Politik
Genprojekt - Hoher Sachschaden bei Anschlag auf Genfeld
02.07.09 | 17:18 UhrWachmann leicht verletzt - Genprojekt läuft weiter
Thulendorf/Rostock (ddp-nrd). Durch den Anschlag auf Versuchsfelder mit gentechnisch veränderten Pflanzen ist den Betreibern ein hoher Schaden entstanden. Allein der Ersatz der Weizen- und Kartoffelpflanzen koste mindestens einen vierstelligen Eurobetrag sowie weitere zeitraubende Forschungsarbeit, sagte Inge Broer, Professorin für Agrobiotechnologie an der Uni Rostock und Projektleiterin der Genversuche, am Donnerstag.
Dass bei dem Übergriff maskierter Täter in der Nacht zum Donnerstag auch ein Wachmann verletzt worden sei, erschrecke und erschüttere sie. Man müsse sich inzwischen Sorgen machen über das aggressive Potenzial der Gentechnikgegner. «Es wird offen zur Zerstörung der Versuchsfelder aufgerufen, ich bin erschrocken über solch ein Klima», sagte Broer, die das Genprojekt nicht abbrechen will.
Die Unbekannten hatten auf den bewachten Feldern zahlreiche Pflanzen zerstört und mehrere Liter einer noch unbekannten Flüssigkeit verschüttet. Als sie von dem Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma überrascht wurden, schlugen sie ihn mit Fäusten und verletzten ihn leicht.
Der Anschlag galt zwei Feldern bei Thulendorf in der Nähe des Agrobiotechnikums, das von der Wissenschaftlerin geleitet wird. Vor Monaten waren hier pilzresistente Weizensorten sowie Industriekartoffeln ausgepflanzt worden, die zur Herstellung von abbaubaren Kunststoffen sowie von Impfstoffen dienen könnten. Dagegen hatte es immer wieder Proteste gegeben.
Dass die Anwendung grüner Gentechnik im Mittelpunkt kritischer Aufmerksamkeit steht, hält der agrarpolitische Sprecher der Linksfraktion im Schweriner Landtag, Fritz Tack, auch für berechtigt. Gleichzeitig distanzierte er sich aber von den Zerstörungen der Felder und dem Übergriff auf das Wachpersonal. Diese kriminelle und militante Gegnerschaft diskreditiere alle Gentechnikgegner, die sich sachlich mit dem Thema auseinandersetzten, sagte Tack.
Die agrarpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Beate Schlupp, verlangte von den organisierten Gentechnikgegnern, sich klar von militanten und gewalttätigen Aktionen zu distanzieren. Wo Recht und Gesetz gebrochen, fremdes Eigentum geschädigt und Menschen verletzt werden, seien die Freiheitsrechte des Grundgesetzes klar überschritten, sagte Schlupp.
(ddp)
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