(Feature) Pilgern am Wohnzimmertisch - Münchner Unternehmer entwickeln erstes Brettspiel zum Jakobsweg nach Santiago --Von ddp-Korrespondent Petr Jerabek-- (Mit Bildern)
26.07.08 | 12:08 UhrEntwickelt hat das Spiel in den vergangenen Monaten ein Team der Münchner Innovatum AG. Die Idee war Markus Gunter, einem der Mitbegründer des kleinen Unternehmens, nach seiner Rückkehr von einer wiederholten Wanderung auf dem Jakobsweg gekommen. Jakobsweg-Fan Lechner war gleich Feuer und Flamme für das Projekt, machte sich mit Gunter und Innovatum-Vorstandschef Gerhard Martin an die Arbeit.
Schnell war sich das Team einig, dass es sich um ein «Laufspiel mit sehr viel kulturellem Inhalt» handeln sollte, wie sich Lechner erinnert. «Dann ging die Recherche los.» Sie habe «Bücher gewälzt», im Internet gesucht, mit Spanien telefoniert und vor allem viele Pilger und Jakobsweg-Kenner befragt, sagt die 39-jährige Grafingerin. Wichtig sei ihr vor allem gewesen, dass bei den 265 Ereignis- und Wissenskarten alles bis ins kleinste Detail stimme.
«Die Ereigniskarten prägen den ganzen Lauf, man sammelt Stempel, muss Wissensfragen beantworten», erklärt Lechner die Spielidee. Für die «Pilger» gilt es beispielsweise zu erraten, wie Muskelkater oder Blasen an den Füßen auf Spanisch heißen, wann Papst Johannes Paul II. in Santiago war oder auf welcher spanischen Münze der Dichter Miguel de Cervantes («Don Quijote») zu sehen ist.
Die Ereigniskarten lassen Spieler aussetzen, um sich von den Strapazen der Wanderung zu erholen, den Rucksack neu zu packen oder eine Sehenswürdigkeit anzuschauen. Wer Pech hat, muss auf dem Spielplan mehrere Felder zurückgehen, weil er seinen Pilgerausweis in der Herberge vergessen hat, in den Pyrenäen außer Atem geraten ist oder sich das Stier-Treiben in Pamplona ansehen möchte. Beflügelt durch ein Telefonat nach Hause oder ein gutes Mahl kann es aber auch ein paar Felder vorwärts gehen.
Die Spieler können sich aussuchen, ob sie die Reise zu Fuß, auf dem Fahrrad oder auf einem Pferd antreten. Wichtig war dem Team um Lechner, dass in Anlehnung an die Pilgerrealität das in Nordspanien sehr wechselhafte Wetter auch im Spiel einen Einfluss auf das Geschehen hat. «Deswegen gibt es ein Wetterrad», sagt sie. Bei Wind haben Radfahrer Probleme, bei Hitze leiden Wanderer, bei Gewitter geht es für die Reiter nur beschwerlich vorwärts.
Besonders stolz ist Lechner auf die «liebevollen Details» des Spiels. Wie auf dem richtigen Jakobsweg erhalten die Spieler in den Herbergen Stempel - zur Ausstattung von «El Peregrino» zählen kleine Chips mit Abbildungen der Originalstempel. Die Macher haben dafür eigens aus Spanien Genehmigungen eingeholt. «Da ist ganz viel Herzblut drin, keiner von uns macht das hauptberuflich», betont die 39-Jährige. Das Spiel wird von Innovatum derzeit noch in Eigenregie über das Internet vertrieben.
Der Jakobsweg sei nach wie vor sehr «trendy», glaubt Lechner, die sich schon seit Jahren auf ihre erste Wanderung auf dem «Camino de Santiago» vorbereitet. Wegen der Geburt ihrer beiden Kinder konnte sie selbst bislang noch nicht zur Pilgerreise auf dem Jakobsweg aufbrechen. «Ich hab aber das Gefühl, ich bin ihn schon gegangen: durch das Spiel.»
(«El Peregrino - Das Spiel zum Jakobsweg», für zwei bis acht Spieler ab zehn Jahren, Spieldauer 45 bis 90 Minuten. Das Spiel kann im Internet unter el-peregrino.de für 34,90 Euro (plus Versandkosten) bestellt werden.)
ddp/pje/kos
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