Deutschlands beste Oper will hohes Niveau halten: Nach der neuerlichen Auszeichnung als bestes Musiktheater in Deutschland will die Frankfurter Oper das hohe Niveau unbedingt halten. Das Haus setze weiterhin auf eine Balance zwischen Klassik und zeitgenössischer Musik im Spielplan, sagte Intendant Bernd Loebe am Donnerstag im dapd-Interview.
Vergrößern Deutschlands beste Oper will hohes Niveau halten | Bild: © ad-hoc-news

Frankfurt/Main (dapd-hes).

Mit dieser 'gelungenen Mischung aus Wagemut und Bodenhaftung' hatte die Fachzeitschrift 'Opernwelt' die Auszeichnung begründet. Bei der traditionellen Umfrage unter Kritikern im deutschsprachigen Raum belegte Frankfurt Anfang des Monats hinter dem Theater Basel und vor dem Theater an der Wien Platz zwei als Opernhaus des Jahres. Da die beiden engsten Konkurrenten in der Schweiz und Österreich liegen, war die Stellung Frankfurts als Nummer eins in Deutschland unangefochten.

Opernintendant Loebe sagte, er sei 'schon ein wenig stolz' über die Wahl. Schließlich werde damit die kontinuierliche Leistung des Musiktheaters gewürdigt, das schon seit acht, neun Jahren regelmäßig im Spitzenfeld derartiger Umfragen lande. Bereits nach der ersten Spielzeit unter Loebe als Intendant hatte Frankfurt 2003 die Wahl zum Opernhaus des Jahres in Deutschland gewonnen. Loebe wies darauf hin, dass die neuerliche Ehrung den verschiedensten Abteilungen des Hauses gelte.

So wurde auch das Opern- und Museumsorchester das zweite Jahr in Folge als bestes Orchester eingestuft. Loebe sagte, die Frankfurter Oper könne mit solchen Ehrungen im Rücken vor den politisch Verantwortlichen in der Stadt gut argumentieren. Auch wenn Frankfurt nicht die finanziellen Mittel wie etwa das kulturell stark vom Land unterstützte München habe, könne das Haus mit dem Etat zufrieden sein. Bei den Gehältern von Orchester und Chor seien zusätzliche Mittel zugesagt wurden.

Da die Oper an den Städtischen Bühnen etwa für Werkstatt und Verwaltung einen gemeinsamen Etat mit dem Schauspiel hat, lässt sich der Etat nur für das Musiktheater schwer beziffern. An rein künstlerischen Mitteln etwa für Ensemble und Gäste sind es nach Angaben Loebes um die 19 Millionen Euro im Jahr. Der Intendant, der seit Beginn der Spielzeit auch als Geschäftsführer für die Finanzen verantwortlich ist, sagte, es gebe klare Obergrenzen für die Gage von Gastdirigenten und -sänger oder -sängerinnen. Dennoch gebe es genügend sehr gute Künstler, die gerne an der Frankfurter Oper auftreten.

Die Ausnutzung der Plätze in seinem Haus gab Loebe mit rund 80 Prozent in der vergangenen Spielzeit an. In den ersten beiden Monaten der neuen Spielzeit waren es sogar über 80 Prozent. Was Loebe besonders freut: Es sind nicht nur populäre Opern wie die 'Zauberflöte' und 'La Traviata', die sich als Publikumsmagneten erweisen. Bei der Frankfurter Inszenierung von 'Medea' von Aribert Reimann waren sogar 85 Prozent der Plätze besetzt.

Die Vorstellungen für Richard Wagners 'Walküre' , die am 31. Oktober in Frankfurt Premiere hat, seien bereits ausverkauft, und es gebe sogar Wartelisten. Die Komplettierung des 'Rings' ist eines der wesentlichen Vorhaben in Frankfurt für die nächste Zeit. In der Saison 2011/12 folgen Inszenierungen von 'Siegfried' und der 'Götterdämmerung'. Gegenwärtig werde bereits für die Spielzeit 2013/14 geplant.

Die Mischung aus zeitgenössischen und klassischen Werken ist dabei ein ganz wesentlicher Aspekt. Geht Loebe an einer Stelle auch gerne mal ein Risiko ein, setzt er an anderer wieder auf kalkulierbare Einnahmen. Eine solche Balance im Repertoire gebiete aber nicht nur finanzielles Interesse, sondern auch die Verantwortung für die vielen Mitarbeiter in Ensemble, Chor, Orchester, Technik und allen weiteren Bereichen des Theaters. Dabei versucht er das Risiko, dass etwas misslingt, so gering wie möglich zu halten, damit die große Anstrengung letzten Endes nicht umsonst war.

Bei all dem Erfolg bleibt Loebe indes bescheiden: Zwar freue er sich über die gute Bewertung, doch wolle er das Ergebnis der Umfrage unter Kritikern auch nicht überbewerten und keinesfalls in eine Art Wettkampf mit den anderen deutschen Musiktheatern treten.

dapd