Bosch-Betriebsrat warnt vor Standortschließungen: In der Finanzkrise hat der Autozulieferer Bosch nach Auskunft des Betriebsrats 18 Standorte aufgegeben. Das sei eine deutliche Verschärfung des Mitarbeiterabbaus, kritisierte der Vorsitzende des Konzernbetriebsrats, Alfred Löckle, am Freitag in Gerlingen die 2008 begonnenen Schließungen oder Verkäufe. Auch die Produktion im französischen Vénissieux soll gegen den Willen des Betriebsrates eingestellt werden.
Vergrößern Bosch-Betriebsrat warnt vor Standortschließungen | Bild: © uschools

Die meisten der betroffenen Bosch-Standorte seien mit bis zu 100 Mitarbeitern eher klein, sagte Betriebsratschef Löckle. Seit 2008 die Schließung des Werks im walisischen Cardiff mit seinen 900 Mitarbeitern und später das Produktionsende in Vénissieux für 2011 bekanntgegeben worden sei, habe der Stellenabbau aber "eine neue Qualität" erreicht.

Von Vénissieux hatten 12 Mitarbeiter die 700 Kilometer Wegstrecke bis zur Bosch-Zentrale mit dem Fahrrad zurückgelegt, um gegen den drohenden Verlust ihrer Jobs zu protestieren. Am Freitag kamen sie in der Bosch-Zentrale an und sprachen dort mit der Geschäftsführung über die Situation ihres Standorts. "Die Zukunft bleibt ungewiss", sagte das Delegationsmitglied Jean-Marc Vadeboin nach dem Gespräch und der "Tour der Solidarität". Das Bosch-Management erklärte, die Befürchtungen der Mitarbeiter würden sehr ernst genommen. Es werde an einem wirtschaftlich tragfähigen Konzept gearbeitet, um möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.

Die bei Lyon gelegene Fabrik Vénissieux habe trotz Krise seine Produktivität erhöht, betonte der Betriebsratschef von Vénissieux, Marc Soubitez. Die Aufgabe des infrastrukturell optimal angebundenen Werks sei unverständlich. In der Fabrik mit ihren 620 Mitarbeitern wird nach Angaben des Betriebsrats eine Diesel-Einspritzpumpe produziert, die nicht mehr die Emissionsnormen Euro 5 und Euro 6 erfüllt. Der Bedarf an solchen Einspritzpumpen sinke daher, sagte Soubitez. Hoffnung setze er auf eine mögliche Kooperation mit dem in Vénissieux benachbarten Werk der Firmentochter Bosch Rexroth.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Claus Schmiedel, warnte derweil vor unternehmerischen "Schnellschüssen". Langfristig sei das auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten kein guter Weg. Statt Jobs abzubauen, sollten die Firmen mehr Mitarbeiter für Zukunftstechnologien wie das Elektroauto einstellen, forderte der SPD-Politiker.

Der weltgrößte Autozulieferer musste 2009 erstmals in der Nachkriegsgeschichte Verluste verbucht. Nach Steuern stand ein Minus von 1,2 Milliarden Euro nach plus 372 Millionen im Vorjahr. Der Umsatz gab um 15 Prozent auf 38,2 Milliarden Euro nach. Die Zahl der Beschäftigten verringerte sich weltweit um vier Prozent auf fast 270 700. In Deutschland ging die Mitarbeiterzahl um mehr als zwei Prozent auf 111 700 zurück. Im laufenden Jahr will Bosch die Rückkehr in die schwarzen Zahlen schaffen und ein Umsatzplus von mehr als zehn Prozent auf 42 Milliarden Euro erwirtschaften.

GERLINGEN (dpa-AFX)