Berlin (ddp-bwb). Mathias Richling ist ab diesem Jahr alleiniger Gastgeber des ARD-Klassikers «Scheibenwischer». Der 55-jährige Kabarettist, der seit 2003 zur Stammbesetzung gehört, will auch nach dem Ausscheiden von Bruno Jonas an Altbewährtem festhalten. Über die künftigen Sendungen vor dem Neustart am 19. März sprach mit dem studierten Literatur-, Musik- und Theaterwissenschaftler aus Baden-Württemberg ddp-Korrespondent Wolfgang Schönwald.

ddp: Herr Richling, 2003 haben sie das Team des «Scheibenwischers» unter Kabarett-Urgestein Dieter Hildebrandt verstärkt. Dachten Sie damals im Traum daran, fünf Jahre später allein dazustehen?

Richling: Ich habe es nicht befürchtet.

ddp: Was heißt das?

Richling: Ich habe es mir nicht gewünscht.

ddp: Nun sind die Ensemblemitglieder, ob Hildebrandt, Georg Schramm, Richard Rogler oder Bruno Jonas, aus verschiedenen Gründen abgesprungen. Trauern sie allen nach?

Richling: Trauer bringt uns in dem Beruf nicht weiter. Das gewöhnt uns schon die Politik ab. Manchmal meint man, man passt nicht zusammen und manchmal möchte man auch mal was ganz anderes probieren.

ddp: Jetzt sind Sie auch der künstlerische Leiter der Sendung. Ändert sich das Konzept?

Richling: Jeder «Scheibenwischer» der vergangenen Monate und Jahre hatte ein neues Konzept. Der bisherige Leiter Bruno Jonas hat sich für jede Sendung ein neues Bühnenbild, eine neue Inszenierung ausgedacht. Ich erfinde das Rad des Kabaretts nicht neu, warum auch, wir sind doch mit mehr als zwei Millionen Zuschauern sehr erfolgreich. Ich könnte mir aber schon vorstellen, dass vom Tempo her etwas mehr Richling durchscheinen wird. Kabarett muss so beweglich bleiben, wie jede Nachrichtensendung auch.

ddp: Sie deuteten bereits an, dass mehr Comedyelemente in die Sendung einfließen sollen.

Richling: Das Kabarett muss sich tagesaktuell politisch wie gesellschaftlich kritisch äußern. Wenn Frau Merkel also heute zurücktritt, darf ich morgen nichts mehr darüber machen. Im Gegensatz zur Comedy, die darf das, weil sie den Anspruch nicht hat, aktuell etwas bewirken zu wollen. Wir Kabarettisten bewirken zwar nichts, haben jedoch den Anspruch.

ddp: Welche neuen Gesichter neben den Stammgästen Frank Lüdecke oder Andreas Rebers könnten Sie sich denn vorstellen?

Richling: Ich denke da an Comedians wie Atze Schröder und Anke Engelke. Es geht einfach darum, ihnen ein Forum zu bieten, damit sie sich auch mal in der politischen Satire verwirklichen können.

ddp: Befürchten Sie angesichts dieser Öffnung Kritik von den traditionellen «Scheibenwischer»-Zuschauern?

Richling: Wir machen ja die Sendung, um Kritik zu bekommen. Wir sind doch nicht dazu da, dem Zuschauer Honig ums Maul zu schmieren. Es geht darum, Themen anzureißen, und dabei gewisse Aha-Effekte zu erreichen - «Moment mal, so denke ich ja gar nicht.» So haben wir immer Zuschauer, die auch die Stirn runzeln.

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