»Wir stehen hier vor der größten Biberburg, die in Thüringen bisher entdeckt wurde«. Der Bau ist etwa sechs Meter lang und drei Meter breit. »Wir schätzen, dass im Moment mindestens 30 Tiere im Freistaat leben. Allein in dieser Burg könnten bis zu sechs Biber leben«, schätzt Klaus.
Jede Woche ist der Biberbeauftragte des Thüringer Naturschutzbundes (Nabu) mindestens zweimal am Fluss, um nach dem rechten zu sehen. Dabei ist die Beobachtung der Nager in der warmen Jahreszeit nicht ohne Tücken: »Bei der dichten Belaubung im Sommer ist es schwieriger als im Winter, Biberspuren zu entdecken«, sagt Klaus. Der Biber hingegen fühlt sich im Schutz der Büsche und Bäume pudelwohl.
Klaus weiß, worauf er bei seiner Suche zu achten hat. »Neben den Burgen sind die Ein- und Ausstiege aus dem Wasser typische Zeichen für die Anwesenheit des Nagers«, erklärt der Tierschützer und zeigt auf einen deutlich sichtbaren Weg, der aus dem Wasser in ein kleines Gebüsch führt. Ganz in der Nähe steht eine große Pappel mit gut einem halben Meter Durchmesser, die weit hinaus in den Fluss ragt. Deutlich sind an der Basis des Baums große Zahnspuren zu sehen. »Oft beginnt er im Winter, wenn die Nahrung knapp wird, damit einen Baum zu fällen. Bei sehr dicken Exemplaren macht er mitunter ein ganzes Jahr Pause, bis er weiter nagt und den Baum schließlich zu Fall bringt«, erklärt der Biberbeauftragte.
Schließlich findet Klaus doch noch einen Punkt, von dem aus der Fluss recht gut einsehbar ist. Während er seinen Blick auf der Suche nach eindeutigen Zeichen für Biber-Aktivitäten über die gegenüberliegende Uferböschung gleiten lässt, hat er Zeit, ein wenig zu erzählen.
»2007 haben wir die ersten Biber in Thüringen entdeckt, seitdem breiten sie sich langsam aber stetig die Saale hinauf aus.« Die Eroberung Thüringens sei ein Wettlauf mit der Zeit, erklärt Klaus. Aus Bayern seien nämlich ebenfalls Biber nach Thüringen gekommen, in der Nähe von Sonneberg hat man bereits die ersten Exemplare gesichtet. Das Problem sei, dass die Tiere, die von Süden kommen, eine Mischpopulation von Bibern aus Frankreich, Russland und Skandinavien darstellten und vor etwa 30 Jahren dort angesiedelt wurden.
»In Thüringen werden diese beiden Biberformen auf jeden Fall aufeinandertreffen. Uns wäre es jedoch am liebsten, wenn sich der Elbebiber so weit ausbreiten würde wie möglich, damit wir die ursprünglich hier ansässige Art auch wieder hier haben«. Es habe Vorschläge gegeben, der Ansiedelung etwas auf die Sprünge zu helfen, indem man Elbebiber im oberen Saalelauf aussetze, um die Ausbreitung zu beschleunigen. Wegen der Angst vor Biberschäden zögere das Umweltministerium bisher, eine Entscheidung zu treffen.
Probleme gebe es aber bislang keine, die gesamte Entwicklung laufe bisher von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt im Stillen ab. Die Anwohner betrachten den Biber bisher mit Wohlwollen. »Trotzdem müssen wir die Entwicklung ständig im Blick haben«, sagt Klaus. »Sonst könnten die Tiere mit ihren Gängen einmal eine Straße oder Bahntrasse unterhöhlen oder durch eine Baumfällung den Verkehr bedrohen«.
Auch der Vorsitzende des Nabu-Landesverbandes, Mike Jessat, kennt die Vorbehalte der Landwirte gegenüber dem großen Nager zur Genüge. »Solange die Tiere in den Hauptarmen der Flüsse bleiben, ist das meist kein Problem, weil diese in der Regel genug Wasser führen«, sagt Jessat. In Nebenarmen seien sie aber oft gezwungen, das Wasser mit Dämmen zu stauen. Dann könne schon einmal eine Wiese unter Wasser gesetzt werden, die sich in der Nähe befindet.
»Früher haben die Biber auf diese Art einen immens wichtigen Beitrag zu Artenvielfalt und zur Entstehung neuer Biotope geleistet«. Heute sei aber fast jede freie Fläche vom Menschen besetzt. »Dass eine Versumpfung aus biologischer Sicht durchaus wünschenswert ist, kann man den Landwirten natürlich nur schwer vermitteln«. In solchen Fällen brauche man ein aktives Bibermanagement, um Probleme gemeinsam anzugehen.
Doch nicht nur vonseiten der Naturschützer, auch für die Jäger ist der Biber ein willkommener Gast. »Wir sehen keinen Bedarf, dem Biber den Lebensraum streitig zu machen«, sagt der Vorsitzende des Thüringer Jagdverbandes, Frank Herrmann. Der Biber stehe genau wie der Otter unter strengem Naturschutz und werde von den Jägern ganzjährig geschont.
Siegfried Klaus hofft, dass der Nabu im nächsten Jahr wieder einen hauptberuflichen Biberbeauftragten einstellen kann. »Ich bin Rentner und mache die Betreuung der Biber ehrenamtlich. Eine Vollzeitkraft könnte viel mehr tun, um die Saale biberfreundlich zu gestalten und das Management zu übernehmen. Denn zu tun gibt es noch eine ganze Menge«.
ddp


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