Bundesländer - Länder wollen weniger Schweinegrippe-Impfdosen ordern: Nach wochenlangem Drängen der Bundesländer scheint sich im Streit um nicht benötigte Impfdosen gegen die Schweinegrippe eine Lösung abzuzeichnen. Der Hersteller GlaxoSmithKline ist angesichts der geringen Impfbereitschaft in Deutschland zu Nachverhandlungen über die bestellte Menge bereit.
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Zwar werde zunächst wie vertraglich vereinbart weiter produziert, sagte Unternehmenssprecherin Anke Helten am Mittwoch in München. Am 7. Januar sollen mit Bund und Ländern jedoch Verhandlungen über die Reduzierung der Liefermengen beginnen.

Die Landesgesundheitsminister wollen nur noch die Hälfte der 50 Millionen bestellten Impfdosen gegen die Schweinegrippe abnehmen. Hessens Gesundheitsminister Jürgen Banzer (CDU) sagte: «Unser Ziel war es, wie bei jeder Pandemie, Impfstoff für 30 Prozent der Bevölkerung vorrätig zu haben.» Zu dem Zeitpunkt sei man jedoch von zwei Impfungen ausgegangen und habe entsprechend Serum bestellt. Jetzt habe sich herausgestellt, dass eine ausreiche. Damit habe sich die Grundlage verändert. Ob die Länder aus den Lieferverträgen rauskommen, werde eine interessante juristische Diskussion sein.

Er gehe davon aus, dass gegenwärtig in Hessen sechs bis zehn Prozent der Menschen geimpft seien. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden in Hessen bislang 727 000 der insgesamt rund 3,7 Millionen bestellten Dosen des Serums ausgeliefert. Eine Dosis des Impfstoffes Pandemrix kostet etwa acht Euro in der Anschaffung. Die Krankenkassen zahlen aber nur den Impfstoff, der tatsächlich verabreicht wird.

Die finanziellen Kosten seien noch nicht absehbar, sagte Banzer: «Die Sicherheit der Bevölkerung hat uns Geld gekostet und wird uns Geld kosten.» Wenn aber am Ende der Erkrankungswelle die Ergebnisse so seien wie heute, sei er zufrieden und nehme die Kosten dafür in Kauf. «Ich habe nicht das Recht als Gesundheitsminister, darauf zu wetten, dass es schon gut geht», betonte Banzer. Als Gesundheitsminister habe er die Verantwortung, auf Nummer sicher zu gehen. Im Zweifel müsse er für die Gesundheit und Sicherheit agieren.

Zugleich verwies der Minister darauf, dass er nicht daran glaube, dass die Schweinegrippe bereits überstanden sei. Erfahrungen mit Grippewellen zufolge sei damit zu rechnen, dass Ende Januar, Anfang Februar die Spitze der Erkrankung noch anstehe. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sind in Hessen bislang knapp 15 000 Menschen nachweislich an der Schweinegrippe erkrankt. Die Dunkelziffer dürfte jedoch höher liegen, da nicht jeder Krankheitsfall mit H1N1 registriert wird. Bislang sind bundesweit 132 Menschen im Zusammenhang mit der Schweinegrippe gestorben, zwölf davon in Hessen.

Deutschland hat nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums weltweit Schweinegrippe-Impfdosen zum Verkauf angeboten. Derzeit gebe es Gespräche mit zehn Staaten über eine Impfstoff-Lieferung. Nach wie vor liege beim Impfstoff das wirtschaftliche Risiko ausschließlich bei den Bundesländern, sagte eine Ministeriumssprecherin.

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Entwicklungshilfeministerium, Gudrun Kopp (FDP), sagte, Moldawien, Mazedonien, der Kosovo, Albanien, die Mongolei und die Ukraine hätten Impfstoff im Rahmen von Entwicklungshilfe angefragt. Die Staaten hielten aber den von den Ländern geforderten Preis von sieben Euro pro Impfdosis für nicht marktgerecht. »Wenn die Länder Impfstoff verkaufen wollen, müssen sie mit dem Preis heruntergehen«, sagte die Staatssekretärin.

Berlin (ddp-hes)