Chefärztin: Polizisten leiden zunehmend unter Stress und Burn-out: Ziel der Behandlung ist, die Menschen zu befähigen, wieder in den aktiven Dienst zurückzukehren
Vergrößern Chefärztin: Polizisten leiden zunehmend unter Stress und Burn-out | Bild: ©

Wendisch Rietz (ddp-lbg). Immer mehr Polizisten in Brandenburg leiden nach Expertenangaben unter dem Burn-out-Syndrom. «Wir registrieren stark zunehmende Zahlen bei den Helferberufen, das sind Polizisten, Feuerwehrleute und Soldaten, aber auch Lehrer und Ärzte», sagte Monika Ridinger, Chefärztin der Oberbergklinik Berlin/Brandenburg in Wendisch Rietz, der Nachrichtenagentur ddp. Sie reagierte damit auf Berichte, wonach der Krankenstand bei Brandenburger Polizisten im vergangenen Jahr ein Rekordhoch von durchschnittlich 30 Tagen erreichte.

Mittlerweile kämen mehr als ein Viertel der in der Oberbergklinik wegen Burn-out-Syndromen behandelten Patienten aus den «helfenden Berufen», sagte Ridinger. Die Ursache sieht sie in wachsendem Stress. Zum einen nähmen gewaltsame Übergriffe auf Polizisten zu. Die Beamten würden beschimpft, beleidigt und bedroht. «Aber dann haben wir auch einen zunehmenden Druck durch Stellenkürzungen und Schließungen von Wachen in Brandenburg, und das führt unter Umständen auch zu hohen Krankenzahlen», sagte Ridinger.

Bei Polizisten mache sich das Burn-out-Syndrom häufig durch Symptome wie Schlafstörungen, Nervosität und Ängste, aber auch Bluthochdruck, Tinnitus bis hin zum Herzinfarkt bemerkbar. Es seien oft Polizeibeamte um Mitte 40, bei denen sich die Symptome schon jahrelang zeigten, die diese aber nicht mit Burn-out in Verbindung brächten. Komme es dann zu einer akuten Gewaltsituation wie etwa einer Messerstecherei, könnten sich in der Folge ausgeprägte Schlafstörungen oder Ängste entwickeln. Viele brächten das nicht mit Burn-out in Verbindung und wichen auf Medikamente oder gar Drogen aus. So würden viele Betroffene erst sehr spät erreicht.

Ziel der Behandlung sei, die Menschen zu befähigen, wieder in den aktiven Dienst zurückzukehren. «Der Großteil tut es auch, die Polizisten, die hierherkommen, kehren wieder an ihren Arbeitsplatz zurück», sagte die Chefärztin. Aber gerade diejenigen, «die das Image des harten Manns verkörpern», hätten Probleme. Das seien etwa ein Drittel der Betroffenen, die erneut behandelt werden müssten.

Auch präventive Arbeit sei notwendig. Ein Polizist sei vielen «Akutsituationen» ausgesetzt, in denen er »funktionieren« müsse. «Wir vermitteln Polizisten, ganz allmählich, am inneren Image zu arbeiten und Gefühle an sich heranzulassen», sagte Ridinger. In der Oberbergklinik Berlin/Brandenburg werden nach ihren Angaben seit mehr als zehn Jahren Menschen mit Burn-out-Syndrom behandelt.

(ddp)