Würzburg (dapd-bay). Vor wenigen Monaten mussten die 1.960, jeweils über 100 Kilo schweren Steine abgenommen werden. Der Grund: Die Glaskonstruktion sollte vom Taubenkot befreit werden.
Noch immer sind die Steine nicht zurück, weil die Konstruktion wegen Problemen bei der Aufhängung erneuert werden muss. Die Kosten drohen deshalb zu explodieren. Spötter sprechen inzwischen von einer der teuersten und aufwendigsten Fensterreinigungsaktionen Bayerns. Der Würzburger Stadtrat und frühere ödp-Bundesvorsitzende Uwe Dolata bringt seinen und den Ärger vieler Kollegen auf den Punkt: 'Das war eine Fehlplanung.'
Die Architekten hätten offenbar nicht daran gedacht, dass die Fenster auch einmal gereinigt werden müssten, was 'jede Hausfrau' wisse. 'Das ist ein Schildbürgerstreich und Verschwendung von Steuergeldern', schimpft Dolata und befürchtet eine Kostensteigerung über die jetzt schon im Haushalt eingeplanten 200.000 Euro hinaus. Der frühere Bürgermeister Erich Felgenhauer (CSU) wetterte im Stadtrat sogar, mit den jetzt festgestellten Mängeln sei der Kulturspeicher eine 'Schande für die Preisrichter', die den Bau ausgezeichnet haben.
Stadtsprecher Georg Wagenbrenner weist vor allem die Kritik an den ausufernden Kosten zurück. Schließlich gehe es nicht nur um die Reinigung, sondern auch eine einfachere Aufhängung, welche künftig das Säubern vereinfachen soll. Bisher seien für die Putzaktion an Glas- und Stahlteilen nebst einer Taubenvergrämung für 110.000 Euro Aufträge vergeben worden. Gerüchte, das Ganze könne über 300.000 Euro kosten, bezeichnet er als 'Phantasiezahl'.
Andererseits ist dem Sprecher zufolge auch noch nicht klar, ob das neue Befestigungssystem mit vier statt zwei Aufhängepunkten die derzeit laufende Materialprüfung an der Universität Stuttgart besteht. Würzburgs Stadtbaurat Christian Baumgart hatte im Stadtrat eingeräumt, dass man mit dem heutigen Wissensstand sicher die einfachere Befestigung gewählt hätte.
Eine der beauftragten Firmen ist die von Stadtrat Josef Hofmann (Freie Wähler Gemeinschaft). 'Es ist nun einmal fast zehn Jahre nichts gereinigt worden', kommentiert er die teure Prozedur. Die Frage ob bei der Planung der Aufwand übersehen wurde, beantwortet er so: 'Im Nachhinein würde man das schon so sagen.' Andererseits habe es damals keinen finanziellen Spielraum gegeben, die Konstruktion so zu erweitern, dass sie leichter zu reinigen ist. Der Stadtrat verteidigt die Kosten. Bei einem normalen Objekt rechne man mit jährlichen Reinigungskosten von zwei bis drei Prozent der Bausumme, 'insofern ist das jetzt immer noch billiger'.
dapd


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