Gläubiger sollen bei Q-Cells das Ruder übernehmen - Kapitalschnitt: BITTERFELD-WOLFEN (dpa-AFX) - Das Solarunternehmen Q-Cells  hat sich mit den wichtigsten Gläubigern auf eine Zukunft des Unternehmens geeinigt. Der Großteil des Aktienkapitals wird auf dem Wege eines radikalen Schulden- und Kapitalschnitts an die Anleiheinhaber übergehen, wie die Gesellschaft aus Bitterfeld-Wolfen am Mittwoch mitteilte. Damit könne Q-Cells künftig als nahezu schuldenfreies Unternehmen im Markt agieren, hieß es. Branchenexperten begrüßten den Schritt. Der Aktienkurs sprang zeitweise um mehr als 20 Prozent an.
Vergrößern Gläubiger sollen bei Q-Cells das Ruder übernehmen - Kapitalschnitt | Bild: © dpa

Laut Q-Cells sollen die Inhaber der drei 2012, 2014 und 2015 fälligen Wandelanleihen - der Hauptschuldenlast des Unternehmens - am Ende der Restrukturierung mindestens 95 Prozent des Aktienkapitals halten. Damit werden die bisherigen Aktionäre so gut wie komplett aus dem Unternehmen gedrängt. Dem dafür nötigen Schulden- und Kapitalschnitt müssen die Anleiheinhaber, die Aktionäre sowie die involvierten Behörden noch zustimmen.

Wer die wichtigsten Halter der Anleihen sind, dazu wollte sich das Unternehmen am Mittwoch nicht konkret äußern. Es müsse nun erst mit allen anderen Gläubigern gesprochen werden, hieß es. Die wesentlichen Anleiheinhaber setzten sich aus einer relativ überschaubaren Zahl von institutionellen Investoren zusammen. Unklar ist etwa, inwieweit die Firma Good Energies, die knapp 15 Prozent der Q-Cells-Aktien besitzt, auch zu den Gläubigern gehört. Als einer der Anleihehalter wird in der Branche der Name des britischen Finanzinvestor Arrowgrass genannt.

Als großen Vorteil der nun angestrebten Lösung erachtet es das Unternehmen, dass die Hauptgläubiger der eigentlich Ende Februar fälligen Wandelschuldverschreibung im Volumen von etwa 200 Millionen Euro sich auch statt dessen auf eine Zahlung in Höhe von insgesamt 20 Millionen Euro geeinigt haben. Das Geld soll aber erst nach Abschluss der Restrukturierung fließen. So bleiben die liquiden Mittel größtenteils beim Unternehmen. Für die Jahren 2013 bis 2015 werden dann wieder positive Ergebnisse erwartet.

"Das ist ein wesentlicher Schritt, der das Unternehmen vom Abgrund weggebracht hat", sagte der Solar Experte Wolfgang Hummel in einer ersten Reaktion. In der vergangenen Woche hatte der Konzern verkündet, dass das gesamte Eigenkapital aufgezehrt sei. In einer Hauptversammlung sollen die Aktionäre darüber Anfang März genauer aufgeklärt werden. Für den nun anstehenden Kapitalschnitt wird es eine weitere außerordentliche Hauptversammlung geben, der Termin dafür steht noch nicht fest.