Bitterfeld-Wolfen (ddp-lsa). Wenn Lars-Jörn Zimmer irgendwo in der Republik Fotos von seiner Heimatregion zeigt, erntet er jedes Mal die gleiche Reaktion. «Es glaubt einem kaum jemand, dass das Bitterfeld ist», erzählt der Vorsitzende des Tourismusverbandes Sachsen-Anhalt. Die Stadt sei für viele Menschen immer noch ein Synonym für Umweltverschmutzung. Für Zimmer und seine Kollegen vom Tourismus-Marketing der Region gibt es deshalb noch einiges zu tun. Denn die Goitzsche in Bitterfeld - ein geflutetes Tagebau-Restloch mit ruhigen Landschaftsschutzgebieten und belebten Stränden - hat gerade für Wassersportler eine ganze Menge zu bieten.

Gästeführerin Martina Brück kämpft mit ihrem kleinen Unternehmen «Goitzsche-Tours» seit Jahren darum, die Vorzüge ihrer Region in der näheren und weiteren Umgebung bekannter zu machen. Erst kürzlich habe sie mit Lehrern aus Magdeburg eine Tagestour rund um die Goitzsche unternommen, ihnen die landschaftlich reizvolle Halbinsel Pouch, den Pegelturm und andere schöne Ecken gezeigt. Zum Abschluss seien sie noch mit dem Schiff «Vineta» über den Goitzschesee gefahren. Die Pädagogen waren - wie die meisten Gäste, die es einmal in die Region geschafft haben - begeistert. An einem wichtigen Punkt, so sagt Brück, kranke es aber immer noch: «Es fehlt bei uns nach wie vor an einer einheitlichen touristischen Vermarktung der Region».

Zimmer bemüht sich, diese Defizite zu beseitigen. «Die Konkurrenz ist riesig», sagt er etwa mit Blick auf das nahe gelegene Neuseenland südlich von Leipzig, das in Sachen touristischer Vermarktung um einiges weiter ist. Die steigenden Besucherzahlen am Goitzsche- sowie dem Bernstein- und Muldestausee beweisen allerdings, dass sich die Attraktivität der Region so langsam herumspricht. Während Zimmer zufolge im Jahr 2007 etwa 300 000 Besucher kamen, waren es im vergangenen Jahr bereits 350 000. Tendenz steigend.

Eine gute Werbung für das insgesamt 62 Quadratkilometer große Gebiet der Goitzsche sind unter anderem die großen Musik-Festivals im Frühjahr und Sommer auf der Halbinsel Pouch, die Tausende junge Menschen aus dem In- und Ausland anlocken. «Das ist das, was wir brauchen, was die Region bekanntmacht», sagt der Geschäftsführer der Entwicklungs-, Betreiber- und Verwertungsgesellschaft Goitzsche GmbH (EBV), Lutz Bernhardt. Familien fühlten sich eher von größeren Events wie der Motorboot-Weltmeisterschaft angezogen, die im August zum sechsten Mal an der Goitzsche veranstaltet wird. «Bei uns gibt es viel Platz auf dem Wasser, eine schöne Rundstrecke.'

Etwa 100 Segelboote liegen mittlerweile in der neuen Marina an der Goitzsche. Weitere 30 Liegeplätze gibt es im nahe gelegenen Mühlbeck. Wer mehr auf Windsurfing, Kajak- oder Katamaranfahren steht, kommt ebenfalls auf seine Kosten. Insgesamt gibt es allein am Goitzschesee Bernhardt zufolge 150 Segelboote und fünf Badestellen. «Einige Leute aus Bayern und Nordrhein-Westfalen haben hier sogar ihr Segelboot liegen», erzählt Zimmer.

«Am Bernsteinsee ist viel Trubel. Es gibt aber auch ruhige, abgeschiedene Teile des Sees für Segler, die mit der Natur allein sein wollen», sagt Jörg Pietzsch, der Inhaber des Wassersportzentrums «2Water» am Goitzschesee. «Oft kommen Leute aus 30 Kilometer Entfernung und staunen über das, was wir hier haben», hat auch er beobachtet. Der Bekanntheitsgrad der Region müsse unbedingt größer werden.

Daran arbeitet die vor einem Jahr gegründete Arbeitsgruppe «Goitzsche-Marketing». Sie soll Zimmer zufolge die bisher recht unstrukturierte touristische Werbung koordinieren und zum Beispiel verhindern, dass die Region - wie in der Vergangenheit geschehen - auf einer Messe mit mehreren Ständen vertreten ist. Auch eine gemeinsame Internet-Plattform müsse noch eingerichtet werden. In spätestens zwei Jahren soll die Region nach den Worten Bernhardts mit der geplanten «Erlebniswelt Bernstein» um eine touristische Attraktion reicher werden.

Zimmer hält den Goitzschesee für die Hauptattraktion des Blauen Bandes, das ein Projekt zur touristischen Erschließung der Wasserstraßen in Sachsen-Anhalt ist. «Was die Seen angeht, sind wir als Goitzsche das Highlight», stellt er klar.

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