Die Themen:
-- Wilde Mixtur: Measha Brueggergosmans Ausflug in die Nacht
-- Gewagter Versuch: Dejan Lazic hievt Brahms' Violinkonzert auf den Flügel
Wilde Mixtur: Measha Brueggergosmans Ausflug in die Nacht
Sie entspricht so gar nicht dem Klischee einer Opernsängerin: Measha Brueggergosman tritt gerne barfuß auf, liebt schrille Outfits, erzählt im Konzert schon mal derbe Witze. Und lacht dazu wenig ladylike, was ihr spontane Sympathien beschert. Doch die 32-Jährige pflegt auch ein Faible fürs Anspruchsvolle. Auf ihrer neuen CD «Night and Dreams» singt sie Lieder von Franz Schubert und Richard Strauss, von Claude Debussy oder dem Zeitgenossen Peter Warlock.
Und wenn man Mozarts «Abendempfindung an Laura» als Ausgangspunkt nimmt, wandelt sie dabei durch 300 Jahre Musikgeschichte, wild zusammengewürfelt. Um Träume geht es da, um die Magie des Mondes, um Abschied, Todessehnsucht und die Schönheit der Nacht. Brueggergosman kann erzählen, dicht und fesselnd, mit wenigen farbenreichen Tönen lässt sie Atmosphären entstehen.
Geschmackvoll phrasiert diese Sopranistin, und besonders eindringlich gelingen die leisen, intimen Lieder (Francis Himes «Anoiteceu» etwa oder «Canción de cuna para dormir a un negrito» von Xavier Montsalvatge), für die auch Justus Zeyen am Flügel der ideale Partner ist. In den elegischen Momenten fühlt sich diese Stimme am wohlsten, in der Mittellage sowieso. Ihr Forte gerät dagegen flatternd und vibratoreich, besonders wenn es in die Höhe geht.
(«Night and Dreams», Measha Brueggergosman, Sopran, Justus Zeyen, Klavier, Deutsche Grammophon CD 4778101, VÖ 12. Februar 2010)
Gewagter Versuch: Dejan Lazic hievt Brahms' Violinkonzert auf den Flügel
Nach der langen Einleitung müsste endlich die Geige einsetzen. Auf die wartet man unwillkürlich - und staunt selbst nach mehrmaligem Hören, dass stattdessen ein Klavier loslegt. Dabei wurde am Violinkonzert von Johannes Brahms immer wieder herumgemäkelt, es sei ein Werk «gegen die Geige», meinte etwa der Dirigent Hans von Bülow. Der Pianist Dejan Lazic hat nun gewagt, dieses Schlachtross der Violinliteratur umzuzäumen zum Klavierkonzert Nummer drei.
Ein durchaus übliches Procedere im 19. Jahrhundert, und vermutlich will der 32-jährige Kroate an diese Tradition anknüpfen. Aber bei allem pianistischen Können, bei allem Brahms-Verständnis, das Lazic ohne Zweifel besitzt (davon künden die beiden Rhapsodien, op. 79 und das Es-Moll-Scherzo auf der CD), wird man das Gefühl der Unstimmigkeit, des Künstlichen nicht los. Besonders im ersten Satz: Das Klavier klingt fremd in dieser Umgebung, obwohl das Atlanta Symphony Orchestra um Natürlichkeit bemüht ist. Nichtsdestotrotz überzeugt Lazic wieder einmal mit farbenreichem, höchst kultivierten Spiel.
(Brahms/arr. Lazic, Klavierkonzert No. 3 nach dem Violinkonzert, Dejan Lazic, Klavier, Roberto Spano, Ltg., Atlanta Symphony Orchestra, Channel Classics CCS SA 29410, VÖ 12. Februar 2010)
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