Münster (dapd-nrw). Unter den ersten Promotionsstudenten sind auch zwei Akademikerinnen aus Nordrhein-Westfalen.
Über 60 Exposés hätten ihn erreicht, sagt Mouhanad Khorchide. Der 39-Jährige ist Inhaber des Lehrstuhls für islamische Religionspädagogik des Centrums für Religiöse Studien (CRS) an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und betreut das Graduiertenkolleg universitätsübergreifend. 'Wir haben nicht mit einer solchen Menge an Bewerbungen gerechnet', fügt Khorchide hinzu. 'Die Kapazität für eine vielfältige wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Islam ist vorhanden.'
Die Auswahl der ersten Studenten ist Khorchide zufolge nicht leicht gefallen. Nimet Seker und Fahima Ulfat haben mit ihren achtseitigen Vorschlägen die beteiligten Professoren überzeugt. Innerhalb von drei Jahren sollen sie ihren Doktortitel erwerben und gleichzeitig einen Beitrag leisten, den wissenschaftlichen Diskurs der Islamischen Theologie in Deutschland zu bereichern, wie Khorchide sagt.
Die in Kabul geborene Fahima Ulfat war als Lehrerin für Deutsch, Mathematik und Naturwissenschaften/Technik an einer Essener Schule tätig. In ihrer Dissertation will sie nun die subjektiven Gottesbilder von muslimischen Kindern untersuchen. 'Die christliche Religionspädagogik besitzt ein breites wissenschaftliches Fundament, ganz im Gegensatz zu unserem Glauben', sagt die 36-Jährige. Deshalb will sie dort ansetzen, steht jedoch zunächst vor allem vor methodischen Herausforderungen. Denn Interviews oder direkte Fragen könnten verfälschte - etwa von den Eltern übermittelte Ansichten - und Denkmuster wiedergeben.
Darüber hinaus gibt es ein ganz fundamentales Problem: 'Viele Koranauslegungen verbieten es, überhaupt Bilder von Gott anzufertigen.' Wie sieht dann aber beispielsweise ein strafender Gott aus, fragt Ulfat.
Die Kölnerin Nimet Seker will eine feministische Interpretation des Korans erarbeiten. 'Ich untersuche und erkläre die theoretischen Ansätze von den beiden Wissenschaftlerinnen Amina Wadud und Asman Barlas, zeige ihre Schwachstellen auf und versuche korrigierend eine eigene Lesart des Korans vorzustellen', sagt die 31-jährige Deutsch-Türkin.
'Beide Doktorandinnen schließen mit ihren Arbeiten Lücken. In dieser Art ist noch nichts geschrieben worden', ist Khorchide überzeugt. Der religionspädagogische Ansatz von Ulfat sei von 'enormer Bedeutung für die Lehrerausbildung'. Der feministische Ansatz Sekers wiederum könne eine wichtige Grundlage für die Gender-Diskussion legen, aber auch für das grundsätzliche Verständnis der heiligen Schrift des Islams. 'Ich denke sogar, dass die beiden wissenschaftlichen Texte nicht nur in Deutschland Bedeutung haben werden.'
Vier der sieben Doktoranden sind Frauen. Für Jan Felix Engelhardt, den Projektkoordinator des Graduiertenkollegs, ist das kein Zufall: 'Ich bin mir sicher, dass die Zukunft der Islamischen Theologie ein starkes weibliches Gesicht tragen wird.' Es würden schon jetzt mehr weibliche als männliche Studenten die Lehrveranstaltungen für Islamwissenschaften in Deutschland besuchen. Ab dem Wintersemester 2012 sollen dann sieben bis acht weitere Promovenden ihr Studium am Graduiertenkolleg beginnen.
Dieses war im April 2011 gegründet worden. Beteiligt sind sieben Hochschulen, die eine islamisch-theologische Ausbildung anbieten. Das sind Münster, Osnabrück, Paderborn, Hamburg, Erlangen und Frankfurt sowie ab Oktober 2011 auch Tübingen. Finanziert wird das Graduiertenkolleg mit insgesamt 3,6 Millionen Euro von der Essener 'Stiftung Mercator', um die Ausbildung von Religionslehrern und Imamen an Deutschen Universitäten zu etablieren.
dapd


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