierten Fachkräften wird in der Landwirtschaft in den kommenden Jahren durch den Strukturwandel weiter steigen', prognostizieren der Präsident und der Direktor der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Johannes Frizen und Martin Berges, in ihrem jüngsten Jahresbericht.

Offenbar setzen viele junge Menschen im Land auf diesen Trend. Denn während bundesweit die Zahl der landwirtschaftlichen Lehrlinge rückläufig ist, stieg sie in NRW auf über 1.400 in den beiden vergangenen Jahren. Außerdem gibt es fast 500 Landwirtschafts-Studenten. Erstmals verzeichnete die Kammer aber 2010 bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen einen leichten Rückgang.

Reckmann ist inzwischen in den elterlichen Betrieb in Nottuln eingestiegen. Auch Drerup möchte in absehbarer Zeit den Hof in Steinfurt übernehmen und die Milchvieh-Wirtschaft erweitern. Er macht das aber davon abhängig, dass der geplante Bau eines neuen Kuhstalls finanziell gefördert wird.

Wenn es nicht klappt, hat er 'keine Probleme damit', sich im landwirtschaftsnahen Bereich eine Anstellung zu suchen. Der 27-Jährige könnte dabei auf seine erste Ausbildung zum Groß- und Einzelhandelskaufmann aufbauen. Seine Mutter aber weiß, dass er am liebsten der vererbten Rinderzucht-Passion nachgehen möchte. 'Die hat sein Großvater gehabt, sein Vater hat sie. Und dem Alexander liegt's auch im Blut', sagt sie.

dapd