Berlin (dapd-bln). Er ist eines der gefragtesten Models Deutschlands und will Menschen mit Behinderung ein Vorbild sein: Der Hamburger Mario Galla trägt wegen eines angeborenen verkürzten Oberschenkels eine Beinprothese und hat dennoch eine steile Karriere in der Modebranche gemacht. 'Ich möchte anderen Mut machen und zeigen, dass im Leben alles möglich ist', sagt der 26-Jährige in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd. Zwar habe er Rückschläge einstecken müssen, 'mich davon aber nie entmutigen lassen'.
Bei der Berliner Modemesse Fashion Week vor zwei Jahren hatte Galla bundesweit für Aufregung gesorgt, als er bei der Show des Modedesigners Michael Michalsky erstmals in kurzen Hosen über den Laufsteg marschierte. 'Ich habe damals nicht mit all den Reaktionen gerechnet', erzählt das Model rückblickend. Es sei sicherlich etwas blauäugig gewesen, gesteht der 26-Jährige ein, aber 'ich dachte, es wissen alle Bescheid'. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete Galla bereits vier Jahre als Model. Er war 2007 an einer Hamburger Imbissbude entdeckt worden.
Er habe sich nie als Behinderter gesehen. 'Deshalb war ich bei dem Auftritt nicht aufgeregter als sonst auch', unterstreicht das Männermodel. Im Nachgang betrachtet habe er von dem Medienrummel sogar profitiert. 'Ich konnte mich als eigene Persönlichkeit etablieren.' Bei der am Samstag zu Ende gehenden Fashion Week tritt er dieses Mal nicht als Model auf, sondern sieht sich als Zuschauer die Präsentationen der neuen Kollektionen an.
Berührungsängste mit seiner Behinderung gebe es kaum noch. 'Die meisten kennen meine Geschichte', sagt Galla. Selbst im Ausland schreitet der 26-Jährige die Laufstege ab, als ob er in seinem Leben nie etwas anderes gemacht hat. 'Paris und London sind aufgeschlossen, nur im konservativen Mailand ist es ein Tabuthema', erzählt Galla. Allerdings sei er in Paris einmal als Krüppel beschimpft worden. Galla hat sich davon nicht entmutigen lassen.
Im vergangenen Jahr hat der Hamburger eine Biografie veröffentlicht. 'Ich habe so viel Post erhalten und bin um Rat gefragt worden. Ich wusste nicht, wie ich allen antworten sollte.' Da schien ihm eine Buchveröffentlichung als die beste Form. Der Hamburger sagt, er sei ihm nie bewusst gewesen, dass sich so viele mit seinem Schicksal identifizierten. 'Nach einem Jahr habe ich die Rolle angenommen.'
Für das laufende Jahr schweben Mario Galla weitere Projekte vor. Er könne sich gut vorstellen, neben dem Modelberuf als Moderator vor einer Kamera zu stehen oder eine eigene Kollektion zu entwickeln.
Seine genauen Pläne lässt er aber offen. Zumindest will er sein Studium der Medien- und Informationswissenschaften fortsetzen. Im Moment pausiert Galla: 'Die Biografie und das Modeln haben mehr Zeit in Anspruch genommen als gedacht.'
dapd


Forum
Facebook
Twitter





















