Dennoch werden zahlreiche neue Hotels hochgezogen.
Das Amt für Stadtentwicklung und Bau hat derzeit für 19 neue Hotels Baugenehmigungen oder Bauvorbescheide erteilt. Damit würden in den kommenden Jahren über 3700 zusätzliche Betten in der Landeshauptstadt entstehen - eine Steigerung von 22 Prozent. Allein am Altmarkt entstehen gleich zwei neue Übernachtungsmöglichkeiten mit rund 440 Zimmern.
Der Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA hält neue Hotels mit Tausenden von zusätzlichen Betten jedoch nicht für erforderlich. «Bereits jetzt ist die Lage für einige Hotels kritisch», sagte Dresdens DEHOGA-Geschäftsführer Gerhard Schwabe. Vor allem die kleinen inhabergeführten Hotels würden schon jetzt mit dem Preisdruck kämpfen. Besonders umkämpft ist der Hotelmarkt im oberen Preissegment. Bereits im Jahr 2008 kam eine Bedarfsanalyse der Dresden Werbung- und Tourismus GmbH zu dem Fazit: «Zusätzliche 5-Sterne-Hotels werden in Dresden nicht benötigt.» 10,4 Prozent betrug damals der Anteil der Luxushotels am gesamten Angebot. Zum Vergleich: Im nordrhein-westfälischen Düsseldorf waren es lediglich 3,6 Prozent. Allein am Neumarkt um die Frauenkirche entstanden seit 2006 sechs Hotels. Dennoch wird das Angebot weiter ausgebaut. Am Residenzschloss entsteht mit Blick auf die Frauenkirche ein 5-Sterne-Hotel mit 235 Zimmern. Nur wenige Meter entfernt liegt das Hotel Taschenbergpalais Kempinski, in dem auch US-Präsident Obama bei seinem Dresden-Besuch 2009 übernachtete.
Die Manager der Hotelkette InterContinental sind dennoch davon überzeugt, dass sich in Dresden der Bau eines neuen Hotels lohnt. «Unsere Buchungssysteme zeigen, dass es noch Bedarf gibt - vor allem im mittleren und günstigeren Preissegment», sagte der für Hotel-Entwicklung zuständige Martin Bowen. Nationale oder internationale Hotelketten hätten es zudem im Vergleich zu kleineren Hotelbetrieben leichter, die erforderliche Auslastung zu erreichen. «Die Ketten konkurrieren auf einer anderen Ebene und können auf ein größeres System zurückgreifen», sagte Bowen. Derzeit errichtet das Unternehmen zusammen mit einem Franchise-Partner ein 290 Zimmer fassendes Hotel in der Innenstadt.
Die Dresden Marketing GmbH will nun mit mehreren großen Werbekampagnen mehr Gäste in die Elbestadt locken. In den vergangenen Jahren kamen jährlich rund 1,5 Millionen Besucher in die Landeshauptstadt. Die Übernachtungszahlen schwankten mit wenigen Prozentpunkten um die 3,3 Millionen pro Jahr. 2009 standen Besuchern 107 Hotels mit rund 16 530 Betten zur Verfügung. «Wenn die geplanten Bettenzuwächse tatsächlich eintreten, müssen wir dem zusätzlichen Angebot gerecht werden und deutlich mehr Gäste aus dem In- und Ausland nach Dresden holen», sagte Geschäftsführerin Bettina Bunge. Im März sei die Kampagne «Dresden. Kommen Sie Kunst genießen» gestartet, die auf kulturelle Höhepunkte in diesem Jahr wie die Wiedereröffnung des Albertinums, die Musikfestspiele oder das 450. Jubiläum der Kunstsammlungen ziele und vor allem Kunstliebhaber als potenzielle Dresden-Touristen anspreche. Für dieses Jahr rechnet Bunge bereits mit einem Zuwachs der Übernachtungen von zwei bis vier Prozent.
Die DEHOGA macht sich angesichts des Hotel-Booms jedoch auch Sorgen um das Erscheinungsbild der Stadt. «Für eine Innenstadtbelebung muss mehr getan werden, als nur Hotels zu bauen», sagte Schwabe. Eine sinnvolle Nutzung des Stadtgebietes bestehe aus einer Mischung aus Wohnmöglichkeiten für Dresdner, Hotels sowie Service und Dienstleistern. «Stadtbesucher wollen nicht nur Touristen sehen, sondern auch Einheimische», sagte Schwabe.
Dresden (ddp-lsc)


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