DFL eröffnet Poker um Liga-Rechte - Sportschau vor dem Aus?: Demnach müssen Sportschau-Fans in Zukunft unter Umständen auf den Computerschirm anstatt in die Röhre schauen
Vergrößern DFL eröffnet Poker um Liga-Rechte - Sportschau vor dem Aus? | Bild: © ad-hoc-news

DJ UPDATE: DFL eröffnet Poker um Liga-Rechte - Sportschau vor dem Aus? Deutsche Fußball Liga will noch im April Übertragungsrechte von 2013 an vergeben Derzeit 45 Interessenten gemeldet - Liste könnte am 15. Februar halbiert werden Zwei konkurrierende Szenarien für Rechtevergabe (neu: neu geschrieben, weitere Details) Von Eyk Henning DOW JONES NEWSWIRES FRANKFURT (Dow Jones) Die Deutsche Fußball Liga hat den Poker um die Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga eröffnet - und einige Änderungen präsentiert. Demnach müssen Sportschau-Fans in Zukunft unter Umständen auf den Computerschirm anstatt in die Röhre schauen. Bezahlsender Sky Deutschland und die Deutsche Telekom - beide zeigen derzeit die Spiele live - können damit möglicherweise auf einen Tick mehr Exklusivität hoffen. Bislang haben 45 Unternehmen ihr Interesse angemeldet, Mitte kommender Woche werde sich der Kreis der Bieter aber verengen, wobei wie bei der vergangenen Auktion rund 20 Kandidaten weiterkommen könnten, sagte DFL-Chef Christian Seifert in Frankfurt. Bis zum 2. April sollen die verbliebenen Bieter ihre Angebote für Übertragungsrechte der 1. und 2. Bundesliga einreichen, bis Ende April will die Liga dann entschieden haben. "Wir erhoffen uns natürlich eine Steigerung der Erlöse. Wir haben da einen gewissen Korridor im Blick, wollen aber noch keine Zahlen nennen", sagte Seifert weiter. Beobachter gehen derweil davon aus, dass die DFL bei der jetzigen Auktion auf Einnahmen von etwa 450 Millionen Euro pro Spielzeit schielt. Aktuell nimmt sie 412 Millionen Euro ein. Um den Wettbewerb unter den Bietern zu schüren und höhere Einnahmen zu erzielen, schreibt die DFL zwei konkurrierende Szenarien aus, die sich im Wesentlichen durch die Verbreitungsart der frei empfangbaren Zusammenfassung der Spiele unterscheiden. Im sogenannten "Klassik-Szenario" darf der Rechteerwerber am Samstag im frei empfänglichen Fernsehen wie bisher eine Zusammenfassung der fünf Spiele zwischen 18.30 Uhr und 20.15 Uhr zeigen. Die Zusammenfassung der Sonntagsspiele solle zwischen 21.15 Uhr und 23.00 Uhr gezeigt werden. Sportschau ade? Durch das neu hinzugekommene Szenario "neue Medien", das in Konkurrenz zum Klassik-Szenario steht, steht Zuschauern möglicherweise eine gravierende Änderung ins Haus. So darf der oder die Erwerber der Rechte am Samstag ab 19.00 Uhr die Zusammenfassung über das Webfernsehen (IPTV) ausstrahlen. Beim IPTV fließt das Fernsehsignal nicht durch das klassische Kabel, sondern auf Datenpakete aufgeteilt durch die Internetverbindung. Im frei empfangbaren TV würde bei dieser Variante die Spieltagszusammenfassung erst ab 21.45 Uhr zu sehen sein. Die ARD-Sportschau wäre damit zumindest auf dem TV-Bildschirm vorläufig Geschichte. Seifert bezeichnete am Donnerstag beide Szenarien als "realistisch", die Gebote sollten für beide Varianten demnach "nah beieinander liegen." Den Vorwurf der Ausgrenzung internetferner Gesellschaftsschichten wollte Seifert nicht gelten lassen. "Die Zahl der Interessenten für eine Zusammenfassung im Internet liegt deutlich über der Zahl der von der Sportschau erreichten Kunden", sagte Seifert. Die ARD-Sportschau sei ein "hervorragendes Produkt", ein öffentlich rechtlicher Sender sollte dem Wettbewerb entgegentreten können", so der DFL-Chef weiter. Ein gewisses Interesse am Zustandekommen des Szenarios "neue Medien" dürften mit dem Bezahlsender Sky Deutschland sowie der Deutsche Telekom ausgerechnet zwei Konkurrenten haben. Aktuell teilen sich die beiden die Live-übertragungsrechte für die Bundesliga. Ihr Kalkül: Ohne ARD-Sportschau im Fernsehen wären unter Umständen mehr Zuschauer dazu bereit, für Live-Spiele zu zahlen. Beide behakten sich zuletzt über die Medien. Auf der einen Seite kündigte Sky-Deutschland-Chef Brian Sullivan im November an, der Sender wolle sich mehr Rechte sichern um das Programm auch auf "Smartphones und Tablet PCs" zu erweitern. Telekom-Deutschland-Vorstand Niek Jan van Damme gab zu Protokoll, sich auch die Satellitenrechte anschauen zu wollen. Der rosa Riese bietet sein TV-Angebot "Entertain" - ursprünglich ein rein Internet-basiertes Paket - seit 2011 auch per Satellit an. Die Bundesliga-Rechte für die Übertragung per Satellit würde der Telekom helfen, neue Wachstumsfelder zu erschließen und Verluste im klassischen Telefongeschäft zu kompensieren. Der Vorstoß stieß bei Medienwächtern zuletzt allerdings auf Widerstand. Die zuständige Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) hat Zweifel an der Legalität des Telekom-Angebots Liga Total, sollte die Telekom wie geplant auch die Bundesliga-Rechte für klassisches Bezahlfernsehen über Satellit und Kabel erwerben. "Wenn sich das Volumen der Sportrechte vervielfacht, macht das eine Neubewertung nötig", kündigte der ZAK-Vorsitzende Thomas Fuchs in einem Interview mit der Financial Times Deutschland an. Da der Bund mit rund 30 Prozent an der Telekom beteiligt ist, gelte das Unternehmen medienrechtlich als staatsnah, ein eigenes TV-Programm dürfe sie daher nicht veranstalten. DFL-Chef Seifert erklärte am Donnerstag lediglich, dass es Sache der Bieter ist, sich um die "rechtliche Unbedenklichkeit" der Gebote zu kümmern. Der Medienkonzern News Corp., zu dem auch diese Nachrichtenagentur gehört, hält auch 49,9% an Sky Deutschland. -Von Eyk Henning, Dow Jones Newswires; +49 69 29 725 108, eyk.henning@dowjones.com

DJG/kla

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