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(Feature) Fotografierender Schriftsteller als reisender Chronist - Lindeau-Museum in Altenburg zeigt Aufnahmen von Armin T. Wegner --Von ddp-Korrespondent Robert Schimke-- (Mit Bild und Datenblatt)

(Feature) Fotografierender Schriftsteller als reisender Chronist - Lindeau-Museum in Altenburg zeigt Aufnahmen von Armin T. Wegner --Von ddp-Korrespondent Robert Schimke-- (Mit Bild und Datenblatt). Altenburg (ddp-lth) Im Jahr 1915 schickt das deutsche Heer den Schriftsteller und Sanitätsoffizier Armin T Wegner (1886-1978) ins Osmanische Reich, nach Anatolien. 21.02.09 | 11:05 Uhr

Altenburg (ddp-lth) Im Jahr 1915 schickt das deutsche Heer den Schriftsteller und Sanitätsoffizier Armin T Wegner (1886-1978) ins Osmanische Reich, nach Anatolien.

Altenburg (ddp-lth). Im Jahr 1915 schickt das deutsche Heer den Schriftsteller und Sanitätsoffizier Armin T. Wegner (1886-1978) ins Osmanische Reich, nach Anatolien. Wegner trägt eine Kamera bei sich, als er Zeuge wird, wie die Türken die Armenier aus dem Land vertreiben. Er fotografiert, macht sich Notizen und dokumentiert so das Grauen, das nach heutigen Schätzungen bis zu 1,5 Millionen Menschen das Leben gekostet haben soll.

Das Lindenau-Museum in Altenburg zeigt ab Sonntag (22. Februar) diese Bilder Wegners sowie Teile der Texte, die der Schriftsteller dazu verfasst hat. Die Fotos gelten bis heute als eines der aussagekräftigsten Dokumente über den Genozid. Ihr Autor aber, sagt Jutta Penndorf, die Direktorin des Lindenau-Museums, sei heute nahezu vergessen.

Dabei war Wegner nach dem Ersten Weltkrieg als Reiseschriftsteller einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden. Die Reisen, die er in den 20er Jahren nach Russland, in den Kaukasus, nach Palästina und Ägypten unternimmt, verarbeitet er in Büchern, die teilweise Auflagen von 500 000 Stück erreichen.

Die Bilder von den brennenden Siedlungen der Armenier, von den Erschlagenen und Erhängten, von den verlassenen Kindern verbindet er mit seinen Texten zu einem Vortrag. Mit ihm zieht er durchs Land, um den Deutschen vom Genozid zu berichten und sie wachzurütteln. Durchaus mit missionarischer Kraft, sagt Matthias Flügge, der die Ausstellung organisiert hat.

Er habe offensiv die Öffentlichkeit gesucht, sagt der Kunsthistoriker: Nach seiner Rückkehr aus Anatolien hatte Wegner in einem einen offenen Brief an den nordamerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson appelliert, sich für die Armenier einzusetzen.

Im Frühjahr 1933 protestiert der «glühende Humanist», wie Museumsdirektorin Penndorf sagt, in einem offenen Brief an Adolf Hitler gegen die Verfolgung der Juden. Wegner kommt ins KZ. Nach seiner Freilassung emigriert er nach Italien, die Nazis verbrennen seine Bücher - und erreichen, dass der Bestsellerautor und Zeuge des Genozids an den Armeniern heute ein fast Unbekannter ist.

Zwei weitere Ausstellungen, die am Sonntag parallel zur Wegner-Schau in Altenburg öffnen, greifen die Zeitläufe Anfang des vergangenen Jahrhunderts auf. Museumsdirektorin Penndorf hat Werke aus der bedeutenden hauseigenen Conrad-Felixmüller-Sammlung zu einer Kabinett-Ausstellung arrangiert, die, wie sie sagt, einen historischen Hintergrund für die unruhigen Jahrzehnte zwischen 1914 und 1945 bildet.

Unter dem Titel «Entdeckte Moderne» präsentiert ab Sonntag zudem der Kunstsammler Gerhard Schneider seine Sammlung mit Werken der klassischen Moderne, gemalt von Künstlern, die Wegners Schicksal teilen. «Viele der Künstler aus der Sammlung Schneider wurden von den Nazis verfolgt und sind deshalb später vergessen worden», sagt Penndorf. Einige Motive der gemalten Moderne - Palmen, Orientalismen, exotische Landschaften - finden sich in einem zweiten Teil der Wegner-Fotografien wieder, die in Altenburg zu sehen sind.

Sie hat der Schriftsteller auf seinen Reisen in den 20er Jahren gemacht: Fotos aus dem Kaukasus, von einer ägyptischen Bauernhochzeit, von den Wüstenquerungen mit dem «weißer Fuchs» genannten Motorradgespann. Die Bilder und launige Bildunterschriften wie die unter einem Foto aus Palästina, «Der Arm des Verkehrspolizisten gebietet auch hier 'Halt!'», erzählen auch von Wegners Lebensfreude.

Die allerdings hatte in Anatolien, später im nationalsozialistischen Deutschland und mangels Anerkennung nach dem Zweiten Weltkrieg Risse bekommen, weiß Michele Wegner, der Sohn des Schriftstellers: «Mein Vater war eine angesehene, aber trotz seiner Lebensfreude auch angeschlagene Persönlichkeit», sagt er. «Durch seine Erlebnisse war etwas in ihm kaputt gegangen.» Die Ausstellung in Altenburg könne nun einen Teil zur Rehabilitierung seines Vaters beitragen, hofft Michele Wegner: «Er war nicht nur mein Vater, sondern auch dieser Mensch, der die Courage hatte, nicht wegzuschauen, sondern sich voll einzusetzen.»

(lindenau-museum.de)

ddp/rsk/han

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