Dortmund (dapd-nrw). Ihre Biografie ist geprägt vom Schrecken der Nazi-Zeit. Die jüdische Dichterin und Literatur-Nobelpreisträgerin Nelly Sachs (1891-1970) konnte 1940 zusammen mit ihrer Mutter in letzter Minute Deutschland verlassen und nach Schweden flüchten. Eine Ausstellung, die ab Samstag (19. November) im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund zu sehen ist, versucht nun, ihre Lebensgeschichte nachzuzeichnen.
'Flucht und Verwandlung' heißt die Schau, die bis 29. Januar 2012 rund 300 Exponate präsentiert - darunter vor allem eine Vielzahl an Fotos, Texten und Briefen aus Sachs' Lebensjahren sowohl in Deutschland als auch in Schweden. In verschiedenen 'Modulen' werden zudem wichtige Abschnitte in Leben und Werk der Künstlerin thematisiert und durch Video- und Tonaufnahmen ergänzt.
Schon mit 17 Jahren schrieb sie erste Gedichte und war fasziniert vom Werk der schwedischen Schriftstellerin Selma Lagerlöf, mit der sie einen Briefwechsel begann. Von Lagerlöf erhoffte sie 1939 auch Unterstützung, um ein Visum für Schweden zu bekommen - doch die berühmte Autorin war da bereits zu krank, um zu helfen. Mit der Hilfe eines Bruders des schwedischen Königs konnten Sachs und ihre Mutter schließlich Deutschland verlassen - der Befehl für beider Deportation in ein Konzentrationslager war da schon geschrieben.
Nach der Flucht erfolgte die Verwandlung, auf die der Ausstellungstitel abstellt. 'Der Bruch mit Deutschland war eine Art Wiedergeburt für sie', sagt Kurator Aris Fioretos. In den 30 Jahren ihres Lebens in ihrer neuen Heimat Schweden schrieb sie ihr lyrisches Hauptwerk - geprägt von ihren Erlebnissen in Deutschland thematisierte sie das Grauen des Holocaust. 'In den Wohnungen des Todes' und 'Sternverdunkelung' heißen zwei ihrer Gedichtbände.
Nelly Sachs habe stets 'hinter ihrem Werk verschwinden' und 'anonym' bleiben wollen, sagt Fioretos. Die Ausstellung wolle es dem Besucher daher ermöglichen, ihr 'poetisches Universum' zu entdecken. Dafür steht sinnbildlich eine nur wenige Quadratmeter große Nachbildung der Küchenecke von Sachs' Stockholmer Wohnung: In der nur mit Bett, Tisch, Stuhl und einer Schreibmaschine ausgestatteten 'Kajüte', wie Sachs sie nannte, schrieb sie bevorzugt ihre Gedichte.
Als sie 1966 für ihr lyrisches Werk den Nobelpreis für Literatur erhielt, verschenkte sie das Preisgeld an Bedürftige. In ihren letzten Lebensjahren litt sie an Krebs und einer psychischen Krankheit. Hans Magnus Enzensberger, der ihr Lektor war, sagte einmal über sie: 'Ich finde es erstaunlich, mit welcher Seelenstärke und mit welcher Energie diese zarte, anfällige Person, dünn wie ein Vogel, unaufhaltsam an ihren Sachen gearbeitet hat, bis zuletzt.'
dapd


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