Deutscher Außenhandel erzielt trotz Einbruchs Rekordjahr: Deutschlands Exporteure haben 2011 trotz Euro-Krise, lahmer Weltkonjunktur und eines massiven Einbruchs im Dezember ein Rekordjahr hingelegt. Erstmals verkauften deutsche Firmen Waren im Wert von mehr als einer Billion Euro ins Ausland, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Der Export kletterte im Vergleich zum Vorjahr um 11,4 Prozent auf 1,06 Billionen Euro.
Vergrößern Deutscher Außenhandel erzielt trotz Einbruchs Rekordjahr | Bild: © dapd

Wiesbaden/Berlin (dapd). Wegen des starken Abfalls zum Jahresende warnten Ökonomen jedoch vor einer negativen Entwicklung in 2012.

Besonders deutlich legte im vergangenen Jahr den Statistikern zufolge der Export in Länder außerhalb der EU zu. Sie wuchsen um 13,6 Prozent, während der Zuwachs bei den Ausfuhren in Staaten der Euro-Zone bei 8,6 Prozent lag. Dennoch blieb die Euro-Zone mit einem Anteil von mehr als 40 Prozent der wichtigste Absatzmarkt für deutsche Firmen.

Im Dezember sackten die Ausfuhren insgesamt im Vergleich zum Vormonat um 4,3 Prozent ab. Das war der stärkste Rückgang seit einem Minus von 6,5 Prozent auf dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise im Januar 2009.

Der Ökonom und Wirtschaftsweise Peter Bofinger wertete dies als Anzeichen für eine Eintrübung der Konjunktur. 'Die harten Fakten sind weniger fulminant als es die Stimmungsindikatoren sind', sagte er im RBB-Inforadio. Die deutsche Wirtschaft werde sich wegen der hohen Exportabhängigkeit von Europa den negativen Kräften im Euro-Raum kaum entziehen können. 'Ich sehe das eher pessimistisch', erklärte Bofinger.

Rösler betont Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands

Für den Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) zeigen die Exportzahlen 2011 eine 'unerwartet erfreuliche Entwicklung'. Der Verband betonte aber die Abhängigkeit der deutschen Firmen vom europäischen Markt. 'Deutschlands Exportwirtschaft ist auf Stabilität und Wachstum in Europa angewiesen', erklärte der BDI-Außenwirtschaftsexperte Oliver Wieck.

Der Bundesverband des Groß- und Außenhandels nannte den Rückgang im Dezember 'nicht überraschend'. Der Verband bleibe aber zuversichtlich für 2012. Jedoch seien aktuell die Aufträge aus der Eurozone deutlich zurückgegangen. 'Trotz des positiven Ausblicks machen wir uns Sorgen um Europa', erklärte der Verband.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erwarte für 2012 ein geringeres Exportwachstum von sechs Prozent, zitierte das 'Handelsblatt' vorab das Ergebnis einer DIHK-Umfrage, die am Donnerstag vorgestellt werden sollte. Grund für die Abschwächung seien gebremste Ausfuhren ins europäische Ausland.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) lobte angesichts des Rekordjahrs im Außenhandel die Leistungsfähigkeit Deutschlands. Zwar sei es wegen der schwächelnden Weltkonjunktur schwieriger, an solche Erfolge anzuknüpfen. 'Die deutsche Wirtschaft ist aber nach wie vor hoch wettbewerbsfähig', sagte Rösler.

Auch die deutschen Importe übertrafen im vergangenen Jahr mit einem Plus von 13,2 Prozent auf 902 Milliarden Euro die alte Höchstmarke von 2008. Damit schloss Deutschland die Außenhandelsbilanz 2011 mit einem Überschuss von 158,1 Milliarden Euro ab. 2010 hatte der Saldo fast 155 Milliarden Euro erreicht.

dapd