Ein Hauch Arktis im Südschwarzwald: Lautsprecheranlagen der Rennleitung überlagern das Hundegeheul in den verschneiten Bergen des Südschwarzwalds. Dann aufgeregtes Gebell, drei, zwei, eins und Start - die sechsköpfige Hundemeute schießt nach vorn, angefeuert von den Zuschauern. Europaweit messen sich den ganzen Winter über die sogenannten Musher mit ihren Hundeteams in unterschiedlichen Renndisziplinen.
Vergrößern Ein Hauch Arktis im Südschwarzwald | Bild: © dapd

Bernau (dapd-bwb).

Am 4. und 5. Februar ist der Wintersportort Bernau Austragungsort der internationalen deutschen Schlittenhundemeisterschaften auf der Sprint- und Mittelstrecke. Über 100 Gespanne mit 800 Hunden sowie 5.000 Zuschauer an der Strecke werden erwartet.

'Im Ein- bis Zwei-Minutentakt schicken wir die Schlitten los', sagt Manfred Kupfer, Rennleiter und Präsident des Schlittenhunde-Sportvereins Baden-Württemberg (SSBW). Er muss jeden einzelnen der über 100 Starts des Rennens persönlich kontrollieren. Währenddessen passen Streckenwärter auf, dass niemand unterwegs abkürzt. Zugelassen zu den Rennen sind neben reinrassigen Huskys, Grönlandhunden, Malamutes und Samojeden auch Kreuzungen laufstarker Skandinavischer Hounds.

'Ein Tier bringt im Schnitt 300 Kilo aufs Zugseil', erzählt Arno Steichler, seit zwei Jahren Präsident des Schlittenhundeweltverbands 'World Sleddog Association' (WSA). Bei zehn Hunden seien das drei Tonnen, die erst einmal 'gebändigt' werden müssten. Auf der Sprintstrecke würden durchschnittlich 30 Stundenkilometer erreicht, auf Mittelstrecken bei Distanzen bis 42 Kilometer immerhin noch 20 Stundenkilometer - Steichlers 'Königsdistanz' in der offenen Klasse mit acht bis zehn Tieren.

Beim Rennen verlässt sich der erfahrene Musher ganz auf Belisha. Die grazil wirkende Leithündin mit einem blauen und einem braunen Auge sei intelligent und genieße als 'Mutter der ganzen Truppe' Respekt, erklärt er. Anton, kräftigstes Zugtier im Gespann, 'wollte ihr diesen Rang einmal streitig machen', berichtet der Verbandsvorsitzende. Als Mitteltier habe er während eines Rennens die Hauptleine der vor ihm angeschirrten Hunde durchgebissen, und sei so an die Spitze einer nun halbierten Meute aufgerückt.

Auf die ungewöhnliche Sportart stieß der stieß 50-jährige Kripobeamte aus dem Odenwald nach einer Knieoperation. Mit rund 10.000 Euro im Jahr für Verpflegung, Ausrüstung und Transport eine teure Sache, sagt er, doch 'super zum Abschalten, wenn man ständig mit Menschen zu tun hat, die nicht den Idealvorstellungen entsprechen'.

In den ersten kühlen Septembertagen spanne er die Tiere vor den Trainingswagen und beginne sie 'wie Leistungssportler' aufzubauen. Bei den deutschen Mittelstrecken-Meisterschaftsläufen in Bernau erhofft sich Steichler, der nach eigenen Angaben 'weit über 100 Rennen' gefahren ist und seit 2003 der deutschen Nationalmannschaft angehört, einen vorderen Platz und damit die Teilnahme an der Schlittenhunde-Weltmeisterschaft vom 24. bis 26. Februar im slowakischen Zuberec.

Ausgetragen werden die deutschen Meisterschaften in der 36 Kilometer langen Mitteldistanz sowie einigen kürzeren Sprintdistanzen und im Skijöring, bei dem Skiläufer von ein bis zwei Hunden gezogen werden. Gestartet wird samstags und sonntags ab 9.30 Uhr.

Mit zehn Minusgraden, Sonne und viel Schnee seien die Wetterprognosen 'gut', freut sich Werner Baur, Leiter der Tourismusinformation Bernau, der das Rennen 2011 wegen Regens absagen musste. Kostenlose Shuttlebusse bringen die Zuschauer aus den Ortsteilen zum Veranstaltungsgelände bei Eintrittspreisen bis sechs Euro. Der lokale Loipenverein plant Grillstationen unter freiem Himmel. Schneebegeisterte sollen beim Snowtubing auf bunten Reifen auf ihre Kosten kommen.

dapd