Mainz (dapd-rps). Trotz drohendem Kältetod nächtigen etliche Menschen weiterhin im Freien. Sozialarbeiter leisten Überlebenshilfe und Sozialministerin Malu Dreyer (SPD) bittet um einen umsichtigen Umgang mit Obdachlosen im öffentlichen Raum.
Dreyer appellierte, Wohnungslose angesichts der lebensgefährlichen Minustemperaturen in Parkhäusern und Einkaufszeilen verweilen zu lassen. An die Bevölkerung richtete sie die Bitte, wer abends Menschen im Freien liege sehe, solle Hilfe rufen, etwa die Polizei. Landesweit leben dem Ministerium zufolge rund 200 Menschen dauerhaft auf der Straße. 1.000 weitere gelten als wohnungslos.
In Mainzer Thadeus-Heim der Caritas sind bereits 35 Plätze belegt. 'Wir haben aber Notbetten aufgestellt und könnten sofort zehn weitere Männer unterbringen', sagte ein Mitarbeiter. Ähnlich ist die Situation im städtischen Übernachtungsheim in Koblenz, wo 24 der 26 Schlafplätze belegt sind und Reservebetten bereit stehen.
Der Koblenzer Sozialarbeiter Erich Weber von der Obdachlosenhilfe 'Die Schachtel' gibt jedoch zu bedenken: 'Relativ viele Obdachlose, nicht wenige davon psychisch erkrankt oder suchtkrank, wollen nicht in die Unterkünfte, haben dort Anpassungsschwierigkeiten.' Darum toure dreimal pro Woche der sogenannte Kältebus durch die Stadt, um zwischen 15 bis 40 Bedürftige 'mit Überlebenshilfen zu versorgen'.
Auch der Mainzer Obdachlosenarzt Gerhard Trabert berichtet: 'Wir verteilen seit Tagen Schlafsäcke, Decken und Handschuhe.' Er rät den Menschen auf der Straße dringend, keinen Alkohol zu trinken. Dessen Wirkung sei heimtückisch: 'Zunächst weitet er die Blutgefäße und verschafft ein subjektives Wärmegefühl, tatsächlich aber kühlt der Körper rascher aus', warnt er. Es drohten Erfrierungen und Herz-Rhythmus-Störungen.
Die Infrastruktur an Hilfsangeboten für Obdachlose ist Trabert zufolge in der Stadt besser ausgebaut als auf dem Land. In den Regionen gebe es aber häufig Bürger, die spontan Hilfe leisteten, etwa Landwirte, die ihre Scheunen für Übernachtungen bereitstellten. Viele Obdachlose ziehe es während solcher Kälteperiode gezielt in Städte wie Mainz, Koblenz und Trier, weil es dort Teestuben und Notunterkünfte gebe. In Mainz etwa stehe ein Parkhaus für Obdachlose offen. 'Mit einer Isomatte in einem windgeschützten Parkhaus ist es doch erträglicher als in einem Park', sagte der Obdachlosen-Helfer.
Zahlenmäßig gibt es Trabert zufolge in Rheinland-Pfalz keinen Mangel an Schlafplätzen. Nur fehlten Schlafplätze für Singles, Ehepaare und Hundebesitzer. 'Sieben, acht Menschen in einem Saal - das ist nicht unproblematisch', merkte der Arzt an.
Vor verschlossenen Türen stehen Obdachlose hingegen meist an Bahnhöfen. Kleine, nachts üblicherweise geschlossene Hallen würden auch jetzt nicht geöffnet, sagte ein Sprecher. Es gelte weiterhin die Hausordnung, die Obdachlosen das Übernachten verbieten. An größeren Bahnhöfen mit Polizei und Sozialarbeitern würden sie jedoch 'in Einzelfällen' geduldet.
dapd


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