Marburg (ddp-hes). Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) fordert vom Veranstalter eines Psychotherapiekongresses in Marburg die Ausladung von zwei umstrittenen Referenten. «Wir kritisieren, dass man 'Homo-Umpolern' eine Basis bietet, sich zu präsentieren», sagte LSVD-Vorstandsmitglied Manfred Bruns am Dienstag in einem ddp-Interview. Die beiden Referenten vertreten laut LSVD die Auffassung, dass es nur die von Gott gewollte sexuelle Orientierung zwischen Mann und Frau gebe und Homosexualität eine «Fehlentwicklung» sei.

Beide Referenten verträten Organisationen, deren Therapieangebote homosexuellen Ratsuchenden eher schaden als nützen würden, betonte Bruns. Eine affirmative Therapie, die den Menschen helfe, mit ihrer sexuellen Orientierung zu leben, werde strikt abgelehnt. «Wenn sie die Leute nicht umpolen können, lassen sie sie fallen», monierte Bruns. Mit Blick auf eine umstrittene Referentin ergänzte er: «Sie sieht das als ihre Lebensaufgabe, Homos auszumerzen.»

Der Veranstalter sei bislang nicht bereit, auf die Forderung des LSVD einzugehen, sagte Bruns. Der Oberbürgermeister der Stadt Marburg habe angekündigt, nichts zu unternehmen. Bruns rechnet jedoch mit Unterstützung vonseiten der Universität: «Da tut sich etwas. Der allgemeine Studierendenausschuss (AStA) protestiert inzwischen auch.» Rund 120 Referenten tauschen sich während des fünftägigen Kongresses (20. bis 24. Mai) für Psychotherapie und Seelsorge in Vorträgen und Seminaren zum Thema «Identität» aus.

(folgt Zusammenfassung bis 14.00 Uhr)

ddp/wca/kos