Cotesa - Branchenprimus trotz Krise: In den Werkshallen der Cotesa GmbH in Mittweida riecht es dezent nach Kunststoff. Auf den ersten Blick erinnert nichts an einen Flugzeugzulieferer.
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Erst beim genaueren Hinschauen ist der künftige Einsatzort einiger Kunststoffelemente zu erkennen: Klassische Falttüren für Flugzeugtoiletten stapeln sich neben Bauteilen für die Struktur der Maschinen und schusssicheren Cockpittüren für den Airbus A380. Cotesa ist eine von rund 50 Luftfahrtzulieferern in Sachsen und wegen ihrer ständigen Innovationen auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein Branchenprimus.

Der Mittweidaer Betrieb ist nach Ansicht des Chefs der Verbundinitiative Sächsische Luft- und Raumfahrtindustrie (Asis), Michael Muth, ein Vorbild für andere Unternehmen der Branche. Trotz anhaltender Krise der Luftfahrtbranche behaupte sich die Firma erfolgreich am Markt. Auch Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) hält große Stücke auf den Betrieb. «Cotesa ist eine sächsische Erfolgsgeschichte im Hochtechnologiebereich. Das Unternehmen beweist, dass in Sachsen erfolgreich für den globalen Luftfahrtmarkt produziert werden kann», sagt er.

«Unsere Firma liefert im Augenblick ausschließlich für den europäischen Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern EADS sowie an dessen Zulieferer», berichtet Geschäftsführer Jörg Hüsken. Ein Großteil der Verbundfaserbauteile sei für Maschinen sämtlicher Airbus-Typen bestimmt, andere für Hubschrauber. Gemeinsam mit dem Dresdner Materialforscher IMA, der am Unternehmen beteiligt ist, werden ständig neue Materialien und Verarbeitungsprozesse entwickelt. Langlebigkeit und ein geringes Gewicht seien die wichtigsten Eigenschaften, erklärt Hüsken.

Betriebswirt Hüsken, der 1991 vom Niederrhein nach Sachsen kam, wollte sich ursprünglich seinen Traum von einem Maschinenbaubetrieb erfüllen. Schließlich stieß der Geschäftsmann 2002 aber auf einen damals insolventen Kunststoffspezialisten in Mittweida. Aus einem Teil dieser Firma entstand die Cotesa, was ein Kunstname für Composites Technology Saxony ist. Von der Vorgängerfirma wurde nur ein einziges Produkt - Fußbodenwannen für die Bordtoiletten - übernommen. «Damit allein konnten wir nicht überleben», sagt Hüsken. Deshalb hätten 14 Entwicklungsingenieure die Produktpalette auf inzwischen 4000 unterschiedliche Bauteile erweitert.

Für den doppelstöckigen A380 produziert Cotesa beispielsweise völlig neue und verschleißärmere Antriebswellen für Landeklappen. Diese eigene Entwicklung will die Firma im April auf der Hannover-Messe vorstellen und andere Einsatzgebiete für die Kunststoffwellen ergründen. Für Schwierigkeiten sorgte bei Cotesa der politische Streit um die Finanzierung des Militärairbus A400M, für den die Firma Versteifungsprofile der Seitenleitwerke liefert. Weil die Spezialteile nicht wie vorgesehen abgerufen wurden, sank der Umsatz des Unternehmens von neun Millionen Euro 2008 im vergangenen Jahr auf 7,5 Millionen Euro.

Für dieses Jahr rechnet Hüsken jedoch wieder mit einem Umsatz von 12,5 Millionen Euro. Cotesa hat derzeit 140 Beschäftigte. In der Fertigung hätten viele Frauen aus der früheren Textilindustrie der Region eine Arbeit gefunden, berichtet der Geschäftsführer. Hüsken will in seinem Unternehmen mittelfristig 200 Menschen Arbeit geben. Langfristig sieht der Chef den Mittweidaer Betrieb auch als Komponentenzulieferer für die Automobilindustrie. Vor allem bei künftigen Elektroautos bestünden große Chancen.

Nach Asis-Angaben beschäftigt die Luft- und Raumfahrtindustrie in Sachsen etwa 5000 Mitarbeiter. In zehn Jahren könnte die Branche im Freistaat doppelt so groß sein, prognostiziert Muth. Die sächsischen Firmen profitierten von der Tradition des Luftfahrtstandortes Dresden. Bis 1960 waren hier 20 000 Menschen mit Entwicklung und Prototypenbau des niemals in Serien produzierten DDR-Passagierjets «152» und der Lizenzmontage der Iljuschin IL-14 beschäftigt. Später blieb nur eine Flugzeugwerft zur Wartung in Betrieb.

Mittweida (ddp-lsc)