Geschicklichkeit ist top: Am lautesten ist der Stand des Team Hot Wheels von Mattel: Schon von weitem ist von dort stampfende Musik vermischt mit dröhnendem Motorengeräusch zu vernehmen. Vier schnittige Rennfahrer in voller Montur mit Helm verstärken noch den Eindruck, dass sich in diesem Jahr ein Formel-1-Spektakel auf die Internationalen Spielwarenmesse (1. bis 6. Februar) in Nürnberg verirrt hat.
Vergrößern Geschicklichkeit ist top | Bild: © dapd

Nürnberg (dapd-bay).

Tatsächlich nutzt Mattel jedoch als einer von etwa 50 Herstellern die traditionelle Neuheitenschau vor der Messeeröffnung am Dienstag, um sein nagelneues Rennspiel 'Hot Wheels' vorzustellen, das waghalsige Stunts mit kleinen Autos und Motorrädern ermöglicht und sich durch seine Kombination mit einem Tablet-Computer auch an große Autofans richtet.

Der Branchenprimus passt damit wunderbar ins Konzept der Spielwarenmesse, die in diesem Jahr die Jugendlichen in ihren Mittelpunkt stellen will.

Die hat die Firma Hudora aus Remscheid, die ihren Stand in unmittelbarer Nähe zu Mattel hat und mit lauter Hip-Hop-Musik und Tanzeinlagen auf sich aufmerksam machen will, ebenfalls als Zielgruppe auf ihrem Schirm. Hudora stellt Skateboards und Inline-Skates her und präsentiert in Nürnberg ihre neueste Entwicklung, sogenannte Twin-Skates.

Diese zweigeteilten Skateboards sollen Mitte Februar für 79 Euro auf den Markt kommen und verlangen vom Nutzer durchaus einiges an Geschick und Übung, wie Vertriebsleiter Thomas Ludwig erklärt. Dass die Grenze zwischen Sport- und Spielgerät im Bereich Outdoor fließend ist, gibt er zu. 'Wir stehen für Bewegung', fasst Ludwig zusammen und erzählt, dass die Twin-Skates erst am Vorabend auf der Sportmesse Ispo in München mit dem Ispo Award 2012 für 'Performance Hardware' ausgezeichnet worden sind.

'Mit Outdoor-Spielen macht die Branche zwar keine 100 Millionen Euro ihres Gesamtumsatzes von zuletzt mehr als 2,6 Milliarden Euro. Aber man kann mit solchen Spielgeräten Jugendliche gut ansprechen', erklärt der Geschäftsführer des Deutschen Verbands der Spielwaren-Industrie, Volker Schmid. Und gerade die 10- bis 17-Jährigen seien in den vergangenen Jahren als Käufergruppe weitgehend verloren gegangen, ohne dass sich die Branche darum gekümmert habe. Das soll jetzt anders werden - auch wenn die Jugendlichen nach Schmids Einschätzung keineswegs die zukunftsträchtige Zielgruppe schlechthin sind. 'Die sehe ich eher bei Erwachsenen und Senioren, weil sie mehr Geld haben', erklärt er. Dennoch seien Outdoor-Spiele eine willkommene Werbung. 'Im Sinne einer guten Kommunikation erfreut ihr Erfolg die ganze Branche', erklärt er.

So gesehen kann sich die Branche schon einmal auf die jüngste Entwicklung von Kickboard- und Aluroller-Erfinder Wim Ouboter von 'Micro Mobility Systems' freuen: Er hat ein puristisches 6,3 Kilogramm leichtes Klapprad entworfen, das ohne Gangschaltung oder sonstiges Zubehör auskommen soll und - nach einer gewissen Eingewöhnung - für einen unkomplizierten Stadtbummel im Flachen gedacht ist. 'Bergauffahren ist doch out', erzählt der 52-jährige Schweizer schmunzelnd und kündigt die Markteinführung seines 190 Euro teuren 'Pedal Flow' für den Sommer an.

Etwas Übung verlangt auch der neuartige Tisch-Kicker 'Foooz' der niederländischen Firma Goliath Toys, der im zweiten Quartal auf den Markt kommen soll. Auf der Neuheitenschau wird er von den Jungschauspielern Jimi Blue und Wilson Ochsenknecht vorgestellt, die mit ihren 20 und 22 Jahren dem Teenageralter zwar längst entwachsen sind, sich aber noch nicht zu alt zum Spielen fühlen. 'Egal, wie alt man ist, man bleibt immer ein Kind', betont Wilson.

Das Besondere an 'Foooz' ist, dass seine Figuren anders als bei herkömmlichen Tischkickern nicht an einer Stange befestigt sind, sondern mit den eigenen Händen frei auf dem Spielfeld geführt werden müssen. Wer den Kick raus hat, kann sich weiteren Herausforderungen stellen und Aufgaben in verschiedenen Schwierigkeitsstufen bewältigen, die ihm durch Trickkarten vorgegeben werden. Dass sich für das für Kinder ab fünf Jahren konzipierte Spiel auch die Jungschauspieler Jimi Blue und Wilson begeistern können, freut Pressesprecherin Jenny Gardke sichtlich: 'Daran sieht man doch, welch große Altersspanne es abdeckt'.

dapd