Credit Suisse stürzt im vierten Quartal tief in die roten Zahlen: ZÜRICH (dpa-AFX) - Die Turbulenzen an den Finanzmärkten haben der Schweizer Großbank Credit Suisse   im vergangenen Jahr schwer zugesetzt. Der Überschuss brach um mehr als 60 Prozent auf nur noch knapp 2 Milliarden Franken ein, wie das Institut am Donnerstag in Zürich mitteilte. Im vierten Quartal rutschte es sogar erstmals seit drei Jahren in die roten Zahlen und verbuchte einen Verlust von 637 Millionen Franken (526 Mio Euro). Ein Jahr zuvor hatte die Bank im Schlussviertel noch 841 Millionen Franken verdient. Der Verlust übertraf bei weitem die Befürchtungen von Analysten.
Vergrößern Credit Suisse stürzt im vierten Quartal tief in die roten Zahlen | Bild: © Claudiad

Die Verwerfungen an den Kapitalmärkten trafen die Credit Suisse an vielen Stellen. Angesichts der großen Verunsicherung hielten sich viele Anleger beim Investieren zurück. Erschwerend kam für die Schweizer die Stärke des Franken hinzu. Daraus entstand der Bank nach eigenen Angaben eine Belastung von gut 900 Millionen Franken im Vergleich zu 2010. Zum Jahresende verbuchte die Bank zudem Belastungen von fast einer Milliarde Franken vor Steuern für den Konzernumbau, den Rückzug aus einigen Geschäftsfeldern und den beschleunigten Abbau von Bilanzrisiken.

RISIKOABBAU BESCHLEUNIGT

Vorstandschef Dougan hatte bereits im November ein umfangreiches Sparprogramm angekündigt, dem 3.500 Stellen zum Opfer fallen. So will der US-Manager bis Ende 2013 die Kosten um zwei Milliarden Franken senken. Er fährt vor allem das schwankungsanfällige Investmentbanking herunter und baut die Vermögensverwaltung um. Um die neuen, strengeren Kapitalvorschriften für Banken vorzeitig zu erfüllen, will Dougan zudem bereits bis Ende März - neun Monate früher als geplant - die Risikoanlagen um 80 Milliarden Franken abbauen. 35 Milliarden Franken schaffte die Bank bereits im vierten Quartal.

Wie bei vielen Konkurrenten auch verschlechterte sich von Quartal zu Quartal vor allem das Investmentbanking und kam im Gesamtjahr nur noch auf einen Mini-Gewinn von 79 Millionen Franken (2010: 3,5 Milliarden). Im Schlussquartal fuhr es einen Vorsteuerverlust von 1,3 Milliarden Franken ein. Aber auch im Privatkundengeschäft musste die Bank Federn lassen. Der Vorsteuergewinn sank um 31 Prozent auf 2,3 Milliarden Franken.

IMAGESCHADEN WEGEN STEUERSTREITIGKEITEN

Unter anderem belasteten Rückstellungen für Steuerstreitigkeiten das Ergebnis. Die Beilegung eines Verfahrens der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung kostete die Bank 180 Millionen Franken. In den USA ermitteln die Behörden in einem ähnlichen Fall. Dafür legte die Bank bereits 295 Millionen Franken zurück. "Die Credit Suisse will verantwortungsvoll und im Einklang mit ihren gesetzlichen Verpflichtungen mit den Behörden in den USA und in der Schweiz zusammen eine Lösung in dieser Angelegenheit finden", hieß es in der Mitteilung des Unternehmens.

Die Credit Suisse zählte insgesamt jedoch wie die Deutsche Bank eigentlich zu den Gewinnern der Finanzkrise 2008. Anders als beim Konkurrenten UBS , bei dem Anleger zig Milliarden abgezogen hatten, vertrauten die Kunden der Bank in der vergangenen Krise. Das Unternehmen musste zwar wie andere Banken Verluste verbuchen, nahm aber im Gegensatz zur UBS nie Staatshilfe in Anspruch. Nun droht das Image des Instituts auch angesichts der Steuerstreitigkeiten aber doch Kratzer zu bekommen. Im vierten Quartal flossen der Bank auch netto nur noch 400 Millionen Euro Netto-Neugelder zu.

BANK SIEHT GUTEN JAHRESAUFTAKT

Für dieses Jahr gibt sich die Bank recht optimistisch. "Wir sind uns des anhaltend ungewissen Markt- und Konjunkturumfelds bewusst. Gleichzeitig stimmt uns unser guter Start ins Jahr 2012 zuversichtlich", sagte Dougan. Die bereinigte Eigenkapitalrendite seit Jahresbeginn entspreche auch dank des eingeleiteten Kosten- und Risikoabbaus dem Zielwert von 15 Prozent. Das Sparprogramm laufe planmäßig, es soll bereits in diesem Jahr die Kosten um 1,2 Milliarden Franken drücken.