Das geht aus einer Studie der italienischen Kino-Organisation Media Salles hervor, die den Stand der Digitalisierung zum Stichtag 30. Juni 2009 ermittelte.
In Russland sind bereits neun Prozent aller Filmtheatersäle digitalisiert, in Frankreich elf und in Großbritannien zwölf Prozent. Um die 20 Prozent pendelt die Digitalisierungsquote in Österreich, Belgien, Bulgarien und Rumänien. Den Spitzenplatz belegt der Kleinstaat Luxemburg mit 85 Prozent. Das gute Abschneiden kleinerer Länder erklärt sich dadurch, dass dort schon eine Umstellung weniger Multiplexkinos den Durchschnittswert in die Höhe treibt.
Hauptgrund für die Zurückhaltung der deutschen Kinobetreiber ist die stockende Debatte über Finanzierungsmodelle und den angestrebten Beitrag der öffentlichen Hand, auf den vor allem die Betreiber kleinerer Kinos wegen der hohen Anschaffungskosten von bis zu 100 000 Euro pro Saal angewiesen sind. Doch in den vergangenen Monaten hat sich etwas getan:. Registrierte Media Salles Ende Juni erst 208 digitalisierte Kinosäle in Deutschland, so schätzt der Branchenverband HDF Kino die Zahl nun auf mindestens 700.
Ein wesentlicher Investitionsschub ging dabei von den großen deutschen Kinoketten aus. Vor allem angesichts lukrativer 3D-Filme wie «Ice Age 3», «Avatar - Aufbruch nach Pandora» und weiterer 3D-Titel im neuen Jahr rangen sie sich dazu durch, nicht nur zu digitalisieren, sondern gleich 3D-Anlagen zu installieren. So stattete das Unternehmen UCI Kinowelt binnen weniger Wochen in 17 Filmtheatern zumindest einen Saal mit 3D-Technik aus.
Die Kinokette Cinestar kündigte im September an, bis zum Jahresende 36 Säle auf 3D umzurüsten. «Man muss mitschwimmen auf dieser Welle», sagte Cinestar-Chef Oliver Fock der «Financial Times Deutschland». Inzwischen schätzt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des HDF Kino, Andreas Kramer, die Zahl der 3D-fähigen Kinosäle bundesweit auf bis zu 350.
Ein Vorteil der 3D-Technik: Kinos können dafür einen Preisaufschlag verlangen. Die meisten Kinogänger sind bereit, den zu zahlen, denn sie bekommen «ein neues Seherlebnis, das sie fasziniert und das kein anderes Medium bieten kann», wie Kramer sagt. Die höheren Umsätze bei 3D-Vorführungen helfen, die Investitionen schneller zu refinanzieren als bei einer normalen Digitalisierung. Für die sind Kinogänger kaum bereit, höhere Ticketpreise zu zahlen, weil sie meist keinen Unterschied zum analogen 35mm-Film erkennen.
Eine Schlüsselrolle für die Einführung der 3D-Technik und damit auch für die Digitalisierung spielt das Weltraumepos «Avatar - Aufbruch nach Pandora» von James Cameron («Titanic»), das mit bahnbrechenden technischen Innovationen aufwartet. Weltweit ist die 237 Millionen US-Dollar teure Produktion auf 17 163 Leinwänden angelaufen, knapp ein Drittel davon mit 3D-Projektion.
«Das Besondere an diesem Film ist, dass er im Unterschied zu den bisherigen stereoskopischen Filmen von Anfang an für die dritte Dimension konzipiert worden ist», sagt Kramer im ddp-Interview. «Das eröffnet eine neue Dimension und wird 3D weit nach vorne bringen.» Camerons Film sei nicht nur in technischer Hinsicht eine «Initialzündung», sondern im Hinblick auf das Denken und Machen von Filmen: «Wer künftig dreidimensionale Filme dreht, kommt an ´Avatar´ nicht mehr vorbei.»
Angesichts der Euphorie, die «Avatar» in Kinokreisen hervorgerufen hat, melden sich aber auch schon die ersten Mahner. Denn in absehbarer Zeit wird nur ein kleiner Teil der Kinofilme in 3D gedreht und gezeigt werden können. «Es müssen nicht alle 4800 Kinosäle in Deutschland digitalisiert werden», sagt Kramer. Wenn in jedem größeren Filmtheater ein Saal 3D-Filme spiele, reiche das.
Zurückhaltend gibt sich auch Marianne Menze, Chefin der «Lichtburg» in Essen, die über den größten Kinosaal in Deutschland verfügt: «3D ist nicht das Kriterium, nach dem wir disponieren. Wenn der aktuelle Hype vorbei ist, wird es langfristig entscheidend sein, welche Geschichten im Film erzählt werden.»
Berlin (ddp)

Forum
Facebook
Twitter






















