Christliche Friedensaktivisten erinnern an Hiroshima und Nagasaki: Die christlichen Friedensaktivisten hoffen, dass am Donnerstagabend in Büchel (Kreis Cochem-Zell) viele Kerzen brennen werden: Vor dem Fliegerhorst in der Eifel soll in diesem Jahr der Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki mit einer Kerzenwallfahrt friedlich gedacht werden - wie auch in rund 100 anderen deutschen Städten.
Vergrößern Christliche Friedensaktivisten erinnern an Hiroshima und Nagasaki | Bild: © ddp

Am Freitag und Montag (6. und 9. August) jähren sich die Atombombenabwürfe des US-Militärs auf die japanischen Städte zum 65. Mal. Bei dem nuklearen Angriff im Zweiten Weltkrieg starben mehr als 220 000 Menschen. Jedes Jahr kommen deshalb zahlreiche Friedensaktivisten nach Büchel, weil am dortigen Standort des 33. Jagdbombergeschwaders der Bundeswehr vermutlich die letzten Atomwaffen aus US-Beständen auf deutschem Boden lagern.

Für den Initiator der ersten Kerzenwallfahrt am Fliegerhorst, Matthias-Wilhelm Engelke, ist das ein wichtiger Grund zur mahnenden Erinnerung. «Die Trauer um die Toten steht bei dieser christlich-religiösen Aktion im Mittelpunkt», sagt der 52-jährige evangelische Pfarrer aus dem nordrhein-westfälischen Nettetal-Lobberich.

Am System der nuklearen Teilhabe beteiligen sich nach Kenntnis des Berliner Informationszentrums für Transatlantische Sicherheit (BItS) neben Deutschland noch die Niederlande, Belgien und Italien. BItS-Chef Ottfried Nassauer geht davon aus, dass in Büchel noch bis zu 20 Atombomben des Typs B-61 lagern.

Der Standort des Jagdbombergeschwaders ist bereits seit mehr als zwölf Jahren Ziel von Protesten der «Gewaltfreien Aktion Atomwaffen Abschaffen» (GAAA) und Friedensgruppen aus der gesamten Region. Dadurch sei erreicht worden, dass die Atombomben in der Eifel nicht mehr «totgeschwiegen» würden, sagt Engelke. Er freut sich, dass nun selbst die Bundesregierung die nukleare Abrüstung hierzulande thematisieren wolle. Leider, so der Pfarrer, sei Außenminister Guido Westerwelle (FDP) beim Versuch, den Abzug der Bomben aus Büchel anzusprechen, bisher bei der NATO «auf Granit gestoßen».

Die Apothekerin Elke Koller, die knapp vier Kilometer vom Fliegerhorst entfernt wohnt, will mehr erreichen: Sie hat im April Klage gegen die Bundesrepublik erhoben und fordert, dass Deutschland von den USA den Abzug der Bomben verlangt und sich aus der nuklearen Teilhabe der NATO verabschiedet: «Mir reicht es nicht, wenn die Regierung mit Mitteln der Diplomatie auf die Abrüstung hinwirkt», sagt Koller. Sie pocht auf das Friedensgebot des Grundgesetzes und die Vorgaben des Völker- und Verfassungsrechtes. Mit der Vereinigung der Juristen und Juristinnen gegen atomare, biologische und chemische Waffen (IALANA) hat Koller ihre Klage abgestimmt.

Die beim Verwaltungsgericht Berlin eingereichte Klage wurde in der vergangenen Woche an das Verwaltungsgericht in Köln weitergeleitet. Jetzt wartet Koller mit Spannung auf eine Stellungnahme des Verteidigungsministeriums, die vom Gericht mit einer 14-Tage-Frist angefordert wurde.

Pfarrer Engelke setzt bei der Kerzenwallfahrt auf die «Kraft der Trauer». Er hoffe, dass auch stiller Protest die Bevölkerung zum Nachdenken anrege, sagt er. Gemeinsam mit einigen Freunden will er zudem bis zum Montag am Haupttor des Fliegerhorstes öffentlich fasten. «Mir geht es um die Beendigung der sogenannten nuklearen Teilhabe Deutschlands in der NATO, nach der deutsche Tornado-Piloten aus Büchel im Ernstfall amerikanische Atomwaffen an Bord nehmen und einsetzen könnten», erklärt Engelke.

ddp