Peking 10.02.2012 (www.emfis.de) Gestern hat der US-Shortseller Muddy Waters erneut Focus Media aufs Korn genommen. Das erwartete Kursbeben blieb jedoch aus...
Offenbar sind die Tage gezählt, in denen schon das Gerücht, dass ein chinesisches Unternehmen ins Blickfeld von Muddy Waters gerückt sei, die Anleger verunsichern konnte und automatisch unzählige Verkäufe zur Folge hatte. Ende letzten Jahres hatte der Shortseller unter anderem Sino-Forest und Focus Media angegriffen, was in beiden Fällen noch zu einem gravierenden Kurssturz führte.
Obwohl die Bilanzen des chinesischen Waldplantagenbetreibers Sino-Forest tatsächlich derart vertrackt sind, dass selbst die einberaumte Untersuchungskommission unlängst zugeben musste, nicht mehr durchzublicken, sah es bislang jedoch so aus, als seien die Vorwürfe gegen Focus Media unbegründet.
Auftritt Carson Block: Gestern veröffentlichte der Kopf hinter Muddy Waters einen neuen Bericht, der erneut Unregelmäßigkeiten bei Focus Media anprangern sollte. Im Prinzip wiederholte Block jedoch nur seine alten Thesen, dass das Unternehmen bei der Zählung seiner LCD-Displays geschummelt habe und andere Firmen zu überhöhten Preisen übernommen habe, um die eigenen Verluste zu verschleiern.
Allerdings wartete Block in seinem neuen Bericht mit weiteren Details auf. Er habe festgestellt, dass bei der Anzahl der LCD-Displays auch elektrisch betriebene Posterrahmen hinzugezählt wurden. Zudem habe Focus Media bei der Kinowerbung falsche Angaben gemacht.
Focus Media hat auf diese Anschuldigungen umgehend geantwortet. Die fraglichen Posterrahmen (LCD 1.0 picture frame devices) befinden sich in den Provinzen Tianjin, Kunming und Shijiazhuang und seien unter den LCD-Displays aufgelistet, weil sie von der jeweils dort ansässigen LCD Einheit betrieben werden. Allerdings sei es keine neue Information, die Block nun aufgedeckt habe. Diese Angaben seien in der letzten Bekanntgabe detailliert aufgeführt worden und sollen auch künftig regelmäßig veröffentlicht werden. Bereits im Dezember wurde bekannt, dass zwei unabhängige Marktforschungsinstitute die Anzahl der Displays mittlerweile verifiziert haben.
Umstrittene Kinowerbung
Interessanter ist hingegen die Frage nach der Kinowerbung. Und tatsächlich scheint es vor 2009 Unregelmäßigkeiten gegeben zu haben. Focus Media hatte eigenen Angaben zufolge nicht die Zahl der Kinos angegeben, in denen Werbung verkauft wurde, sondern einfach die Anzahl der Werbeverträge pro Kunde summiert. 2008 hatte das Unternehmen auf diese Weise 27.000 Kinos gezählt, obwohl es zu diesem Zeitpunkt in Chinas Städten nur 1.545 Lichtspielhäuser gegeben haben soll.
Focus Media hat mittlerweile klargestellt, dass das neue Management 2009 dazu übergegangen ist, die Anzahl der Kinos anzugeben, in denen Werbung gebucht wurde. Auch Multiplexes mit mehreren Sälen werden mittlerweile nur noch als ein einziges Kino gewertet. Die Anzahl der bespielten Leinwände pro Werbekunde wird nicht mehr mitgezählt. Zudem gab Focus Media an, dass die Kinowerbung in den Jahren 2078 und 2008 ohnehin nur einen unwesentlichen Beitrag zum Gesamtumsatz geleistet hätten.
Zumindest die Anleger ließen sich gestern nicht verschrecken. Nachdem Muddy Waters den Bericht im frühen Handel veröffentlicht hatte, fiel der Kurs von Focus Media zwar um 2,7 Prozent, doch schloss mit einem Plus von 3,3 Prozent auf 24,23 US-Dollar. Allerdings lag der Kurs vor dem gestrigen Handelsbeginn immer noch etwa 18 Prozent unter dem Wert, auf dem die Aktie im November vor dem ersten Muddy-Waters-Bericht stand.
Lesen Sie zu diesem Thema auch den Beitrag "Focus Media, Muddy Waters und das Rätsel der Ginseng-Plantage" auf www.emfis.de .
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