Grüne fordern Abschaffung des Sitzenbleibens an Schulen: Die Grünen-Fraktion fordert die Abschaffung des Sitzenbleibens an Schulen. Klassenwiederholungen verbesserten die Leistungen nicht, sagte Grünen-Bildungsexpertin Astrid Rothe-Beinlich am Donnerstag in Erfurt. Dies sei wissenschaftlich belegt. Im Gegenteil erzielten die betroffenen Schüler langfristig noch schlechtere Ergebnisse.
Vergrößern Grüne fordern Abschaffung des Sitzenbleibens an Schulen | Bild: © ddp

In einem Antrag verlangen die Grünen, Klassenwiederholungen bis zum Jahr 2012 abzuschaffen.

Jedes Jahr gebe der Freistaat mehr als 20 Millionen Euro für sitzengebliebene Schüler aus, sagte Rothe-Beinlich. Diese Mittel könnten besser für die individuelle Förderung eingesetzt werden. Denn diese und die Unterrichtsqualität seien für den Erfolg entscheidend.

Rothe-Beinlich verwies auf die PISA-Ergebnisse der vergangenen Jahre, wonach mit individueller Förderung bessere Leistungen erzielt worden seien. Den Angaben zufolge werden in Thüringen jedes Jahr etwa 3500 Schüler nicht in die nächste Klassenstufe versetzt.

Das Bildungsministerium zeigte sich grundsätzlich offen für die Debatte. Ziel sei es, dass kein Schüler sitzen bleibe, sagte ein Ministeriumssprecher. «Dafür verbessern wir die individuelle Förderung und holen jeden Schüler dort ab, wo er steht.»

CDU-Generalsekretär Mario Voigt kritisierte den Vorschlag der Grünen als «leistungsfeindlich und ungerecht». Schwächeren Schülern helfe man nicht, «indem man sie durchwinkt, sondern indem man sie individuell fördert», argumentierte Voigt. Die Probleme der betroffenen Schüler würden stattdessen verschärft, weil sie in kommenden Schuljahren den Anschluss verlören. Das Abschaffen des Sitzenbleibens sei zudem unfair gegenüber denen, «die sich mit viel Mühe nach vorne kämpfen».

Ähnlich äußerte sich die FDP-Fraktion. «Wiederholungen sind keine Bestrafung», sagte FDP-Bildungsexpertin Franka Hitzing. Durch die Wiederholung werde das Wissen der betroffenen Schüler gefestigt. Individuelle Förderung reiche allein nicht aus. Dem Prinzip der Leistungsgerechtigkeit komme der Grünen-Vorschlag nicht genügend nach.

ddp