Ein Heim für Krokodile: In dem sonnendurchfluteten Glasbau riecht es wie in einer Saunalandschaft. Von Grünpflanzen umrankte Holzbrücken führen über einen idyllisch anmutenden Teich. Zahlreiche Besucher beugen sich über die Brüstung und blicken erwartungsvoll nach unten. Die Hauptdarsteller der Erfurter 'Crocworld' lassen sich davon nicht aus der Ruhe bringen.
Vergrößern Ein Heim für Krokodile | Bild: © dapd

Erfurt (dapd-lth). Nur ab und zu tauchen zwei schwarze Augen und eine breite Schnauze aus dem Wasser auf und eines der 61 Krokodile kriecht gemächlich zu seinen Kollegen an Land.

'Crocworld' ist dem Betreiber zufolge in seiner Art als privater Reptilienpark deutschlandweit einzigartig. Die sogenannte Auffangstation bietet den Tieren ein Heim, das dem natürlichen Umfeld möglichst genau nachempfunden ist. Besitzer ist Bernd Jensch. Der Tierarzt praktiziert seit 16 Jahren in der Landeshauptstadt. Sein erstes Krokodil hat er sich vor sechs Jahren zugelegt - als Haustier. 'Irgendwann wurden es immer mehr', sagt Jensch, der die Reptilien-Leidenschaft mit seinem Bruder teilt. Als der Platz zu Hause nicht mehr ausreichte, nahm der 'Crocworld'-Plan Form an. Im Laufe der Zeit kamen weitere Tiere von Krokodilfarmen und Privathaltern hinzu.

Von der Idee bis zur Eröffnung der 'Crocworld' im vergangenen November dauerte es mehrere Jahre. 'Wir haben allein drei Jahre an der Anlage gebaut', sagt Jensch. Meist waren nur er und sein Bruder am Bau des selbst entworfenen Reptilienhauses zugange. Es war alles schwieriger als Jensch gedacht hatte. Zu Anfang habe er noch zwei Kompagnons und finanzielle Unterstützer gehabt, doch irgendwann hätten diese sich nach anderen Projekten umgesehen. 'Bis die Stadt uns den Bau genehmigt hat, das zog sich unendlich in die Länge', sagt Jensch. Es sei ein ewiges und oft frustrierendes Hin und Her gewesen.

Hinter der Kasse starrt seelenruhig ein etwa zwei Meter großes Schuppenkriechtier durch die Glasscheibe eines Terrariums. Davor steht Jenschs Frau. Gemeinsam mit ihrem Mann arbeitet sie jedes Wochenende im Privatzoo. Während der Woche ist der Bruder im Dienst, damit Jensch auch seine Tierarztpraxis weiter betreiben kann. 'Wir arbeiten darauf hin, möglichst bald jemanden einzustellen', sagt der Zoobesitzer. Die Familie, insbesondere seine drei Kinder, haben es nicht leicht mit seiner Reptilienliebe, berichtet Bernd Jensch. Das erste Ziel sei, mit den Eintrittsgeldern die Ausgaben zu decken. Das Abzahlen des Privatkredits müsse warten.

'Wirklich teuer ist das Heizen der Anlage, die Tiere selbst sind pflegeleicht', sagt Jensch. Krokodile brauchen es mollig warm und auch die anderen Bewohner, Schlangen, australische Vögel, Echsen und Kriechtiere mögen tropische Temperaturen. Darüber hinaus reicht es, den Tieren einmal die Woche ein saftiges Schwein oder ein gerupftes Huhn vorzuwerfen. Wie viel er schon in seinen Tierpark investiert hat, will Jensch nicht verraten. Er zuckt bloß mit den Schultern. Es war nicht wenig, das steht fest.

Dem Reptilienliebhaber geht es mit seinem Projekt um den Artenschutz. Künftige Mehreinnahmen sollen dem Erhalt der Tiere in ihren Heimatländer zugutekommen. 'Ich will Erwachsenen und Kindern zeigen, wie Krokodile aussehen und wie sie wirklich leben', sagt Jensch. Dabei blickt er auf etwa 15 seiner Schützlinge, die bequem unter einer Wärmelampe lungern. Ab und zu klettert eines der meist weiblichen Krokodile einer Nachbarin über Körper und Gesicht, um einen anderen Ort zu erkunden. 'Genau so ist es in der Wildnis eben auch', sagt Jensch. Krokodile lebten in Gruppen, seien ruhig und gelassen, so lang sie nicht verängstigt oder ausgehungert seien. 'Eine Katze ist viel gefährlicher, als so ein Tier', sagt der Tierarzt.

http://crocworld.de/

dapd