dpa-AFX Überblick: KONJUNKTUR vom 09.02.2012 - 17.00 Uhr: Papademos: Ja zum Athen-Sparprogramm vor Eurogruppen-Sitzung
Vergrößern dpa-AFX Überblick: KONJUNKTUR vom 09.02.2012 - 17.00 Uhr | Bild: © jkitan

ATHEN - Griechenlands Ministerpräsident Lucas Papademos hat die Einigung der Parteispitzen auf das neue Sparprogramm bestätigt. Auch das zuletzt noch strittige Thema der Rentenkürzungen sei gelöst worden, teilte das Büro des Regierungschefs am Donnerstag mit. "Die Verhandlungen mit der "Troika" wurden bezüglich des Themas, was noch offen war, heute morgen erfolgreich abgeschlossen", hieß es in einer schriftlichen Erklärung aus dem Büro. Es blieb aber offen, woher die fehlenden 300 Millionen Euro des verlangten Sparvolumens kommen sollen. In dem Schriftstück hieß es lediglich, es gebe eine allgemeine Übereinkunft über den Inhalt des neuen Sparprogramms angesichts der Sitzung der Eurogruppe am Donnerstagabend.

EZB in Warteposition - Zurückhaltung bei Athen-Umschuldung

FRANKFURT - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat keine erkennbaren Hinweise auf eine abermalige Lockerung ihrer bereits expansiven Geldpolitik gegeben. Nachdem die Notenbank ihren Leitzins am Donnerstag unverändert bei 1,0 Prozent belassen hatte, sprach EZB-Chef Mario Draghi vor Pressevertretern abermals von großen Konjunkturrisiken. Seine Äußerungen zu Wachstum und Inflation glichen dabei stark seinen Aussagen von der letzten Zinssitzung Anfang Januar. Bedeckt hielt sich Draghi in der Frage einer möglichen Beteiligung der EZB an einem Schuldenschnitt in Griechenland.

Merkel ermahnt Griechenland: Sparbeschlüsse umsetzen

BERLIN - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die griechische Regierung ermahnt, das nun beschlossene Sparpaket ohne Abstriche umzusetzen. "Manche dringend notwendige Maßnahme ist zwar auf dem Papier angenommen, aber noch bei weitem nicht durchgeführt worden", sagte Merkel der "Passauer Neuen Presse" (Freitag). Die Regierung in Athen müsse nun erfüllen, was sie mit der sogenannten Troika von EU, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank vereinbart habe.

China: Inflation steigt stärker als erwartet

PEKING - Die Inflation in China hat sich wieder verstärkt. Im vergangenen Monat stiegen die Verbraucherpreise um 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das Statistikamt am Donnerstag in Peking berichtete. Im Dezember hatte der Zuwachs 4,1 Prozent betragen. Volkswirte hatten mit einem leichten Rückgang der Teuerung gerechnet. Die Nahrungsmittelpreise seien zu einem guten Teil verantwortlich für die Steigerung. Die Erzeugerpreise seien nur um 0,7 Prozent in Januar angewachsen. Die Inflationsrate für 2011 habe bei 5,4 Prozent gelegen. Die Regierung peilt eine Rate von 4 Prozent an.

Japan: Aufträge im Maschinenbau fallen stärker als erwartet

TOKIO - In Japan sind die Aufträge im Maschinenbau im Dezember stärker als erwartet gefallen. Im Vergleich zum Vormonat seien sie um 7,1 Prozent gesunken, teilte die Regierung am Donnerstag in Tokio mit. Ökonomen hatten einen Rückgang um 5,0 Prozent erwartet. Im Vormonat waren die Aufträge noch um 14,8 Prozent gestiegen.

Deutschland: Weniger Unternehmensinsolvenzen im November

FRANKFURT - In Deutschland sind die Unternehmensinsolvenzen im November erneut rückläufig gewesen. Sie seien zum entsprechenden Vorjahresmonat um 4,4 Prozent auf 2.389 gesunken, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit. Zuletzt hatte es im August 2010 einen Anstieg der Insolvenzen im Jahresvergleich gegeben.

Großbritannien: Industrieproduktion steigt stärker als erwartet

LONDON - In Großbritannien ist die Industrieproduktion im Dezember stärker als erwartet gestiegen. Im Monatsvergleich sei die Produktion um 0,5 Prozent geklettert, teilte das nationale Statistikamt am Donnerstag in London mit. Ökonomen hatten lediglich mit einem Anstieg um 0,2 Prozent gerechnet. Zudem wurde das Minus im Vormonat mit 0,5 Prozent etwas niedriger als bisher (minus 0,6 Prozent) ausgewiesen. Im Jahresvergleich sank die Industrieproduktion hingegen mit 3,3 Prozent kräftiger als prognostiziert (minus 3,1 Prozent). Zudem wurde der Rückgang im Vormonat von minus 3,1 Prozent auf minus 3,6 Prozent nach unten revidiert.

ifo: Wirtschaftsklima im Euroraum stabilisiert sich auf niedrigem Niveau

MÜNCHEN - Der ifo Indikator für das Wirtschaftsklima im Euroraum ist im ersten Quartal leicht gestiegen, liegt aber weiter deutlich unter seinem langfristigen Durchschnitt. Lediglich die Erwartungen für die kommenden sechs Monate haben sich gegenüber dem Vorquartal etwas aufgehellt. Die Beurteilungen zur aktuellen Lage trübten sich dagegen weiter ein, wie das Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) am Donnerstag in München mitteilte.

Griechenland: Gewerkschaften rufen zu zweitägigem Streik auf

ATHEN - Gegen die neuen Sparpläne in Griechenland regt sich breiter Widerstand. Gewerkschaften riefen erneut zu einem Streik auf - diesmal für zwei Tage. Am Freitag und am Samstag soll die Arbeit ruhen, wie die größten Gewerkschaftsverbände GSEE für den Privatsektor und ADEDY für die Beamten am Donnerstag mitteilten. Bereits für den Abend waren zudem mehrere Demonstrationen linksgerichteter Organisationen geplant. Erst am Dienstag hatten sich aus Protest gegen das neue Sparprogramm tausende Griechen an einem 24-Stunden-Streik beteiligt. Die griechischen Kommunisten riefen die Bevölkerung zum Aufstand gegen die geplanten Maßnahmen der Regierung des parteilosen Ministerpräsidenten Lucas Papademos auf.

Bank of England beschließt weitere Anleihekäufe über 50 Milliarden Pfund

LONDON - Die britische Notenbank will zur Konjunkturstützung noch mehr Anleihen als bisher kaufen. Das Kaufprogramm steigt um 50 Milliarden auf insgesamt 325 Milliarden Pfund, wie die Bank of England am Donnerstag in London mitteilte. Es ist die erste Erhöhung des Kaufprogramms seit Oktober 2011. Seinerzeit hatte die Notenbank weitere Käufe über 75 Milliarden Pfund beschlossen. Dieses Volumen wird vermutlich Ende Februar ausgeschöpft sein. Wegen der schwachen Wirtschaftsentwicklung hatten Ökonomen mit zusätzlichen Käufen gerechnet. Den Leitzins beließ die Notenbank unterdessen auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent.

SPD fordert Sondersitzung des Bundestages zu Griechenland

BERLIN - Die SPD-Fraktion im Bundestag fordert für nächste Woche eine Sondersitzung des Parlaments zum Thema Griechenland. Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Axel Schäfer sagte am Donnerstag, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wolle "aus taktischen Erwägungen heraus" nur den Haushaltsausschuss über einen Teil des zweiten Griechenland-Paketes abstimmen lassen.

Bank of England lockert Geldpolitik weiter - mehr Anleihekäufe

LONDON - Die britische Notenbank will ihre bereits hoch-expansive Geldpolitik weiter lockern und die schwache Binnenkonjunktur mit zusätzlichen Anleihekäufen stützen. Wie die Bank of England am Donnerstag bekanntgab, wird sie in den kommenden drei Monaten Wertpapiere für 50 Milliarden Pfund kaufen. Damit steigt das Gesamtvolumen der Anleihekäufe auf nunmehr 325 Milliarden Pfund. Als Begründung nennt die Notenbank das schwache Wirtschaftswachstum Großbritanniens, Risiken infolge der europäischen Schuldenkrise und die mittelfristig vermutlich rückläufige Inflationsrate. Bankvolkswirte hatten aus ähnlichen Gründen mit einer Ausweitung der Käufe gerechnet.

Westerwelle drängt Griechenland zu Reformen

BERLIN - Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat die griechische Regierung nachdrücklich zur Umsetzung ihres Sparpakets aufgefordert. "Unsere Hilfsleistungen hängen davon ab, dass die griechische Politik nicht nur redet, sondern dass sie handelt", betonte Westerwelle am Donnerstag in Berlin. Die Zukunft des Landes im Euro und in der EU liege in der Hand der Griechen. Weitere Finanzhilfen seien nur sinnvoll, wenn Reformen nicht nur angekündigt, sondern auch umgesetzt würden, warnte Westerwelle. "Ankündigungen machen ein Land noch nicht wettbewerbsfähig."

Arbeitslosigkeit in Griechenland steigt immer weiter

ATHEN - Die Arbeitslosigkeit in Griechenland steigt immer weiter. Die Arbeitslosenquote betrug im November 20,9 Prozent und übertraf damit erstmals in der jüngsten Geschichte des Landes die Grenze von einer Million Menschen. Insgesamt waren nach Angaben der griechischen Statistikbehörde (ELSTAT) 1 029 587 Menschen ohne Job. Noch vor zwei Jahren lag die Quote im gleichen Monat bei 13,9 Prozent und im Oktober 2011 waren es 18,2 Prozent. Arbeitslose erhalten in Griechenland nur ein Jahr lang Arbeitslosengeld. Danach ist keine Unterstützung mehr vorgesehen.

Kreise: Koalitionsfraktionen beraten in Sondersitzung zu Griechenland

BERLIN - Die Koalitionsfraktionen von Union und FDP werden sich an diesem Freitag in Sondersitzungen mit der Hängepartie in Griechenland befassen. Das erfuhr die Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag aus Koalitionskreisen in Berlin. Es wird erwartet, dass die Bundesregierung die Fraktionen über den Stand der Verhandlungen in Athen und mögliche Beschlüsse der Euro-Finanzminister unterrichtet. Die Fraktionssitzungen beginnen um 09.00 Uhr.

Griechischer Wirtschaftsminister warnt vor 'großem Knall'

FRANKFURT/ATHEN - Im griechischen Schuldendrama hat der Athener Wirtschaftsminister Michalis Chrysochoidis vor "einem großen Knall" in der Gesellschaft gewarnt. Angesichts immer drastischerer Kürzungen und einer verschärften Rezession "wird die wichtigste Frage dieses Landes bald dem Erhalt des sozialen Friedens gelten", sagte der Minister der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Donnerstag).

Bundesregierung fordert von Athen verbindliche Zusagen

BERLIN - Die Bundesregierung hat von Griechenland verbindliche und rasche Zusagen zum umstrittenen Sparprogramm gefordert. "Griechenland muss handeln, und Europa wartet auf griechische Entscheidungen", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Finanzministerium, Steffen Kampeter (CDU), am Donnerstag in Berlin im Bundestag. "Der Fortschritt in den letzten Wochen auf griechischer Seite war unzureichend."

USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sinken unerwartet

WASHINGTON - In den USA sind die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche entgegen den Markterwartungen weiter zurückgegangen. Im Wochenvergleich sank die Zahl um 15.000 auf 358.000 Anträge, wie das US-Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. Volkswirte hatten hingegen mit 370.000 Anträge gerechnet. Der Vorwochenwert wurde allerdings um 6.000 auf 373.000 Anträge nach oben korrigiert. Im aussagekräftigeren Vier-Wochen-Schnitt sank die Zahl um 11.000 auf 366.250 Anträge.

Gewerkschaften fordern 6,5 Prozent mehr Geld im öffentlichen Dienst

BERLIN - Die Gewerkschaften fordern 6,5 Prozent mehr Geld für die rund zwei Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen. Die Gehälter sollen mindestens um 200 Euro steigen, teilten die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und die Tarifunion des Beamtenbundes dbb am Donnerstag in Berlin mit. Die Laufzeit solle zwölf Monate betragen.

GfK - Privater Konsum verhindert Abgleiten in Rezession

NÜRNBERG - Neue Schuhe, neuer Fernseher, neues Auto: Die Kauflust der Deutschen legt nach Einschätzung von Konsumexperten in diesem Jahr um ein weiteres Prozent zu. "Der private Konsum leistet damit einen Beitrag zur Konjunktur und verhindert ein Abgleiten in die Rezession", sagte der Vorstandschef des Marktforschungsunternehmens GfK, Matthias Hartmann, am Donnerstag in Nürnberg. Wegen der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt hätten die Verbraucher Planungssicherheit für größere Anschaffungen. Außerdem gäben viele ihr Geld lieber für Werthaltiges aus, als es dem Finanzsystem anzuvertrauen.

USA: Lagerbestände steigen im Dezember stärker als erwartet

WASHINGTON - In den USA haben die Lagerbestände der Unternehmen im Dezember stärker als erwartet zugelegt. Im Monatsvergleich meldete das US-Handelsministerium am Donnerstag in Washington einen Anstieg um 1,0 Prozent. Volkswirte hatten lediglich mit einem Zuwachs um 0,4 Prozent gerechnet. Im Vormonat hatten die Lagerbestände nach leichter Abwärtsrevision stagniert (zunächst plus 0,1 Prozent).

EZB senkt Refi-Anforderungen für Einzelkredite in sieben Euro-Ländern

FRANKFURT - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Anforderungen für Einzelkredite im Refinanzierungsgeschäft in sieben Euro-Ländern gelockert. Künftig dürfen die Notenbanken der jeweiligen Länder Kreditforderungen von Banken im Refinanzierungsgeschäft mit verminderten Anforderungen akzeptieren, wie die EZB am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Die neuen Reglungen gelten für die Notenbanken in Irland, Spanien, Frankreich, Italien, Zypern, Österreich und Portugal. Details zu den Anforderungen sind auf den Internetseiten der nationalen Notenbanken zu finden.

Kaum noch Chancen für Steuerpläne der Koalition

BERLIN - Im Streit um die Steuersenkungspläne der Koalition geht ein Teil der Länder auf scharfen Konfrontationskurs mit dem Bund. Die Bundesratsminister von Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg, Angelica Schwall-Düren und Peter Friedrich (beide SPD), kündigten an, zusammen mit anderen SPD-geführten Ländern die von der Koalition gewünschte Absenkung der Einkommensteuer an diesem Freitag im Bundesrat blockieren zu wollen.