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"FRANKFURT (dpa-AFX) - So viele Weichenstellungen in so kurzer Zeit gibt es selten: Binnen gut einer Woche haben ..."

HINTERGRUND/Nach der 'Notenbankenwoche': Wohin steuert die Geldpolitik?
Bild: © Fotolia.com / Sven Hoppe
HINTERGRUND/Nach der 'Notenbankenwoche': Wohin steuert die Geldpolitik?
FRANKFURT (dpa-AFX) - So viele Weichenstellungen in so kurzer Zeit gibt es selten: Binnen gut einer Woche haben sieben der wichtigsten Notenbanken der Welt ihre geldpolitischen Entscheidungen getroffen. Das Wichtigste im Überblick.

USA: Die Chefin der US-Notenbank Fed ist ziellos wie ein Fähnchen im Wind. So sehen es jedenfalls ihre Kritiker. Nachdem Janet Yellen im Dezember erstmals seit der Krise die Zinsen von der Nullinie angehoben hatte, ist von einer Zinswende nichts mehr zu spüren. Aus Sorge um die Weltwirtschaft hat Yellen den Leitzins am Mittwoch zum zweiten Mal seit Dezember unangetastet in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,50 Prozent belassen. Für 2016 rechnet die Fed jetzt nur noch mit zwei Anhebungen. Bislang waren es vier. Dabei ist der US-Arbeitsmarkt robust, die Wirtschaft wächst. "Wenn Sie jetzt nicht anheben, wann denn dann?", wurde Yellen bei der Pressekonferenz gefragt.

EUROZONE: Mario Draghi ließ Worten Taten folgen und bewies am 10. März, dass er im Kampf gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche viele Mittel zur Hand hat: Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) senkte alle wichtigen Leitzinsen, weitete das milliardenschwere Wertpapierkaufprogramm aus und legte neue Langfristkredite für Banken auf. Bitter für Draghi: Die Märkte waren trotzdem schlecht gelaunt. Nachdem Draghi gesagt hatte, dass wohl vorerst keine weitere Zinssenkungen anstehe, reagierten sie verunsichert - Wasser auf die Mühlen der Draghi-Kritiker. Geht der EZB die Munition aus?

JAPAN: Es ist fast schon ein Ritual: Wieder einmal senkten die japanischen Notenbanker ihre Inflationserwartungen. Eine Ausweitung der Geldflut gab es am Dienstag aber dennoch nicht. Nicht einmal die japanischen Währungshüter glaubten noch an die Wirksamkeit ihrer Medizin, sagen Kritiker. Die Finanzmärkte reagierten verschnupft: Die Aktienkurse gaben nach, der Yen legte zu. Notenbankchef Haruhiko Kuroda betonte schon am nächsten Tag: Weitere Leitzinssenkungen von derzeit minus 0,1 auf bis zu minus 0,5 Prozent seien denkbar.

GROSSBRITANNIEN: Die Angst vor einem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union hält die britische Geldpolitik in ihrem Bann. Die Anleger seien verunsichert und die Kauflust der Briten könnte gedämpft werden, stellten die Notenbanker am Donnerstag fest. Kein gutes Umfeld für eine Zinsanhebung. Die Bank of England ließ den Leitzins unverändert auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent. Während früher einige Experten damit rechneten, dass die Briten wie die Fed bald ihre Zinsen anheben würden, erwartet das inzwischen kaum noch jemand.

SCHWEIZ: Der zuletzt gestärkte Euro hat den Schweizern am Donnerstag Gelegenheit für eine Verschnaufpause gegeben. Seitdem sie im Januar 2015 die Wechselkursbindung des Franken an den Euro aufgegeben haben, kämpfen sie mit Eingriffen am Devisenmarkt und mit Niedrigzinsen gegen einen allzu starken Franken. Denn der schwächt die Exportunternehmen. Gerne lockern die Schweizer ihre Geldpolitik aber nicht. Sie fürchten Blasenbildungen am Häusermarkt. Kein Wunder also, dass sie am Donnerstag still hielten: Den Zins für Bankeinlagen ließen sie unverändert bei minus 0,75 Prozent.

NORWEGEN: Die norwegischen Währungshüter sind in einer Zwickmühle: Mit einer historisch einmaligen Niedrigzinspolitik wollen sie der Wirtschaft unter die Arme greifen. Denn die ist stark abhängig von Ölexporten und leidet unter dem rapiden Verfall der Ölpreise. Aber die Hilfe ist riskant: Die Inflation ist in Norwegen vergleichsweise hoch. Am Donnerstag zeigten sich die Norweger dennoch entschlossen und senkten den Leitzins auf ein neues Rekordtief von 0,50 Prozent. Außerdem kündigten sie an, dieses Jahr womöglich noch nachzulegen.

RUSSLAND: In einer ganz ähnlichen Zwickmühle wie die Norweger befinden sich die Russen. Nur ist bei ihnen alles noch viel schlimmer. Der massive Verfall der Ölpreise und internationale Wirtschaftssanktionen haben das Land in eine tiefe Rezession gestürzt. Bis zum Sommer 2015 haben die Notenbanker binnen eines halben Jahres den Leitzins von 17 auf 11 Prozent gesenkt, um die Konjunktur anzuschieben. Das hat aber den Rubel auf Talfahrt geschickt und lässt die Inflation galoppieren. Daher haben sich die Notenbanker am Freitag gegen eine weitere Leitzinssenkung entschieden./tos/jkr/fbr

Von Tobias Schmidt, dpa-AFX

















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