GESAMT-ROUNDUP: Atomlaufzeiten umstritten - Vorstoß für Gorleben-Alternativen: HANNOVER/GROHNDE/LINGEN (dpa-AFX) - Die drei Atomkraftwerke in Niedersachsen werden nach den Plänen der Bundesregierung noch viele Jahre am Netz bleiben. Damit sind Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen an den Standorten weiterhin gesichert. Bei den betroffenen Kommunen stoßen die längeren AKW-Laufzeiten jedoch auf geteilte Meinung.
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Unterdessen wird auch das mögliche Endlager für hoch radioaktiven Müll aus deutschen Kernkraftwerken in Gorleben den Protest wieder anheizen. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) bekräftigte, dass in Kürze die Erkundung des Salzstocks Gorleben auf seine Tauglichkeit als Endlager wieder aufgenommen wird. Rot-Grün hatte vor zehn Jahren wegen Zweifeln an der Eignung einen Erkundungsstopp beschlossen.

Der niedersächsische CDU-Fraktionschef Björn Thümler sprach sich am Dienstag dann dafür aus, dass sich die Suche nach einem Atomendlager nicht nur auf Gorleben beschränken dürfe. Auch die süddeutschen Länder sollten sich auf ihrem Gebiet nach Endlager-Standorten umsehen, sagte er der Nachrichtenagentur dpa in Hannover. "Es kann nicht sein, dass die Süddeutschen sagen, Niedersachsen ist die atomare Endlager-Stätte Deutschlands und der Rest der Republik hat damit nichts zu tun."

Bislang hatte stets die SPD die Suche nach alternativen Standorten zu Gorleben gefordert. Die Grünen halten den Salzstock im niedersächsischen Wendland nicht für sicher. Atomkraftgegner in Niedersachsen bereiten sich auf eine neue Welle von Protesten vor.

In den Regionen mit Atomkraftwerken in Niedersachsen herrschen nach der Einigung der Bundesregierung gemischte Gefühle. "Einerseits sehe ich natürlich durchaus die Vorteile, gerade was Arbeitsplätze angeht. Auf der anderen Seite sind aber die Risiken: Keiner weiß, was für Probleme entstehen, wenn ein Meiler älter wird", sagte der Bürgermeister von Emmerthal, Andreas Grossmann (SPD), der Nachrichtenagentur dpa. In seiner Gemeinde befindet sich der Atommeiler Grohnde, der nach bisheriger Planung 2018 vom Netz gehen sollte. Nun darf er aber bis 2032 weiter laufen.

Die Kommunen müssten etwas von den geplanten Sonderabgaben der Energiekonzerne abbekommen, forderte Grossmann. Denn ein Atomkraftwerk sei auch ein Standortnachteil, beispielsweise für den Tourismus.

So sieht es auch der Erste Stadtrat von Lingen, Ralf Büring (parteilos), wo das Kraftwerk Emsland nun bis 2034 Strom liefern soll. Die zusätzlichen Abgaben würden die Gewinne der Energieversorger schmälern, so dass diese weniger Gewerbesteuer zahlen müssten. "Wir möchten nicht schlechter dastehen als bisher."

Der Bürgermeister der Gemeinde Stadland, wo Niedersachsens ältester Atomreaktor steht, begrüßt dagegen das Energiekonzept der Bundesregierung. "Das Kernkraftwerk möge so lange laufen wie technisch vertretbar", sagte Boris Schierholz (parteilos).

Eigentlich sollte das AKW Unterweser schon 2012 abgeschaltet werden. Jetzt ist eine Verlängerung bis 2020 vorgesehen. Für die strukturschwache Region im Kreis Wesermarsch sei das Kernkraftwerk von großer Bedeutung, betonte Schierholz. 400 Mitarbeiter seien dort beschäftigt. Außerdem würden zahlreiche Arbeitsplätze bei Zulieferern in der Region davon abhängen.

Auch Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) beharrt darauf, von den zusätzlichen Zahlungen der Atomwirtschaft zu profitieren. Er wolle jetzt Klarheit haben und werde sich mit einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel wenden, sagte Regierungssprecher Franz Rainer Enste am Dienstag der dpa. Der Ministerpräsident pocht auf eine Beteiligung des Bundes und der Energiekonzerne an der Sanierung des maroden Atommülllagers Asse bei Wolfenbüttel.