Berlin (ddp). Die Bundeswehr will bis 2015 ihren gesamten Bestand an Streumunition vernichten. Die «Minikiller» gelten als besonders heimtückisch und menschenverachtend. Sie reißen schwerste Wunden. Anlässlich einer internationalen Fachkonferenz zur Vernichtung von Streubomben, die am Freitag in Berlin zuende ging, veröffentlichte die Bundeswehr zum ersten Mal Zahlen zur Beseitigung ihrer bisher streng geheimen Streumunitionsbestände.

So sollen zwölf Munitionsmodelle mit rund 440 000 Behältern von Streubomben vernichtet werden. Sie enthalten insgesamt mehr als 50 Millionen kleine Sprengkörper. Nach Angaben der internationalen Kampagne zum Verbot von Minen (CMC) wird diese Aktion 40 Millionen Euro kosten. Die Bundeswehr hat nie Streubomben eingesetzt. Sie waren im Kalten Krieg zur Abwehr möglicher Angriffe des damaligen Warschauer Paktes angeschafft worden. Seit Juni 2001 hatte die Bundeswehr bereits über 8000 Behälter von Streumunition zerstört.

Die international schon lange heftig umstrittenen «Clusterbombs» (Cluster Bomb Units - CBU), bestehen aus Behältern, in denen sich jeweils mehr als 200 kleinere Bomben befinden, «Bombletten» genannt. Die Behälter werden von Flugzeugen abgeworfen oder schweben an einem Fallschirm nieder. In einer bestimmten Höhe öffnet sich der Behälter und gibt seine todbringende Last frei.

Die Kleinbomben können Menschen in mehreren Hundert Metern treffen und töten oder Panzerungen von zwölf Zentimetern durchschlagen. Die Clusterbomben werden in einem Wirkungskreis von 80 000 Quadratmetern verstreut und sprengen die Fläche regelrecht leer. Sie werden hauptsächlich gegen die Infanterie und Panzerverbände eingesetzt. Die Kleinbomben sind auch so gefürchtet, weil viele nicht explodieren und unentdeckt in der Erde als Minen liegenbleiben.

Nicht selten werden die Sprengkörper von Kindern gefunden, die sie nichtsahnend wegen ihres gelben Anstrichs für Spielzeug halten - und dann explodieren sie. Eine scharfe Kleinbombe kann nach Aussage von Fachleuten durchaus 50 Jahre hochexplosiv im Erdreich verborgen bleiben. Nach Angaben der Organisation «Handicap International» wurden seit 1965 weltweit mindestens 440 Millionen Streubomben von den verschiedenen Streitkräften abgeworfen, davon allein 383 Millionen in Laos, Vietnam oder Kambodscha.

Zuletzt hatte Israel im Libanonkrieg 2006 Streubomben eingesetzt. Nach Darstellung der Organisation kamen Streubomben in mehr als 30 Staaten zum Einsatz. Über 100 000 Menschen seien durch diese Waffen ums Leben gekommen. Die Amerikaner hatten während des Vietnam-Krieges schätzungsweise 260 Millionen Streubomben abgeworfen.

Am 3. Dezember 2008 hatte Deutschland gemeinsam mit 93 anderen Staaten in Oslo das Übereinkommen über den Verzicht auf Streumunition unterzeichnet. Sobald 30 Staaten das Abkommen ratifiziert haben, kann es sechs Monate später in Kraft treten. Die Vereinigten Staate, Russland, China, Israel, Indien und Pakistan sind aber der Konvention bisher nicht beigetreten.

Besonders die USA vertreten den Standpunkt, dass der Einsatz der Streubomben im Einklang mit dem internationalen Recht stehe. Washington will nicht auf den Einsatz von Streubomben verzichten, ist allerdings bereit, über Maßnahmen zur Vermeidung von Fehlern beim Abwurf zu sprechen. Experten schätzen, dass in gut 70 Staaten Streubomben lagern.

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