Die furchtlosen Krieger der Mongolei: Sie wurden gefürchtet und kannten selbst keine Furcht: Die Steppenkrieger waren jahrhundertelang die unangefochtenen Herrscher der Mongolei. Denn keinem anderen Volk gelang es, sich so perfekt an die unmenschlichen Lebensbedingungen der kargen Steppe anzupassen und mit ausgefeilter Kriegskunst den Gegner zu überlisten.
Vergrößern Die furchtlosen Krieger der Mongolei | Bild: © dapd

Bonn (dapd-nrw). Das Rheinische Landesmuseum in Bonn zeichnet in einer bundesweit erstmaligen Ausstellung das Leben der Reiternomaden zwischen dem 7. und 14. Jahrhundert nach - und räumt mit dem immer noch verbreiteten Vorurteil eines tölpelhaften Reiterclans endgültig auf.

In der Ausstellung werden ab Donnerstag (26. Januar) bislang unbekannte Exponate zur Bewaffnung, Ausrüstung und Kleidung präsentiert. Die Ausstellungsstücke sind teilweise 1.300 Jahre alt und waren erst vor wenigen Jahren in den trockenen und kalten Felsspalten der Mongolei entdeckt worden.

'Für den dortigen Lebensraum waren die Steppenkrieger Hochkulturen', sagt Kurator Michael Schmauder. Beeindruckende Erfindungen beeinflussten immer wieder die mitteleuropäische Geschichte. Dass die Reiternomaden auf lange Sicht keine nennenswerten Gegner hatten, lag vor allem an der beispiellosen Kriegskunst. 'Sie zeichneten sich durch ihre Schnelligkeit und flexible Kampftechnik aus', sagt Schmauder. Der Reflexbogen war die reiternomadische Waffe schlechthin und hatte durch seine Form einen mystischen Hauch.

Die unschlagbare Waffe wurde nicht aus einem einzigen Ast, sondern durch verschiedene verleimte Materialien wie Holz, Knochen oder Geweih erstellt. Durch die entgegengesetzte Spannung erzielten Pfeile eine unglaubliche Durchschlagskraft. Die Geschosse wurden je nach Ziel gewählt: Breite Spitze für Tiere, schmale Spitze zum Durchbohren der Schutzkleidung des Gegners.

Die Ausstellungsstücke, darunter auch hölzerne Sattel, Schalen und Werkzeug, stammen zum großen Teil aus einem mongolischen Institut. Einige Felsgrabfunde wurden in den Werkstätten des Rheinländischen Landesmuseums restauriert.

Die Attraktion der Ausstellung sind zwei 1.000 Jahre alte Gewänder. Der Seidenkaftan aus chinesischem Damastgewebe und der bis heute älteste Mantel aus Wollfilz wurden aus etlichen Einzelteilen rekonstruiert. Im schnell aufgebauten Rundzelt, der Jurte, ging es für damalige Verhältnisse schon fast heimelig zu: In der Mitte steht ein Esstisch und am Rand die Betten, die tagsüber als Sitzgelegenheit dienten. In Kommoden werden Utensilien verstaut.

Die Steppenkrieger waren nicht nur eiskalte Barbaren: Abseits der Jagd zeigten sie musikalisches Gespür. Als Instrument diente in ruhigen Momenten eine Pferdekopfharfe, das älteste Saiteninstrument der Mongolei.

Doch das harte Leben hinterließ auch bei den Steppenkriegern Spuren. Die lange Zeit im Sattel machte den Reitern zu schaffen: Knie und Hüftgelenke sind abgenutzt und verschlissen, wie ein Skelett aufzeigt. Nach einem schweren Sturz ist die Wirbelsäule demoliert. Und im Schädel klafft ein Loch.

dapd