Coburg (ddp-bay). Die dritte TV-Werbepause ist fast beendet, als die Europawahl-Spitzenkandidatin der Freien Wähler, Gabriele Pauli, zum ersten Mal an diesem Abend lächelt. Im lockeren Plausch mit ihrer Sitznachbarin, der Grünen-Politikerin Barbara Lochbihler, scheint die 51-Jährige aufzutauen. Ihre Gesichtszüge entspannen sich, bevor das Schluss-Statement aller Politiker folgt. Kritische Fragen oder Wortgefechte drohen jetzt nicht mehr. Hinter der Ex-Landrätin liegen fast 90 Minuten TV-Talk. Mit Spannung war das einzige Fernsehduell zwischen ihr und CSU-Europawahlkandidatin Monika Hohlmeier am Dienstagabend in Coburg erwartet worden.
Während die Spitzenkandidatin der Freien Wähler erst eine Viertelstunde vor Aufzeichnungsbeginn im pinkfarbenen Rock mit Blumenmuster, lilafarbenem Top, schwarzem Blazer und Stöckelschuhen eintrifft, wartet Monika Hohlmeier in der Garderobe bereits seit einer Stunde. Hohlmeier präsentierte sich deutlich biederer im orangefarbenen Hosenanzug mit schwarzem Jackett.
Insgesamt sechs Politiker hatte der regionale Fernsehsender TV Oberfranken zum Gespräch über die Europäische Union und die Parlamentswahlen am 7. Juni geladen. Rund 1000 Gäste sind ins Kongresshaus Rosengarten gekommen, das Medieninteresse war enorm. Doch der erhoffte Schlagabtausch zwischen Hohlmeier und Pauli bleibt aus, stattdessen erleben die Zuschauer eine Talkrunde auf Schmusekurs.
Die beiden Moderatoren arbeiten schrittweise einen Fragekatalog ab, Zwischenfragen gibt es kaum, direkte Konfrontationen der Kandidaten untereinander auch nicht. Als «brav» bezeichnet Gabriele Pauli hinterher die Fernsehdebatte. «Es war sehr sachlich, da waren kaum irgendwelche brisanten Thesen dabei», sagt die Ex-CSU-Politikerin.
Die Münchnerin Hohlmeier, deren Kandidatur in Oberfranken lange umstritten war, weist in ihrer ersten Antwort darauf hin, dass die europäische Ebene keine «Abschiebe-Ebene» für vermeintlich gescheiterte Politiker sei und das Parlament «inzwischen ungeheuer an Bedeutung» gewonnen habe. Fünf Monate lang habe sie sich jetzt mit Menschen in Oberfranken unterhalten, diese Erfahrungen wolle sie nun ins Europäische Parlament einbringen. Für eine Region, «die sehr stark von der Förderung abhängt» und derzeit keinen Europaabgeordneten habe, fügt sie hinzu. Kurzer Applaus des Publikums. Die Oberbayerin Hohlmeier gab sich gelassen.
Pauli dagegen nippt während der Diskussion immer wieder am Wasserglas und ist vor der ersten Antwort sichtlich nervös. Wortreich erklärt sie, dass die Freien Wähler auf allen politischen Ebenen vertreten sein sollten. Auf Europaebene müsse sehr viel getan werden, «weil ja auch die Entscheidungen vor Ort weitgehend schon durch Europa vorbestimmt sind, das ist Fakt, deshalb geht es darum, dass wir eigentlich da, wo die großen Entscheidungen gefällt werden, antreten, das machen wir jetzt.»
Der erste Applaus für Pauli fällt etwas länger aus. Dann spielt sie die populistische Karte: Im EU-Parlament «sitzen Parlamentarier, die sich in die eigene Tasche wirtschaften», rügt sie und erntet prompt Beifall. Beim Thema EU-Dienstleistungsrichtlinie, nach der beispielsweise tschechische Baubetriebe auf deutschen Baustellen nach deutschem Recht tätig sein dürfen, gerät Pauli allerdings stark ins Schlingern.
Hohlmeier gelingt es hingegen mit einer klaren Aussage, das Publikum auf ihre Seite zu ziegen: Arbeiter aus anderen EU-Ländern dürften in Deutschland «nicht zu Niedrigstlöhnen, Sozialdumping und Lohndumping arbeiten, sondern müssen nach unseren Maßstäben arbeiten». Zum Vollzug der Richtlinie brauche man Kontrollen, ein Informationsaustauschsystem, feste Ansprechpartner in den Unternehmen und die Mitarbeiterpapiere müssten vorliegen, da ansonsten Sozialdumping nicht zu vermeiden sei.
Persönliche Anfeindungen vermeiden die beiden Politikerinnen: «Die Gabriele Pauli und ich wird haben uns gut verstanden wir haben uns eigentlich immer gut vertragen», sagt Hohlmeier, die jedoch das «Hopping» von Pauli, von der Kommunal- zur Landespolitikerin und nun Europapolitikerin kritisch bewertet.
Nach Ansicht vieler Zuschauer ist das Duell Pauli - Hohlmeier unentschieden ausgegangen. Zu sehen ist das Fernsehgespräch als Live-Stream ab Mittwoch (27. Mai) um 18.30 Uhr im Internet unter tvo.de.
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