Bundesländer - (Zusammenfassung - Neu: Machnig, Mohring, VWT) Thüringer Wirtschaft bei Studie im Dynamikvergleich auf Rang fünf - Land punktet beim Arbeitsmarkt - Krise trifft Thüringen hart --Von Till Erdtracht--: Allerdings lagen die ostdeutschen Bundesländer Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen in dem Ranking vor Thüringen In einer Bewertung, die das absolute Niveau von Wirtschaftskraft und Wohlstand abbildet, erreichte Thüringen indes den Spitzenplatz unter den neuen Ländern Mit Platz elf ist der Freistaat den alten Bundesländern am dichtesten auf den Fersen. Die Thüringer Wirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren einer Studie zufolge dynamischer als in den meisten anderen Bundesländern entwickelt. Laut einer am Freitag in Köln vorgestellten Studie der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und des Magazins «Wirtschaftswoche» belegte der Freistaat den fünften Platz im Dynamikvergleich der 16 Bundesländer. Darin spiegele sich die Entwicklung in den Jahren 2005 bis 2008 wider.
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Allerdings lagen die ostdeutschen Bundesländer Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen in dem Ranking vor Thüringen. In einer Bewertung, die das absolute Niveau von Wirtschaftskraft und Wohlstand abbildet, erreichte Thüringen indes den Spitzenplatz unter den neuen Ländern. Mit Platz elf ist der Freistaat den alten Bundesländern am dichtesten auf den Fersen. Bayern liegt bei diesem sogenannten Bestandsranking vorn.

Die von Kölner Wissenschaftlern durchgeführte Studie berücksichtigt 100 ökonomische und strukturelle Indikatoren wie Bruttoinlandsprodukt, Kaufkraft, Kitabetreuungs- oder Investitionsquote.

Thüringen hatte vor allem beim Arbeitsmarkt gepunktet: 70 Prozent der Einwohner zwischen 15 und 65 Jahren sind erwerbstätig, deutlich mehr als in einigen westdeutschen Ländern. In den Jahren 2005 bis 2008 legte Thüringen bei der Jobversorgung um 7,7 Prozentpunkte zu, der Bundesdurchschnitt liegt bei 4,6 Prozentpunkten. Auch die Jugendarbeitslosigkeit sank deutlich von 17,2 auf 9,9 Prozent.

Als einziges ostdeutsches Land ist Thüringen jedoch überdurchschnittlich von der Wirtschaftskrise betroffen, wie aus dem «Krisenindex» hervorgeht, der die Entwicklung von Juni 2008 bis Juni 2009 widerspiegelt. Thüringen verzeichnete dabei die relativ schlechteste Beschäftigungsentwicklung mit einem Minus von 1,7 Prozent. Unter anderem gingen 8327 Zeitarbeitsplätze verloren, ein Rückgang von 31 Prozent in diesem Sektor.

Defizite gibt es den Angaben zufolge bei Wirtschaftsleistung und Wohlstand: Ein Erwerbstätiger erwirtschaftete in Thüringen im Schnitt 48 491 Euro pro Jahr. Bundesweit sind es 61 790 Euro. Im Tabellenkeller des Rankings befindet sich das Land auch beim verfügbaren Einkommen. Dieses lag im Jahr 2008 bei 15 498 Euro je Einwohner bei einem Bundesschnitt von 19 162 Euro.

Das Land habe in den vergangenen Jahren von seinen Kultur-Highlights profitiert, die Städte Erfurt und Weimar seien attraktive touristisches Ziele, sagte INSM-Projektleiter Jan Loleit. Vom Aufschwung der vergangenen Jahre hätten vor allem die kleinen und mittelständischen Firmen im Raum Jena profitiert.

Laut Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) zeigt die Studie «große wirtschaftliche und technologische Potenziale» Thüringens, die in den kommenden Jahren systematisch entwickelt werden müssten. Allerdings werde mit der Untersuchung auch der Finger in die Wunde gelegt: anhaltende Abwanderung, zu geringe Produktivität, zu geringe Steuerkraft.

Zentrale Anliegen seien deshalb eine Stärkung der Innovationstätigkeit der Wirtschaft. Gebraucht würden höhere Löhne, um die Attraktivität Thüringens für Fachkräfte zu sichern. «Das ist das wirksamste Mittel gegen Abwanderung», sagte der SPD-Politiker.

Für den Verband der Wirtschaft Thüringens (VWT) ist das gute Abschneiden des Landes bei der Studie ein «Benchmark» für die neue Landesregierung. In der jetzigen Krise entscheide sich, wo die Entwicklung hingehe und ob Thüringen auch für Rückkehrer attraktiv vermarktet werden könne, sagte VWT-Präsident Wolfgang Zahn.

Laut CDU-Fraktionschef Mike Mohring ergab der Ländervergleich, dass Thüringen bundesweit die meisten Landesbediensteten auf 1000 Einwohner beschäftigt. Mohring mahnte, die Zahl der Landesbediensteten von heute rund 51 300 müsse bis 2019 auf 40 000 sinken. «Damit wären wir auf dem Durchschnittswert westdeutscher Flächenländer.»

(Quelle: Machnig zu ddp; alle anderen in Mitteilungen)

ddp/erd/mwa