Baden-Baden (ddp-bwb). Die «Künstler der Kaiser» auszustellen, war für den Kunsthistoriker Götz Adriani ein langgehegter Herzenswunsch. Rund 20 Jahre musste Adriani warten, bis sich sein Wunsch nun in die Praxis umsetzen ließ. Von 20. Februar bis 14. Juni sind im Museum Frieder Burda in Baden-Baden wichtige Meisterwerke der habsburgischen Kunstsammlung zu sehen. Zu den kaiserlichen Schätzen gehören Arbeiten von Dürer, Rubens, Tizian und Velázquez.

«Gegen vier Jahrhunderte Sammlertradition der Habsburger sehen die Global Player von heute alt aus», sagt Adriani und fügt hinzu: «Zum ersten Mal sind Ausschnitte aus der immensen Sammlung in Deutschland zu sehen.»

Wie die bekannten Werke großer Meister von Wien in die beschauliche badische Kurstadt gelangt sind, ist eine Geschichte für sich, die der Kunsthistoriker, der bis 2005 mehr als 30 Jahre lang die Kunsthalle Tübingen leitete, gern erzählt. Er plante bereits in den 1980er Jahren eine große Ausstellung auf Grundlage der Sammlung, die den Europagedanken unterstreichen sollte.

Die Sammlung der Habsburger bildet heute den Grundbestand sowohl des Kunsthistorischen Museums Wien wie auch des Prado in Madrid. Diese beiden Städte sowie München sollten ursprünglich die Stationen der geplanten Ausstellung werden. Sie kam allerdings nie zustande, weil der spanische König das Vorhaben nicht unterstütze. Und in München wehrte sich der damalige BMW-Vorstand gegen den Konkurrenten Mercedes-Benz als Hauptsponsor.

Adriani widmete sich also in Tübingen weiter seinen Ausstellungen mit französischen Impressionisten und Vertretern der klassischen Moderne. Und in Baden-Baden ließ Frieder Burda nach der Jahrtausendwende ein Museum für seine Sammlung zeitgenössischer Kunst bauen. In den Vorstand der Stiftung berief er Adriani. Und nun schloss sich der Kreis, indem Burda seine Räume für die Ausstellung »Künstler der Kaiser' zur Verfügung stellte.

Dass die Gemälde der berühmten Künstler - darunter auch Canaletto, Tintoretto und van Dyck - tatsächlich nach Baden-Baden kamen, ist vor allem Adrianis guten Kontakten zum Kunsthistorischen Museum Wien zu verdanken. Einige ausgestellte Stücke haben Wien zuvor noch nie verlassen, etwa die monumentalen Wandteppiche, die Karl VI. Anfang des 18. Jahrhunderts in Brüssel weben ließ, um den Sieg seines Vorfahren in der Schlacht von Tunis zu verewigen. Oder Dürers «Kunstbuch von Nürnberg» mit 216 Holzschnitten, Drucken und Handzeichnungen.

Neben rund 70 Gemälden und 7 Wandteppichen geben auch Büsten der Habsburger Sammler sowie Stücke aus der Kaiserlichen Kunstkammer einen Einblick in die vier Jahrhunderte währende Sammlertradition. Der erste Habsburger, der gezielt Kunst sammelte, war Maximilian I., der sich selbst als den «letzten Ritter» feiern ließ. Adriani zeigt ihn mit Hilfe der ausgewählten Werke zugleich als den «ersten Medienkaiser». Rudolf II. dagegen war ein Sammler ganz anderen Typus: Egal ob Gemälde, seltene Naturalien oder wertvolle Preziosen, der depressive Kaiser sammelte alles.

Mitte des 17. Jahrhunderts legte dann Erzherzog Leopold Wilhelm eine systematische Sammlung mit niederländischer und italienischer Kunst an. Ein Gemälde von 1651 zeigt ihn inmitten der Werke. Maria Theresia, die letzte große Sammlerin unter den Habsburgern, begeisterte sich indes vor allem für die italienischen Maler ihrer Zeit. Ihr Nachfahre Franz Joseph, Ehemann von Kaiserin Sisi, überführte die Habsburger Kunstsammlung in das 1891 eröffnete Kunsthistorische Museum Wien. In der Ausstellung sind auch einige Porträts der Sammler zu sehen. Wer will, der könne sich den Spaß machen, die berühmte Habsburger Unterlippe von Konterfei zu Konterfei zu verfolgen, regt Adriani an.

Begleitet von Restauratoren sind die Kunstwerke nach und nach in Baden-Baden eingetroffen. 24 Stunden müssen sie sich in der ungeöffneten Kiste akklimatisieren, danach werden sie sofort gehängt. Was wo gezeigt wird, hat Adriani in einem Modell genau festgelegt. Wenn die Meisterwerke hängen, müssen die lichtdurchfluteten Räume des modernen Museumsbaus etwas abgedunkelt werden, damit die Gemälde keinen Schaden nehmen.

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