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(Feature - Wiederholung vom Samstag) Winterliches Naturschauspiel an der Oder - Mitarbeiter der Schifffahrtsbehörde kontrollieren wachsende Eisdecke auf Grenzstrom --Von ddp-Korrespondentin Juliane Sommer-- (Mit Bildern)

11.01.09 | 10:05 Uhr

Hohensaaten (ddp-lbg) Annett Wendt fährt an manchen Tagen selbst hinaus zum Grenzfluss, um das winterliche Naturschauspiel zu beobachten.

Hohensaaten (ddp-lbg). Annett Wendt fährt an manchen Tagen selbst hinaus zum Grenzfluss, um das winterliche Naturschauspiel zu beobachten. «Es ist einmalig, so etwas sieht man nur auf der Oder», sagt die Leiterin der Hohensaatener Außenstelle des Wasser- und Schifffahrtsamtes Eberswalde. Ihre Mitarbeiter sind in diesen Tagen täglich unterwegs, um das Wachsen der Eisdecke zu verfolgen. «Das Eis bewegt sich auf Frankfurt (Oder) zu. Es wächst über 20 Kilometer pro Tag, so lange es so kalt ist», erklärt Wendt.

«Gefahr für die Deiche besteht nicht, die Oder führt Niedrigwasser. Wir müssen aber genau beobachten, wie sich die Lage entwickelt», sagt Wendt. Anders als in anderen Flussläufen Deutschlands bildet sich das Eis auf dem östlichen Grenzstrom nicht auf der Wasseroberfläche, sondern auf dem Grund. Die schnelle Strömung des Unterlaufs verhindert das Zufrieren der Wasseroberfläche.

Die tiefen Temperaturen sorgen für Minusgrade auch an der Flusssohle. «Hier bilden sich Eiskristalle, die sich mit Schwebstoffen und Teilen aus der Sedimentschicht an der Sohle zu Eisklumpen verbinden, die dann als tellerförmige Schollen an die Oberfläche auftreiben», erläutert Wendt das Phänomen der Eisbildung auf der Oder. Die oftmals schmutzig-gelben Eisschollen drehen sich in der Strömung, schieben sich aufeinander und frieren letztendlich aneinander fest. So entwickelt sich ein »Flickenteppich' aus Eisschollen, eine bizarre Landschaft mit Verwerfungen, Aufwölbungen und Kratern.

«Das hat nichts mit einer geschlossenen Eisdecke zu tun. Schlittschuh laufen kann man hier nicht. Auch zu Fuß darf man die Oder nicht betreten. Es herrscht absolute Lebensgefahr», sagt Annett Wendt. Denn dort, wo die Strömung stärker ist, friert der Fluss nicht zu. An den Bruchstellen zwischen den Eisschollen gibt es immer wieder offene Wasserflächen, sogenannte Blenken. Das Odereis ist unberechenbar. «Wer hier einbricht, wird von der starken Strömung sofort unter die Eisdecke gezogen. Es gibt kaum eine Hoffnung auf Rettung», warnt Jürgen Wölm, ein Mitarbeiter von Wendt.

Wenn die frostigen Temperaturen weiter anhalten, wird der Fluss weiter in Richtung Oberlauf zufrieren. Eisbrecher kämen erst zum Einsatz, wenn Tauwetter einsetzt, erklärt Annett Wendt. Drei dieser Spezialschiffe wurden zum Wochenende nach Szczecin (Stettin) beordert, um dort gemeinsam mit der polnischen Flotte das Eis im Stettiner Hafen zu verteilen. Erst zu Wochenbeginn soll entschieden werden, ob die deutsch-polnische Flotte mit dem eigentlichen Eisaufbruch auf der Oder beginnen kann. «Sie brechen die Eisschicht aus Richtung Stettin flussaufwärts auf und rühren in den gebrochenen Schollen herum, um das Eis in Bewegung zu halten, damit es abfließen kann», erläutert Wendt.

ddp/mtt/iha


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