Deutsch-Rap-Erfinder mit Schnauzbart: Evelyn Zander macht sich über den nächsten Auftritt ihres Mannes keine Illusionen: 'Das wird wieder eine lange Nacht', sagt sie, und ihre Stimme klingt dabei genauso rau, wie die von Frank Zander selbst. Der Sänger und Entertainer wird am 4. Februar 70 Jahr alt. Ans Aufhören denkt er nicht.
Vergrößern Deutsch-Rap-Erfinder mit Schnauzbart | Bild: © dapd

Berlin (dapd-bln).

Auch wenige Tage vor dem runden Geburtstag hat der Unterhaltungskünstler gut zu tun. Gerade ist er auf dem Weg ins Berliner Velodrom zum Sechstage-Rennen. Einen Abend zuvor erhielt er den 'B.Z.'-Kulturpreis. 'Das ging bis heute morgen um drei', berichtet Evelyn Zander.

Der Auftritt im unterirdischen Radstadion ist für 22.30 Uhr angesetzt. Doch bereits zwei Stunden zuvor wuselt Zander durch den Innenraum, wo in den VIP-Bereichen echte und Möchtegern-Prominente Getränke schlürfen. Von Weitem grüßt der neue Berliner Sportsenator Frank Henkel (CDU), wie Zander ein waschechter Berliner.

Immer wieder wird Zander von Gästen gut gemeint auf die Schulter geklopft: Zander, der Kumpeltyp. Dieses Image und sein lockeres Auftreten verleihen ihm vieles, nur nicht die Aura eines 70-Jährigen, stellen auch an diesem Abend viele fest, die mit ihm zu tun zu haben. Zander ist authentisch wie sein dicker Schnauzbart, den er seit Jahrzehnten unverdrossen trägt.

'Das Wort Rente kenne ich nicht', sagt er im Interview. Es klingt gar nicht aufgesetzt, sondern überzeugend. Deshalb ist in seinem näheren Umfeld, wozu auch das Tonstudio von Zett-Records gehört, das Wort '70' seit Monaten tabu. 'Viele sagen ja in diesem Alter, nun kommt die Böse 7 ... Aber mir macht es einfach Spaß', sagt Zander lachend.

Tatsächlich 'muss' Zander nicht mehr, wenn es danach ginge: Der Musiker hat in den 40 Jahren seiner Bühnenkarriere Hundertausende von Platten und CDs verkauft, darunter nicht wenige Blödelsongs, Partykracher und Mitklatsch-Hits. 'Oh, Susi' (1977) und 'Hier kommt Kurt' (1990) zählen zu den Evergreens.

Der Erfolg hat neben seinem Stehvermögen über das offizielle Rentenalter hinaus mehrere Gründe: Zander kann 'richtig' Musik machen, er beherrscht sein Handwerk an der Gitarre und an der Rhythmusmaschine perfekt. Auch singen kann er professionell. Seine ersten Schritte im Gewerbe machte er mit der Band Gloomy-Moon-Singers, aus denen später die Gloomys wurden.

Grund Nummer zwei: Die Reibeisenstimme. Seine Stimmbänder ruinierte sich Zander nach eigenen Angaben bei einer Tournee, an der er trotz Mandelentzündung mitwirkte. Grund Nummer drei: Zander geht mit der Zeit. Bereits in den 1970ern nahm er jede populäre Tendenz auf, um daraus ein Lied zu basteln - so kreierte er nach einem Film zum Frankenstein-Stoff den 'Ur-Ur-Enkel von Frankenstein'. Immer wieder coverte er deutsche und internationale Hits. Zander surfte auf der sogenannten Deutschen Welle mit dem Lied 'Da, da, da' und veröffentlichte eine Hymne für Hertha BSC nach einem Rod-Stewart-Klassiker. Er war es, der den Osthit 'Erna kommt' dem Westen nahe brachte.

Als im Berliner Zoo Eisbär Knut für Furore sorgte, gab es nach wenigen Monaten 'Hier kommt Knut'. Auch für echte Innovationen ist Zander immer gut: Bereits 1973 nahm er mit dem 'Nick-Nack-Man' den nach seinen Worten ersten deutschen Rap auf. Später mischte er mit beschleunigten Ton-Aufnahmen singende Tiere als 'Fred Sonnenschein & seine Freunde' zurecht. Sogar malen kann er gut.

Vor allem aber ist der gebürtige Neuköllner ein Original. Wie weit das typische Berliner 'Herz mit Schnauze' geht, zeigt sich seit bald 20 Jahren bei der jährlichen Obdachlosenfeier zu Weihnachten. Inzwischen werden dabei etwa 3000 Gäste im Hotel Estrel verköstigt. Zwar geht Zander auch dort an keiner Kamera vorbei. Aber es ist eben für einen guten Zweck. Wer einmal gesehen hat, wie dankbar die Eingeladenen an diesem Abend Zanders Hand nehmen oder ihn umarmen, weiß, dass manche Pose an diesen Abenden wirklich nur dem Zweck dient, genug Öffentlichkeit für das Projekt zu bekommen.

Zander quittiert das mit Stolz: 'Ich hoffe da auf eine gewisse Vorbildwirkung. Und es klappt - inzwischen machen das mehrere Städte nach.'

http://www.frank-zander.de

dapd