Bottrop (dapd-nrw).
Auf der traditionellen DGB-Kundgebung zum 1. Mai in der Bergbau-Stadt beschwor Gabriel traditionelle Werte der Arbeiterbewegung. 'Fortschritt', soziale Sicherheit und Solidarität - 'Zurück zu den Wurzeln' schien sein Redemotto zu lauten. Sogar Willy Brandts 'Mehr Demokratie wagen' zog Gabriel heran.
Kein Wort zu Sarrazin
Lauten Applaus von den rund 1.500 Kundgebungs-Teilnehmern bekam der SPD-Chef, als er einen Leitspruch der Arbeitgeber und einiger CDU- und FDP-Politiker aufs Korn nahm: 'Sozial ist nicht, was Arbeit schafft. Sozial ist nur, was Arbeit schafft, von der man leben kann', schimpfte Gabriel. Mindestlöhne, mehr Bildungsinvestitionen, bezahlbare Energiepreise - der Parteichef ließ kaum ein Thema aus.
Den versammelten Gewerkschaftern gefiel Gabriels Ansprache an die Arbeiter. Nur vereinzelt gab es kritische Zwischenrufe. Gabriel räumte ein, die SPD habe nicht immer alles richtig gemacht. Die Rente mit 67 und die Agenda 2010 sind im Revier nicht vergessen.
Bottrop ist dennoch eine klassische SPD- und Malocher-Stadt wie es sie allerdings immer seltener gibt. Sogar ein Steinkohle-Bergwerk ist in der Revier-Kommune noch in Betrieb. 6.000 Bergleute arbeiten unter Tage auf Zeche Prosper. In Bottrop ist die SPD-Welt noch in Ordnung. Zur Mai-Kundgebung war der Spielmannszug aufmarschiert und schmetterte Liedgut wie 'Brüder zur Sonne zur Freiheit'.
Die Sonne schien. Gabriel schwitzte ein bisschen. Er redete laut. An einigen Stellen seines Vortrags konnte er sich kleine Sticheleien gegen die in Umfragen und Wahlergebnissen erstarkten Grünen nicht verkneifen. Deutschland sei Industrieland und müsse dies auch bleiben, forderte der Sozialdemokrat. 'Das heißt auch, dass man die Bedingungen dafür schaffen muss.' Eine gute Infrastruktur sei wichtig, dies schließe 'moderne Bahnhöfe' mit ein, sagte Gabriel offenbar als Anspielung auf den Konflikt um 'Stuttgart 21'. Auch für neue Kohlekraftwerke sprach er sich vehement aus.
Zum eingestellten Parteiausschlussverfahren gegen Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin schwieg Gabriel in seiner Mai-Rede.
Auch aus dem Landesverband NRW hatte er in den vergangenen Wochen herbe Kritik einstecken müssen. Der Essener Sascha Vogt, Bundeschef der Jusos, rügte Gabriels 'Wischi-Waschi-Kurs'. Zum Thema Sarrazin urteilte der Jungsozialist unlängst über Gabriel: 'Sonst sagt er gerne zu jedem Thema seine Meinung. Jetzt hält er sich vornehm zurück.' Nach der Rückkehr aus Bottrop warten in Berlin dieses und andere Streitthemen auf den SPD-Bundeschef.
dapd


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