(Feature - Wiederholung vom Samstag) Eisbrecher im Mannheimer Hafen - Wegen der anhaltenden Kälte ist für Haupthafenmeister Müßig kein Ende der Fahrten durch das Eis in Sicht --Von ddp-Korrespondent Stephen Wolf-- (Mit Bild und Infokasten)
11.01.09 | 10:05 UhrMannheim (ddp-bwb). Wenn die «MS Oberrhein» eine dicke Eisplatte im Mannheimer Hafen laut knirschend zerteilt, wackelt das ganze Schiff. Manch einer, der wie Erwin Mühlhof schon früh im Hafengebiet unterwegs ist, betrachtet das Spektakel gespannt - trotz klirrender Kälte. «Für mich ist es etwas besonderes, den Eisbrecher bei der Arbeit zu beobachten», sagt der Mann. Und er ist nicht der einzige Zuschauer. Immer wieder stoppen Autofahrer, um einen kurzen Blick auf das gefrorene Wasser zu richten. Das Motorengeräusch des Schiffes und die berstenden Eisplatten sind weithin hörbar.
Wegen der anhaltenden Kälte fährt Haupthafenmeister Wilhelm Müßig nun schon seit fast einer Woche täglich mit dem 26 Meter langen Eisbrecher durch Deutschlands größten Binnenhafen. Gemeinsam mit den Bootsführern Paul Knecht und Wolf-Dietrich Schlassus sorgt er dafür, dass die Transportschiffe ungehindert die Wasserstraßen des etwa elf Quadratkilometer großen Hafens befahren können.
«Wir gehen davon aus, dass wir noch in der kommenden Woche die Nebenkanäle räumen müssen», sagt der 63 Jahre alte Leiter der Hafenmeisterei. So lange die Temperaturen bei minus zehn Grad liegen, müssen die uniformierten Männer der Hafengesellschaft jeden Tag mit dem Schiff die Hafenbecken abfahren. Noch bevor die ersten Sonnenstrahlen des Tages die ungefähr zwölf Zentimeter dicke Eisdecke anstrahlen, machen sie sich mit der «Oberrhein» auf den Weg durch die zugigen Fluchten der Kanäle.
Mit einer Geschwindigkeit von drei bis vier Stundenkilometern passieren sie etwa das Container-Terminal im Mühlauhafen oder den alten Zollhafen. «Das Wasser gefriert am schnellsten dort zu Eis, wo am wenigsten Bewegung herrscht», sagt Müßig. Daher konzentriere sich die kleine Mannschaft des Eisbrechers derzeit auf die Nebenhäfen und -flüsse.
Hier werden seit Tagen die großen Schollen in zahllose scherbenartige Eisstücke zerteilt, damit es leichter schmilzt, sobald die Temperaturen steigen. «Entscheidend ist, dass wir die Eisplatten früh beseitigen, bevor sie immer dicker werden und selbst für den Eisbrecher zu massiv sind», sagt Müßig. Rhein und Neckar sind bisher aufgrund ihrer Strömung in diesem Jahr noch nicht vom Eis bedeckt gewesen. Dass es soweit noch kommen könnte, ist nicht auszuschließen. Schließlich gab es das schon in anderen Jahren. 1996 etwa waren die Temperaturen so tief gefallen, dass sogar Schleusentore auf dem Neckar blockiert waren.
Doch auch in diesem Jahr gibt es schon jetzt für die Mannschaft des Eisbrechers «MS Oberrhein» allerhand zu tun. Schließlich gehört es zu den Pflichten der staatlichen Rhein-Neckar-Hafengesellschaft Mannheim, die Kaimauern vom Eis zu befreien. Die Kähne müssen ihre Ladung löschen können, ob im Winter oder im Sommer. Das letzte Mal, dass der Hafen Eisbrecher einsetzen musste, liegt drei Jahre zurück.
Immerhin, in diesem Winter musste die «Oberrhein» - sie ist mit zwei 364 PS starken Motoren ausgerüstet - noch kein Schiff durch die Eismassen eskortieren. Das könnte sich aber auch noch ändern. Denn noch ist es nach Ansicht der Hafenbehörde nicht absehbar, wie lange die frostigen Temperaturen anhalten.
«Je früher die Temperaturen wieder steigen, desto besser», sagt Hafendirektor Roland Hörner. Rohre drohen bei langanhaltender Kälte zu platzen, die Ruderstangen von Schiffen können aufgrund von Materialermüdung bersten. Aber auch auf die Verladestationen könnten sich langanhaltende und vor allem noch weiter sinkende Temperaturen negativ auswirken, beispielsweise, wenn die Mechanik einfriert.
«Wir gehen im Moment nicht davon aus, dass es soweit kommt», sagt der Hafendirektor. Anders als etwa die Elbe sei der Rhein selten so zugefroren, dass langfristige wirtschaftliche Einbußen drohen. Das wäre auch ein schlechtes Omen, zumal am Anfang eines wirtschaftlich schwierigen Jahres, sagt Hörner.
Wie stark der Mannheimer Hafen indes unter dem allgemeinen Konjunktureinbruch leiden wird, sei «momentan kaum absehbar», sagt der Hafendirektor. Bei den riesigen Containerhäfen an Europas Küsten erwarte man einen Umsatzrückgang von etwa 20 Prozent. Womöglich drohe bei den Binnenhäfen eine ähnliche Entwicklung.
Andererseits, sagt der 54 Jahre alte Hafenchef, werden in Mannheim mit Kohle, Getreide, Stahl oder beispielsweise Chemikalien relativ viele Warengruppen gehandelt. Auf diese Weise könnten Verluste einer bestimmten Gruppe möglicherweise durch eine andere ausgeglichen werden.
Die «MS Oberrhein» wird auf jeden Fall alles dafür tun, damit der Schiffverkehr weiter geht. Mittlerweile ist der Eisbrecher wieder im beheizten Bootshaus eingetroffen - das Eis ist gebrochen. Bis zum Morgen. Dann beginnt das Schauspiel von neuem, bis es wieder wärmer wird.
ddp/swo/pon
Url zum Artikel: http://www.ad-hoc-news.de/feature-wiederholung-vom-samstag-eisbrecher-im--/de/Politik/19970022
drucken
versenden
Bookmark
Mannheim (ddp-bwb) Wenn die «MS Oberrhein» eine dicke Eisplatte im Mannheimer Hafen laut knirschend zerteilt, wackelt das ganze Schiff.
Mannheim (ddp-bwb) Wenn die «MS Oberrhein» eine dicke Eisplatte im Mannheimer Hafen laut knirschend zerteilt, wackelt das ganze Schiff.
Bildergalerie
Kurse stehen in Realtime zur Verfügung |
Kurse werden 15 Minuten verzögert angezeigt |
Kurse zum Börsenschluss
Thema des Tages
Impfzentrum Beginn - Experte: Risikogruppen sollteBeginn - Experte: Risikogruppen sollten Karneval meiden
Kolumnen

Performaxx Kolumne
Your Familiy Entert.

TradeCentre Analysen
Payom: Kaufen?

SILBERINFO ANALYSE
Indische Goldkäufe lassen Goldpreis explodieren
Aktien
€€€€Kurs fallend

















