Leipzig (ddp-lsc). Die Buchbranche sieht durch die neuen Möglichkeiten digitaler E-Bücher das Urheberrecht und die Lebensgrundlage von Autoren bedroht. «Unsere Autoren leben vom Schreiben», sagte Claudia Reitter, Vertriebsvorstand der Verlagsgruppe Random House, am Donnerstag auf der Leipziger Buchmesse. Niemand dürfe daher erwarten, dass künftig E-Bücher deutlich billiger seien werden als herkömmliche Papierbücher.
Der Autor müsse davon leben können und der Vertrieb bezahlt werden, sagte sie. Maximal sei vorstellbar, E-Bücher zehn Prozent billiger als die Hardcover-Erstausgabe anzubieten. Komme dann die Ausgabe als Taschenbuch auf den Markt, müssten Papier-Buch und E-Buch dasselbe kosten, betonte Reitter. Sie gehe davon aus, dass E-Bücher in fünf Jahren einen Marktanteil von fünf bis zehn Prozent erreicht haben werden. «An vielmehr glauben wir allerdings nicht». Die Entwicklung des E-Buches stehe noch sehr am Anfang, wichtige Fragen seien noch unbeantwortet.
Rainer Groothuis, Grafiker und Geschäftsführer des gleichnamigen Verlages, beklagte, die Politik tue wenig bis gar nichts, um die Urheberrechte im digitalen Zeitalter zu schützen. Im Gegenteil, Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) arbeite daran, das Urheberrecht einfach abzuschaffen und mache so den Diebstahl geistigen Eigentums legal.
Allerdings sei durchaus die Chance gegeben, dass Internetnutzer auch für Literatur bezahlen würden. «Beim Herunterladen von Musik sind sie dazu ja auch bereit», erklärte er. Wenn aber beispielsweise ein Vier-Minuten-Song im Internet 99 Cent koste, dann könne man hochrechnen, was für einen ganzen Roman verlangt werden könnte. Die Branche müsse gerade jetzt zu Beginn der Entwicklung aufpassen, dass sie ihre Preisvorstellungen durchsetze.
Der Vizepräsident von Springer Science + Business Media, Eric Merkel-Sobotta, sagte, es herrsche bei Internetnutzern zwar die Vorstellung vor, alles im Netz sei kostenlos. Die Erfahrung zeige aber auch, dass sie durchaus bereits seien zu bezahlen, «wenn sie davon einen Vorteil haben».
Der Elektronik-Konzern Sony hat am Donnerstag auf der Leipziger Buchmesse seinen «Reader» vorgestellt, ein tragbares Gerät zum Lesen digitaler Bücher. Der Reader ist seit Mittwoch in Europa auf dem Markt.
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