Das Grimm-Zentrum - zwischen Museumsinsel, Admiralspalast und S-Bahnhof Friedrichstraße gelegen - soll nach dem Willen seines Architekten Max Dudler in vielerlei Hinsicht Zukunft markieren: als Bau, der auch in Jahrzehnten noch modern wirkt, und als Bibliothek mit wegweisenden Raumkonzepten. «Nicht nur die Leseterrassen sollen zum Studieren und Verweilen einladen», sagt Dudler. Der Schweizer führte am Freitag als erste geladene Gäste die Mitglieder der Stiftung Humboldt-Universität (HU) durch die teils hallenartigen, mit Holz verblendeten Abteilungen. Die HU ist Bauherr des Gebäudes.
Vor allem in den Lesesälen wähnt sich der Besucher inmitten überdimensionaler Bücherregale. Die Einrichtung erinnert eher an das Ambiente eines Designeinrichters als an die gediegen-ehrwürdige Archivatmosphäre herkömmlicher Bibliotheken. In Rastern angeordnete Oberlichter lassen viel Tageslicht ein. Im größten aller Lesesäle hat sich Dudler eine kaskadenartige Anordnung der Ebenen erlaubt.
Insgesamt stehen 1250 Leseplätze und ein Audimax zur Verfügung. Die Leser können aus einem Bestand von 2,5 Millionen Büchern auswählen, laut HU-Präsident Christoph Markschies der größte Freihandbestand Deutschlands. Bisher zeichnete Dudler in Berlin für den Umbau des Abspannwerks Wilhelmsruh zu einem Geschäftshaus und die originalgetreue Sanierung der Aula der Max-Taut-Schule in Lichtenberg verantwortlich.
Die Kosten für den 75,5 Millionen Euro teuren Bibliotheksbau sind Markschies zufolge gut angelegtes Geld. «Versammelt er doch die bislang verstreuten Standorte in einer geisteswissenschaftlichen Zentralbibliothek.» Markschies ist gerührt und euphorisch zugleich, wenn er durch das lichtdurchflutete Gebäude geht. «Das Haus drückt den Geist der Universität aus, es ist schön und zweckmäßig und hat einen kleinen Pfiff», sagte der Uni-Präsident.
Die ersten Gäste am Montagmorgen sollen aus den Händen des Leiters der Universitätsbibliothek, Milan Bulaty, USB-Sticks mit Informationen zu HU und Grimm-Zentrum erhalten. Das kleine Geschenk ist ein Verweis auf «elektronische Innovationen» im Haus, die von vollautomatischen Selbstverbuchungsterminals bis hin zu PC- und Videokonferenzräumen reichen. Leser - Laien, Wissenschaftler und Studenten - sind täglich bis Mitternacht willkommen, samstags und sonntags hat die Mega-Bibliothek bis 18.00 Uhr geöffnet. Für Familien wurde ein spezieller Eltern-Kind-Bereich geschaffen.
Als Namensvorbilder hat sich das Zentrum in der Berliner Mitte zwei Große gewählt. Immerhin gelten Jacob Ludwig Carl (1785-1863) und Wilhelm Carl Grimm (1786-1859) laut HU als «Gründungsväter der deutschen Philologie beziehungsweise Germanistik». Das Brüderpaar sammelte nicht nur Märchen und Sagen, sondern machte sich vor allem mit der Herausgabe des «Deutschen Wörterbuchs» und der «Deutschen Grammatik» unsterblich. Die «Gebrüder» arbeiteten über Jahre als Bibliothekare. Mit Berlin waren sie auf das Engste verbunden, seit sie auf Vermittlung von Bettina von Arnim und Alexander von Humboldt in die Akademie der Wissenschaften berufen wurden. Zugleich lehrten die Grimms zu dieser Zeit an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität. Begraben sind sie in Berlin-Schöneberg.
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