Berlin (dapd). Die Gesellschaft erarbeitet derzeit eine Geschichtsausstellung im früheren Ost-Berliner Polizeipräsidium. Für Brüssel ist eine Open-air-Schau zum gesellschaftlichen Umbruch in den ehemals kommunistischen Ländern Osteuropas geplant. Noch bis Ende 2010 soll der Bildband 'Akteure der DDR-Opposition' veröffentlicht werden.
Die Havemann-Gesellschaft feiert am Freitag (19. November) den 20. Jahrestag ihrer Gründung. Benannt ist sie nach dem Naturwissenschaftler Robert Havemann (1910-1982), der von der SED-Führung jahrelang als 'Staatsfeind Nummer eins' behandelt wurde.
Weißbach zufolge verfügt die Gesellschaft noch nicht einmal über Förderzusagen für 2011. 'Aber gerade das Archiv zu erhalten und zu pflegen, ist eine kontinuierliche Aufgabe. Sie bedarf einer dauerhaften Grundfinanzierung.' Schließlich seien die Gesellschaft und das Archiv heute weit über Berlin hinaus auch international bekannt. 'Wir wollen auch weiterhin gegen das Vergessen anarbeiten.' Wie gut das gelinge, zeige der große Erfolg der Ausstellung auf dem Alexanderplatz zur friedlichen Revolution und die mittlerweile 18 Erinnerungssäulen im Stadtgebiet. 'Unsere Arbeit ist meiner Ansicht nach eine Arbeit von nationalem Interesse, was hier lagert ist nationales Kulturgut.'
Auch die Brandenburger Stasi-Landesbeauftragte Ulrike Poppe kritisierte den schwebenden Zustand hinsichtlich der Fördermittel: 'Das geht seit 20 Jahren so.' Poppe ist Vorstandsmitglied der Havemann-Gesellschaft. 'In dem Archiv lagern einmalige Dokumente aus der Oppositionszeit. Auch ich habe privates Material hierher gegeben, weil ich jederzeit darauf zurück greifen kann und die Dokumente eine gründliche Tiefenerschließung erfahren.' Das Archiv ermögliche nicht nur Recherchen, sondern helfe auch bei der Vermittlung von Zeitzeugen oder sammle gezielt bei Zeitzeugen Material. Bislang gebe es noch zu oft eine Sicht auf die DDR als Mauerstaat. 'Der Berlin-Besucher erfährt: Es gab Mauertote, es gab das SED-Regime, es gab den lustigen DDR-Alltag. Aber beim Widerstand gibt es nur die Stauffenberg-Gedenkstätte.' Deutschland vergebe sich viel, wenn das Kapitel DDR-Opposition nicht unterstützt werde. Poppe und Weißbach betonten, dass das Archiv auch Schulklassen betreue. Regelmäßig gebe es aufwendige Zuarbeiten für ausländische Medien.
Nach Angaben der Leiterin Tina Krone befindet sich im Archiv die größte Sammlung von illegal zu DDR-Zeiten hergestellt Zeitschriften (Samisdate). Ebenfalls aufbewahrt werden Flugblätter. Weiterhin finden sich dort die Nachlasse von Havemann selbst und von führenden Köpfen der Opposition wie Wolfgang Ullmann (1929-2004), Marianne Birthler, Roland Jahn und Bärbel Bohley (1945-2010).
Krone, Poppe, Weißbach sowie der frühere Bürgerrechtler Tom Sello forderten die Schaffung eines festen 'Zentrums für Opposition und Widerstand' in Berlin. Dort könnte auch das Archiv einen sicheren Platz finden, das momentan in einem Hinterhaus in Prenzlauer Berg untergebracht ist. Im ehemaligen Gefängnistrakt des Volkspolizei-Präsidiums an der Keibelstraße in Mitte soll laut Sello ein Ort der Bildung entstehen, wo über die Geschichte der DDR-Polizei informiert wird. Das Konzept dafür soll Mitte 2011 vorliegen.
dapd


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