Gerüchte - Faßberg hofft nach Riegers Tod auf ruhigere Zeiten: Polizei dementiert Gerüchte über Neonazi-Suche nach Testament des NPD-Anwalts Die durch Immobiliengeschäfte des rechtsextremen Hamburger Anwalts und NPD-Vize Jürgen Rieger in die Schlagzeilen geratene Gemeinde Faßberg bei Celle hofft nach dem Tod des Neonazis auf ruhigere Zeiten. Der Faßberger Bürgermeister Hans-Werner Schlitte (parteilos) sagte auf ddp-Anfrage am Freitag, die Nachricht vom Tod Riegers sei in Faßberg mit einer «gewissen Erleichterung» aufgenommen worden.
Vergrößern Gerüchte - Faßberg hofft nach Riegers Tod auf ruhigere Zeiten | Bild: ©

In Faßberg hatte der für seine Immobiliengeschäfte berüchtigte Rieger rund zwei Jahre lang darum gekämpft, in einem leerstehenden Landhotel ein rechtes Schulungszentrum einzurichten. Neonazis hatten das 80-Betten-Haus im Juli zwei Wochen lang besetzt, das Gebäude nach einem Gerichtsurteil aber unter großem Polizeiaufgebot freiwillig geräumt. Die Anwohner Faßbergs hatten unter anderem mit täglichen Mahnwachen gegen die Besetzung des Hotels protestiert.

Schlitte sagte mit Blick auf die bevorstehende Zwangsversteigerung des Hauses am 16. Dezember, noch könne sich die Gemeinde «nicht bequem zurücklehnen». Die Rechtslage um die Immobilie sei «verworren», man stehe aber mit den Eigentümern des Gebäudes in Kontakt. Ein Investor, der in dem Hotel eine Pflegeeinrichtung unterbringen will, stehe bereit. An dem Termin für die Zwangsversteigerung werde sich nichts ändern.

Die Eigentümer des Hotels hatten mehrfach die Absicht bekundet, das Gebäude an Rieger verkaufen zu wollen. Mit ihnen hatte Rieger einen Pachtvertrag abgeschlossen, über dessen Gültigkeit vor Gericht gestritten wird.

An der Eingangstür von Riegers Anwaltsbüro in dessen Haus im noblen Hamburger Stadtteil Blankenese verkündete am Freitag ein Zettel: «Die Kanzlei ist vorübergehend geschlossen.» Mehrere Scheiben der Altbauvilla an einer Straßeneinmündung zur Elbchaussee waren durch Steinwürfe beschädigt. Ein Firmenschild wies Rieger als Anwalt für «Strafverteidigung, Immobilienrecht, EU-Landwirtschaftsrecht, Stiftungsrecht, Erbrecht - Sprachen: Deutsch, Englisch, Schwedisch» aus. Darunter standen Verweise auf weitere Anwälte und Steuerberater in Stuttgart, Leonberg und Leipzig.

Vor dem Haus hatten sich zeitweise Fotoreporter und Kameraleute eingefunden. Sie wurden von Kanzleimitarbeitern, die zuvor mit versteinerten Gesichtern wortlos das Haus betreten hatten, hinter Grünpflanzen und Gardinen beobachtet. Am Vormittag hatten sich Gerüchte verbreitet, dass Mitglieder rechtsextremer Kameradschaften das Haus nach Riegers Testament durchsucht hätten. Die Polizei, die das Haus mit Streifenwagen beobachtete, teilte jedoch mit, es lägen keine Hinweise auf unberechtigtes Eindringen vor.

Faßberg (ddp-nrd)