Offenbar stellt der EU-Gipfel jedoch aus Sicht der meisten Börsianer nicht den erhofften Befreiungsschlag dar: "Die Tatsache, dass sich nur 23 der 27 EU-Staaten auf die Bildung einer Fiskalunion verständigen konnten, ist ein Wermutstropfen und könnte kurzfristig noch für rechtliche Unsicherheit sorgen. Insgesamt zielen die Beschlüsse jedoch in die richtige Richtung", sagte Analyst Markus Reinwand von der Helaba. "Aktien bleiben vorerst in unruhigem Fahrwasser."
DEUTSCHE BANK AN DAX-SPITZE
"Man könnte sagen: 'Merkel rockt den Dax' - allerdings hat das Kursplus am Aktienmarkt wohl eher etwas mit den positiven Vorgaben der US-Börsen zu tun", sagte Analyst Frank Geilfuß vom Berliner Bankhaus Löbbecke. Die Gipfel-Beschlüsse seien eher widersprüchlich und der DAX-Anstieg habe weniger mit diesen Nachrichten zu tun. "Der Dax orientiert sich an den positiven Vorgaben aus Amerika".
Aktien der Deutschen Bank kletterten nach anfänglichen Verlusten mit plus 4,73 Prozent auf 29,58 Euro an die Dax-Spitze. Die Börsianer waren erleichtert, dass es beim Bankenstresstest keine neuen Hiobsbotschaften gegeben hatte. Der Belastungstest für die Branche sei wie erwartet ausgefallen, hieß es. Commerzbank-Titel gingen mit plus 3,67 Prozent auf 1,33 Euro aus dem Handel. Auch Versicherer zählten europaweit zu den Gewinnern, was Händler mit leichter Entspannung an den Rentenmärkten der Eurozone begründeten. Der Branchenindex des Stoxx Europe 600 Insurance legte mit plus 2,35 Prozent besonders deutlich zu. Die Aktien der Allianz gewannen 3,24 Prozent auf 79,39 Euro, Munich Re stiegen um 2,15 Prozent auf 95,00 Euro.
K+S AM DAX-ENDE - MORGAN STANLEY SENKT KURSZIEL
Ans Dax-Ende rutschten hingegen die Titel von K+S mit einem Minus von 2,70 Prozent bei 35,07 Euro. Die US-Investmentbank Morgan Stanley hatte das Kursziel in Erwartung niedrigerer Kali-Volumina und geringerer Gewinne aus dem Salzgeschäft reduziert. Bayer-Papiere legten hingegen um 1,95 Prozent auf 47,37 Euro zu. Experten der US-Gesundheitsbehörde FDA hatten die Anwendungsbestimmungen für Bayer-Antibaby-Pillen in den USA nicht entscheidend verschärft.
Die Aktien von Ultrasonic beendeten ihren ersten Handelstag im Prime Standard mit einem deutlichen Abschlag. Die Anteile an dem chinesischen Schuhhersteller schlossen bei 8,28 Euro und gingen damit spürbar unter ihrem Ausgabepreis von 9,00 Euro aus dem Handel. Der Börsengang war bereits in der Zeichnungsphase nur auf verhaltenes Interesse gestoßen. Statt der angepeilten 1,5 Millionen wurden nur 700.000 Aktien am unteren Ende der Preisspanne platziert. Ursprünglich hatte Ultrasonic bis zu 11 Euro je Aktie angepeilt. Damit kam das Unternehmen nun auf ein Platzierungsvolumen von 6,3 Millionen Euro.
GEWINN AUCH IN EUROPA UND USA
Auch an den übrigen Börsen legten die Indizes zu. Der Eurostoxx 50 stieg um 2,38 Prozent auf 2342,59 Punkte, Paris und London verzeichneten ebenfalls Kursgewinne. In New York lag der Leitindex Dow Jones zum europäischen Handelsschluss knapp anderthalb Prozent im Plus.
Am deutschen Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 1,68 (Vortag: 1,71) Prozent. Der Rentenindex Rex verharrte bei 130,26 Punkten. Der Bund Future fiel um 1,04 Prozent auf 135,40 Punkte. Der Eurokurs fiel: Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3384 (1,3410) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7472 (0,7457) Euro.


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